Die Bundesregierung hat ihren Gesprächspartnern von den Gewerkschaften erklärt, sie wolle die Preise „nicht laufen lassen“. Wie will sie sie halten? Vor allem durch marktpolitische Maßnahmen, also durch ein verstärktes Angebot, das freilich noch stets der wirkungsvollste Preisdruck war; sie will den Markt mit Hilfe einer „beweglichen Vorratswirtschaft“, wie sich Blücher ausdrückte, beliefern. Schweine und Schweinefleisch beispielsweise könnten, wenn nötig, auf Grund der Auslandsangebote und der abgeschlossenen Handelsverträge in ausreichenden Mengen importiert werden. Die Regierung will aber auch besondere Verwaltungsmaßnahmen ergreifen. Die Preisbehörden – auf die die Bundesregierung allerdings nur indirekt, nämlich über die Länder, einwirken kann – sollen Preistreibereien energisch bestrafen. Ferner will die Regierung sorgfältig die Kostenverhältnisse im Mühlen- und Baugewerbe untersuchen, um die Berechtigung der Preisspannen zu prüfen. Den Mühlen gegenüber verfügt die Regierung über starke Druckmittel. Es gibt bekanntlich viel zu viele Mühlen in Westdeutschland; nur die leistungsfähigsten werden sich auf die Dauer behaupten können.

Die Einführung von Höchstpreisen lehnt die Bundesregierung ab. Mit vollem Recht! Denn sie würde nur neue Hortungen zur Folge haben. Auch von einem „Nationalen Preisrat“ auf breiter interministerieller Ebene, dessen Gründung im Kabinett ein oder zwei Befürworter gefunden hatte, verspricht die Regierung sich nicht viel. Der bereits bestehende Preisrat genügt vollauf. – Von ausschlaggebender Bedeutung für die Entwicklung der inländischen Preise wird freilich die der Auslandspreise sein. Sie hängt von der internationalen Lage ab. Und hier ist in Wirklichkeit die Grenze für die preispolitischen Einwirkungsmöglichkeiten der Bundesregierung.

St.