In der Atelierkantine oder in den Umkleide räumen, vielleicht aber auch im Vorzimmer des Produktionschefs, hatten der Regisseur, der Kameramann und die Schauspieler des amerikanischen Kriminalfilms „Schritte in der Nacht" anscheinend ihre Herzen abgegeben — s wie man sonst während der Arbeit eine Uhr iblegt oder einen Rock —, ehe sie mit dem Drehen begannen. Denn dieser Film verzichtet nick nur auf die echten Gefühle (das tun viele Firne), sondern auch auf die unechten — er arbeitet mit der Präzision eines Uhrwerks einen Kriminalfall heraus und präpariert ihn garantiert mitleidsfrei vor den Augen der kriminalistisch Interessierten. In diesem Film interessiert es niemanden mehr, warurn der Mörder mordet und ob er ein guter oder ein böser Mensch ist; niemand fragt mehr danajii W 4is Opfer sind es geht nicht mehr um die Aufhellung menschlicher Motive, es geh m den Fall". Diese Distanz vom Menschen kann man in den neuen amerikanlschea Kriminalfilmen jetzt Immer öfter beobachten, und sie wird auch schon äußerlichdurch einen „Sprecher lich, der die Handlung rücksichtslos vorvärt treib bis zur Aufklärung".

Diese Entwicklung des neuen „gängigen" Film 8 deutweilen zwar erlogene und sentimentale, aber immerhin Gefühle. Wieviel säkularisierte Seele steckte zum Beispiel in einem handfesten Wildwestfilm, der einen. Heiden hat und ein schwaches Mädchen, einen, abgefeimten Schurken und ein paar allzu menschliche Gauner. In diesem neuen Film jedoch gab es keine menschlichen Heiden und Schurken mehr: der Held war der „Faf i%, er wurde großgezogen in der kalten Luft des Verstandes, Die Kamera hatte. Stücke polizeilicher Präzisionsarbeit mitsamt der Verfolgungsjagd gut eingefangea, und da der Regisseur Alfred Werker für einen glattea Verlauf sorgte und bei seinen Schauspielern peinlichst jede Gefühlsaufwallung" vermied, wurde der Film zu dem genau stimmenden Bilderbogen einer Polizeiakte: sehr eindrucksvoll für alle, die das menschliche Leben zum Objekt einer verstandesmäßigen Logik machen In Locarao wurde dieser Streifen auf den Filmfestspielen zum besten Kriminalfilm des Jahres erklärt, P Hühnerfeld