Bad Wiessee, nicht unbekannt in der Geschichte des Tausendjährigen Reiches, beherbergt augenblicklich den hessischen Ministerpräsidenten Christian Stock, der dort seinen Urlaub verlebt, ohne sich vor den Gespenstern des Ortes zu fürchten. Kürzlich fand er es nötig, nach Wiesbaden zu fahren, um an einem Empfang des amerikanischen Landeskommissars teilzunehmen. Zu weiterem Verweilen in seiner Landeshauptstadt allerdings hatte er keine Zeit. Er kehrte nach Wiessee zurück, und eine Stunde später folgte ihm in einem Sondertriebwagen das gesamte hessische Kabinett, um „eine wichtige Kabinettsitzung in ruhiger Umgebung durchzuführen“. Schon einmal waren Politiker nach Wiessee gefahren und wurden dann zusammen mit Freund Röhm von ihrem geliebten Führer höchst persönlich umgebracht. Die hessischen Minister jedoch hatten keine Angst vor Gespenstern – zu Unrecht, denn die Erynnien schliefen nicht. Es erhoben sich Gestalten, die zwar nicht den leiblichen aber den politischen Tod der hessischen Kabinettsmitglieder forderten. Der Bund der Steuerzahler fand die Verschwendung unerhört, die das Ministerium ungeachtet eines monatlichen Defizits von 6,8 Millionen DM trieb. Mit Recht! Vielleicht sollte er versuchen, beim Bund eine Sonderspesen-Steuer für den hessischen Ministerpräsidenten zu beantragen. -l.