Einer der gefährlichsten Brandherde im Fernen Osten ist Malaya. Dort hatte sich während des Krieges die „antijapanische malaiische Volksarmee“ gebildet, die überwiegend aus Chinesen bestand, Ihre Waffen erhielt sie bis zum Fall von Singapur von den Engländern und nach der Kapitulation Japans von den sich auflösenden japanischen Einheiten. Bei Beendigung des Krieges blieb die „Volksarmee“, in der kommunistische Elemente die Führung übernommen hatten, bestehen. Sie beobachtete von ihren geheimen Dschungelunterkünften mit Gewehr bei Fuß die politische Entwicklung.

Zunächst übernahm damals eine britische Militärregierung die Verwaltung des Gebietes, später, am 1. April 1946, faßte England die neun Sultanstaaten sowie die Settlements Malakka und Penang zu der „Malaiischen Union“ zusammen, in welcher der englische König „volle Gewalt und Gerichtsbarkeit“ besaß. Der Widerstand der Sultane gegen diese „Malaiische Union“ hatte nach zweijährigem Kampf einen Teilerfolg. Im Januar 1948 wurde die Union durch den „Bundesstaat Malaya“ ersetzt, in dem ein britischer Hoher Kommissar im Namen des englischen Königs die Kontrolle über die Verteidigung des Bundesstaates und seine Außenpolitik ausübt. Bei der staatlichen Neuordnung ließ er sich von dem Grundsatz leiten, den malaiischen Bevölkerungsteil gegenüber dem chinesischen zu bevorzugen.

Nun lag der Schwerpunkt der chinesischen Einwanderung in Singapur, wo von der eine Million zählenden Bevölkerung 77,5 v. H. Chinesen und nur 12,3 v. H. Malaien sind. In den übrigen Gebieten kommt die Zahl der Malaien den zusammengefaßten chinesischen und indischen Bevölkerungsteilen gleich. Um eine Majorität der eingewanderten nicht-malaiischen Bevölkerung in Malaya zu verhindern, nahm England daher das Settlement Singapur aus dem Staatsverband heraus und machte es zur Kron-Kolonie. Damit wurden die Malaien im Bundesstaat mit 49,4 v. H. die stärkste Volksgruppe, während die Chinesen mit 33,3 v. H. und die Inder mit 11 v. H. folgen. Weiter wurde festgelegt, daß die Malaien automatisch die Staatsangehörigkeit des Bundes erhalten, während von den Chinesen nur diejenigen Bürger wurden, deren beide Elternteile in dem Gebiet des Bundesstaates geboren waren. Andere Diskriminierungen, so im Schulwesen, kamen hinzu und trugen dazu bei, daß viele der in Malaya lebenden Chinesen sich als Auslandschinesen in einem fremden Land fühlen.

Diese Vorgänge führten im Februar 1948 zunächst zu einem Proteststreik von 30 000 Arbeitern im Hafen von Singapur, dem wenige Wochen später die ersten Zusammenstöße zwischen Regierungstruppen und Angehörigen der immer noch im Untergrund bestehenden „Volksarmee“ folgten. Das daraufhin verfügte Verbot der KP Malayas gab den Führern der „Volksarmee“ am 18. Juni 1948 Anlaß zu einem „Ruf zu den Waffen“. Der Krieg, der sich hieraus entwickelte, ist ein Kampf von Terroristen-Gruppen, die urplötzlich irgendwo Attentate oder Sabotageakte ausführen, um dann ebenso schnell wieder in den Dschungeln zu verschwinden. Verweigerte Hilfe oder Verrat wird in diesem Krieg von den Aufrührern mit der Vernichtung ganzer Ortschaften geahndet. Die Zahl der Terroristen der „Volksarmee“ wird englischerseits mit 3000 Mann angegeben. Dagegen hat England neben 24 000 Soldaten 72 000 Mann Polizei eingesetzt.

Nach vielen Fehlschlagen hat die Regierung nunmehr den ehemaligen Generalleutnant Sir Harold Briggs mit dem Kampf gegen die „Volksarmee“ beauftragt. Er arbeitet nach einem neuen Plan. Durch eine kombinierte militärische und administrative Operation will er etwa 300 000 chinesische Dschungelsiedler, die die „Volksarmee“ in ihren Dschungelverstecken unterstützen, umsiedeln. Briggs begann mit dieser Aktion im südlichen Teil von Johore. Tagsüber wird das Dschungelgebiet planmäßig durchgekämmt. Alle Dorf- und Einzelsiedlungen der Chinesen werden evakuiert. Die Bewohner werden mitsamt ihrer Habe – einschließlich der Hütten – in „Wiederansiedlungslager“ überführt. So sollen die Rebellen von ihren Nachschubquellen abgeschnitten werden.

Inzwischen gehen auch Bemühungen für einen friedlichen Ausgleich zwischen Malaien und Nicht-Malaien weiter. Die Diskriminierungen gegen Chinesen und Inder sollen danach in Zukunft wegfallen. Dies könnte dazu führen, daß die in Malaya lebenden Chinesen, die in ihrer überlebenden Mehrheit die radikale Tätigkeit ihrer Landsleute in der „Volksarmee“, der KP und den anderen verbotenen Organisationen ablehnen, zu loyalen Bürgern des Bundesstaates Malava werden. Ernst Krüger