E. G. London, im August

Nicht nur in Deutschland sind ausländische Filmgelder blockiert. Nach amerikanischen Angaben froren in England rund 2 Mill. £ Erlöse für Hollywoodfilme ein. In einem neuen Abkommen, das ab Oktober für ein weiteres Jahr die direkten Zahlungen Englands für seine Filmeinfuhr aus den USA (180 Stück) auf 17 Mill. $ begrenzt, ist darüber hinaus ein „Bonusplan“ angekündigt. Er sagt Hollywood zusätzliche Dollarzahlungen aus folgenden Quellen zu: aus amerikanischen Ausgaben für die Herstellung von Filmen in England, aus dem Ankauf von britischen Filmrechten für die USA zu festen Preisen und aus den Erlösen britischer Filmvorführungen in den USA. Der Vorsitzende der Motion Pictures Association of America, Eric Johnston, scheint damit zufrieden und der Hoffnung zu sein, daß Hollywood „trotz sehr großer Hartnäckigkeit des englischen Handelsministers Harold Wilson“ nicht nur materielle Vorteile aus dem neuen Bonusplan, sondern auch verstärkte ideelle Anregungen aus größerem Wettbewerb zwischen englischen und amerikanischen Filmproduzenten gewinnen werde.

Dieser erwartete gegenseitige Ansporn wird sich sicher auch auf den deutschen Markt für ausländische Filme auswirken, der von Hollywood und von London als ein sehr bedeutender Markt betrachtet wird. Dies nicht nur, weil in Westdeutschland mit einem jährlichen Bedarf von 240 Spielfilmen zu rechnen ist, von dem die deutsche Produktion bestenfalls wohl ein Viertel herstellen kann. Vielmehr auch deshalb, weil man von der Blockierung der Filmerlöse in Deutschland auf deutscher Seite abgehen und die Filmeinfuhr in den laufenden Handel mit transferierbaren Erlösen eingliedern will.

Es wird sich dabei nicht vermeiden lassen, daß der Reiz des Transfers die Lieferfreudigkeit der ausländischen Produzenten noch erhöhen wird, während die Rücksichtnahme auf die noch recht schwache deutsche Produktion eine Kürzung der Einfuhr erfordert. Doch man sollte in London und Hollywood Verständnis dafür haben, daß der deutschsprachigen Produktion für einige Zeit ein „Aufbauschutz“ gebührt, bevor man die I iberalisierung des Handels auf Filme ausdehnt. In London vor allem, das die Quote gegenüber Hollywood wohl nicht nur aus Dollarmangel begrüßt, sollte volles Verständnis für die schrittweise Freigabe der Filmeinfuhr bestehen.