Seit dem 1. März erfreut sich der Sowjetbürger einer gehobenen Lebenshaltung. Denn an diesem Tage wurden durch einen gemeinsamen Ukas des Ministerrates und der Parteileitung die Preise für alle Waren – Nahrungsmittel, Textilien, Geschirr, ja, auch ausgesprochene Luxusartikel – mit sofortiger Wirkung erheblich gesenkt. Das war eine freudige Überraschung, und die emsige und zielsichere Propaganda sorgt unausgesetzt in Presse und Funk dafür – insbesondere auch mittels der gut gesteuerten Reden der Abgeordneten im Obersten Sowjet –, daß dies „Bewußtsein der bereits erreichten Wohlhabenheit“ zu stabiler Überzeugung ausreift.

Man kann also in die – seit mehreren Monaten sehr gut versorgten – Läden gehen und kaufen, was das Herz begehrt. Und die Preisschildchen in diesen (bekanntlich ausschließlich staatlichen) Unternehmen besagen nun folgendes: Schwarzbrot kostet jetzt je Kilogramm nur noch 2 Rubel, gegen 2,70 von früher; Roggenbrot ist also um 26 v. H., bestes Weizenbrot um volle 30 v. H. je Kilogramm gesenkt worden. Und wenn man vor der Preissenkung noch 25 Rubel für ein Kilogramm Rindfleisch und 27 Rubel für Schweinefleisch ausgeben mußte, so bezahlt man jetzt nur noch 19 und 20,50 Rubel. Speck gibt es für 48,90 Rubel (statt 68) und Butter für 40,60 statt 58 Rubel Eine Literflasche Wodka kostet 55 Rubel gegen 65 und Kaviar ist sogar um ganze 30 v. H. billiger geworden.

Wenn nun der Sowjetbürger – sagen wir, ein höherer Angestellter oder ein ihm im Einkommen ungefähr gleichgestellter qualifizierter Dreher, älterer Werkchauffeur oder jüngerer Unterwerkmeister – seinen „Reallohn“ überschlägt, kann er feststellen, daß ihm nach Abzug der Monatsmiete etwa 500 bis 620 Rubel verbleiben; mehr als 720 Rubel hat er bestimmt nicht ausgezahlt bekommen und für die Wohnungsmiete wird er nicht mehr als 100 Rubel hingegeben haben. Wie kann nun seine Monatsrechnung aussehen? Etwa so (in Rubeln):

10 kg Schwarzbrot 20,–

10 kg Weißbrot 28,50

5 kg Graupen 43,–

2 kg Hirse 9,–