Unter Teilnahme der Vertreter von 16 Ländern und von Beobachtern der UN, der FAO und weiterer fünf Staaten hielt der Internationale Zuckerrat am 20. Juli in London eine Sitzung ab, die sich mit dem Entwurf eines neuen Internationalen Zuckerabkommens beschäftigte. Die Delegierten unterbreiten diesen Entwurf jetzt ihren Regierungen. Anschließend wird der Rat entscheiden, ob der Generalsekretär der UN mit der Einberufung einer internationalen Zuckerkonferenz beauftragt werden soll.

Seit dem Jahre 1937, in dem letztmalig internationale Zuckerausfuhrquoten festgesetzt wurden, haben sich in der Weltzuckerwirtschaft grundlegende Wandlungen ergeben. So hat sich die Stellung Kubas als Exporteur auf dem freien Weltzuckermarkt gewaltig gestärkt, während die Stellung Javas, Rivale Kubas, zur Bedeutungslosigkeit herabgesunken ist. Im Britischen Empire ist immer mehr die Tendenz zur Zuckerselbstversorgung aus Empirequellen hervorgetreten. In Europa ist die Bedeutung der Rübenzuckerindustrie noch größer geworden, und selbst im Fernen Osten ist die zuckerwirtschaftliche Lage Japans und Formosas gegen 1937 vollkommen verändert. In Amerika ist Mexiko ein Zuckerimporteur größeren Stils geworden, und San Domingo bemüht sich in letzter Zeit, die Ausfuhr zu steigern. Diese nur kurz gezeichneten Veränderungen der Lage gegenüber 1937 werden natürlich auch heute in den Quotenforderungen der einzelnen Vertragsländer ihren Niederschlag finden. Die Überwindung der sich hieraus ergebenden Schwierigkeiten erscheint aber nicht unmöglich.

Ein viel ernsteres Problem für den Abschluß eines neuen internationalen Zuckerabkommens dürfte dagegen die Spaltung der Welt in einen östlichen und westlichen Block sein, dessen innere Spannungen ja gerade in diesen Wochen in Korea zutage getreten sind. Am Internationalen Zuckerabkommen von 1937 waren vom Ostblock außer der UdSSR die CSR, Polen, Ungarn und China beteiligt. Eine loyale Mitarbeit dieser Staaten ist heute ein durchaus fragwürdiges Problem. Die Voraussetzungen für den Abschluß einer umfassenden internationalen Konvention sind im Augenblick schon deswegen ganz anders, weil weder an zahlreichen Stellen der Welt große Überschußvorräte angesammelt sind, noch am Weltmarkt etwa katastrophale Preise herrschen, wie dies bei den Abkommen zwischen den beiden Weltkriegen der Fall war. Hauptantrieb für den Abschluß einer neuen Konvention bleibt somit die Furcht vor zukünftigen Überschußvorräten und dem Eintritt eines Notstandes, wie dies im Communique des Internationalen Zuckerrates vom 30. Juni zum Ausdruck gebracht wird.

Für den freien Weltmarkt ist heute die kubanische Zuckerlage von ausschlaggebender Bedeutung. Von der kubanischen Gesamterzeugung des Jahres 1950 mit 6,125 Mill. Kurztonnen (Rollwert) waren Ende Juli über 4,400 Mill. t fest verfügt. Bei normalen Verhältnissen könnte bis zum Ende des Jahres mit einem Absatz auf dem Weltmarkt von 900 000 t und zum Ende des Jahres mit Überschuß Vorräten von 816 000 t gerechnet werden. Diese Überschußmenge beunruhigte den Markt und war der Faktor, der am stärksten den Ruf nach einem Abkommen laut werden ließ. Im Hinblick auf den Umstand, daß die fraglichen 800 000 t die einzigen vorhandenen Überschußmengen sein würden, will uns dieser Vorrat in einer mit Spannungen geladenen Welt nicht gar so gewaltig erscheinen. Berücksichtigt man die Tatsache, daß Kuba in letzter Zeit bedeutende Verkäufe tätigen konnte, daß weiterhin 200 000 span. Langformen von der Spezialreservequote auf die Weltmarktquote übertragen wurden und daß allenthalben eine starke Nachfrage nach Zucker eingesetzt hat, so gewinnt die Weltvorratssituation eine bedeutende Entlastung.

Auch in den USA haben in den letzten Wochen Hamsterkäufe zu gewissen Schwierigkeiten in der Zuckerversorgung geführt. Die Großhandelspreise für raffinierten Zucker sind von 7,7 cents (32,3 Pf) auf 8,1 cents (34 Pf) gestiegen. Die zuckerverbrauchenden Lebensmittel- und Getränkeindustrien der Staaten geben als weiteren Grund für die gegenwärtige Zuckerknappheit an, daß die amerikanische Regierung das Zuckereinfuhrkontingent niedrig festgesetzt habe, um so die Preise des Inland-Zuckers zu stützen. Man ist der Ansicht, daß das diesjährige Kontingent von 7,85 Mill. t – im Vorjahr betrug es 7,5 Mill. t – selbst den normal anfallenden Bedarf während der Einmachzeit nicht gedeckt hätte. Nach neuesten Meldungen haben sich die USA entschlossen, nunmehr die gesamte noch verführe kubanische Zuckerreserve von 600 000 sh t aufzukaufen. Der Preis liegt bei 5,25 cents je 1b fob.

Nach Schätzungen sind im Frühjahr 1950 in Europa 2,244 Mill. ha angebaut worden gegen 2,150 Mill. ha 1949 und 1,782 Mill. ha im Frühjahr 1938. Es ergibt sich gegenüber 1949 eine Zunahme von 139 423 ha = 6,6 v. H. und gegen 1938 eine Zunahme von 462 191 ha = 25,9 v. H. Diese Steigerung des Zuckerrübenanbaus entfällt vor allem auf Westdeutschland, die CSR und Italien. Aber auch kleine Länder haben Zunahmen aufzuweisen.

Im Kampagnejahr 1949/50 stellte sich der Zuckerertrag je Hektar (in den europäischen Länden! ohne UdSSR) auf 3,29 t Rohwert gegen 3,68 t im Kampagnejahr 1948/49 und 3,40 t im Kampagnejahr 1937/38. Die Entwicklung der Zuckerrüben war in den meisten europäischen Ländern bisher befriedigend. Bei einem Ertrag von 3,50 metr. t (Rohwert) würde sich eine europäische Erzeugung von 7,857 Mill. metr. t (Rohwert) ergeben gegen 6,921 Mill. im Kampagnejahr 1949/50 und 6,347 Mill. im Kampagnejahr 1938/39. Unter diesen Voraussetzungen liegt in Europa eine Mehrerzeugung vor, die bei 1 Mill. t liegen dürfte. Im Kampagnejahr 1949/50 hat der Netto-Einfuhrbedarf Europas einschl. Großbritanniens 3,094 Mill. t gegen 3,125 Mill. t im Vorjahr betragen. Ohne Großbritannien ergibt sich ein Nettoeinfuhrbedarf von 1,569 Mill. t im Kampagnejahr 1949/50 und 1,563 Mill. t im Kampagnejahr 1948/49.