Die Weinbauern können in diesen Jahr, nach der bisherigen Entwicklung der Reben zu urteilen, wahrscheinlich mit einem reicheren Ertrag rechnen, als ihn die qualitativ sehr gute, aber mengemäßig geringe Weinernte des vorigen Jahres erbrachte. Wie sieht es nun mit den Preisen aus?

Steigen die Weinpreise? Bei den Frühjahrs-Versteigerungen erreichten die Veranstalter durchschnittlich 2,11 DM je Liter weißen Faßweins. Die Flaschenweine waren allgemein noch teurer: so kam die Flasche pfälzischen Weißweins durchschnittlich auf 3,72 DM. Mit solchen Preisen also müssen die Weintrinker bei der Zusammenstellung der Durchschnittspreise von Rhein, Mosel und Nahe wohl rechnen, nachdem um die Jahreswende infolge geringerer Nachfrage die Tendenz zum Billigerwerden bestanden hatte. Wie war es dazu gekommen? Steuertermine und Lastenausgleich hatten beim Winzer den Mangel an flüssigen Mitteln verschärft. Man mußte früh mit der Ernte herauskommen, so daß der selten gute 1949er in der Gefahr schwebte, zu außerordentlich gedrückten Preisen abgestoßen werden zu müssen.

Dieser Sorge scheint man nun ledig zu sein. Jetzt sind für den Weinbauer andere Dinge in den Vordergrund getreten: Der Auslandswein und die Reblausseuche. Sich gegen die Konkurrenz aus Frankreich, Italien und Griechenland zu halten, erfordert Kapital, um nicht in einem marktungünstigen Moment zum Verkauf der eigenen Ware gezwungen zu sein. Doch nur die qualitativ hochwertigen Weine konnten bisher zurückgehalten werden. Für diese geringen Mengen des Ausnahmejahrgangs 1949 aber wird man gute Preise erreichen können, die auch der Auslandswein nicht stören wird; denn einmal liegt er bisher in ganz wenigen Fällen unter den Preisen für Inlandweine, zum zweiten wird der 49er besser, je länger er lagert, zum dritten stören sich hier (da andere Geschmacksrichtungen) Auslands- und Inlandswein nicht. Sie haben jeweils andere Käufer. Und die Luxussteuer – sie wird kommen – wird die Lage des deutschen Weinbaus nur verbessern können, weil nach den Bonner Entwürfen lediglich Weine mit einem Alkoholgehalt ab 140 Gramm/Liter mit einem Sondersatz belegt werden sollen. Deutsche Erzeugnisse bleiben aber unter dieser „Bemessungsgrundlage“. Schwieriger wird es mit der Kapitalbeschaffung für die Reblausseuche sein. Das erfordert außerordentliche Mittel, notfalls die Unterstützung durch die interessierten Bundesländer. –s.