Bis in das Jahr 1949 waren die Bemühungen der deutschen Rundfunkindustrie, langsam wieder den alten Platz auf den Auslandsmärkten zurückzugewinnen, ohne jeden nennenswerten Erfolg. Sehr umfangreich war dieser deutsche Exportzweig allerdings nie. Im Durchschnitt gingen vor dem Kriege etwa 100 000 Rundfunkempfänger jährlich in das Ausland. Sie repräsentierten jeweils einen Wert von rd. 11 Mill. RM. Nach der Saison 1938/1939, die einen Export-Höhepunkt von 191 000 Geräten brachte, war es dann um den deutschen Rundfunkgeräte-Export zehn Jahre hindurch völlig still...

Erst in diesem Jahre, als die deutschen Geräte das internationale Niveau wieder erreichen und verschiedentlich sogar überschreiten konnten, kam es zu guten Anfangserfolgen. Damit konnten die deutschen Geräte ihren guten Ruf, den sie im Ausland stets besaßen, zurückgewinnen. Die qualitative und preisliche Entwicklung hat gerade in den letzten Monaten das Interesse des Auslandes an deutschen Empfängern merklich anwachsen lassen, und es kann damit gerechnet werden, daß diese Entwicklung anhält. Aber auch hier hat sich die Situation gegenüber der .Vorkriegszeit wesentlich geändert, da die meisten europäischen Länder im Krieg oder nach dem Kriege eigene Radio-Industrien ausbauten und den eigenen Bedarf schnell decken konnten. Das gilt vor allem für Frankreich, Italien, Spanien, Schweden, Norwegen, Dänemark und Finnland. Nicht unterschätzt werden dürfen ferner die prohibitiven Maßnahmen zum Schutze der Rundfunk-Industrien in den einzelnen Ländern, die die deutschen Exportmöglichkeiten stark beeinträchtigen.

Außerdem muß bei den zum Export kommenden deutschen Geräten jeweils beachtet werden, daß (unterschiedlich nach Ländern und Erdteilen) eine abweichende Technik notwendig ist, denn in den überseeischen Ländern herrscht eine Bevorzugung der Kurzwelle und damit ein Verzicht auf die Langwelle vor. Eine Selbstverständlichkeit ist die Tropenfestigkeit der Apparate.

Von der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Rundfunk-Wirschaft wird die jährliche Exportmöglichkeit deutscher Rundfunkgeräte auf 50 000 Apparate zu einem Wert von 6 bis 7 Mill. DM geschätzt. Wahrscheinlich aber wird vorerst nur die Hälfte dieser geplanten Exporte tatsächlich durchzuführen sein. Diese Vermutung wird durch die bisherigen Ergebnisse des Jahres 1950 bestätigt. Im Januar gelangten aus Westdeutschland Geräte im Werte von 55 000 DM zum Export. Den Höchststand erreichte er im März mit Ausfuhren im Werte von 475 000 DM. Bei einem Anhalten der augenblicklichen Entwicklung kann also angenommen werden, daß Westdeutschland 1950 Rundfunkapparate im Werte von etwa 3,5 Mill. DM exportiert. Ungefähr die Hälfte dieser Ausfuhren dürfte nach Übersee gehen. 30 v. H. nimmt das europäische Ausland auf, während der Rest vom Nahen Osten gekauft wird. Als Hauptabsatzgebiete können heute bezeichnet werden: Belgien, die Schweiz, Portugal, Franz. Nordafrika, Ägypten, die Türkei, Syrien und Persien. In Kürze ist auch mit einem stärkeren Export nach Brasilien, Argentinien, Kolumbien, Venezuela, Uruguay und Chile zu rechnen.

An den Exporterfolgen sind in erster Linie die bereits aus der Vorkriegszeit bekannten führenden Firmen der deutschen Rundfunkindustrie beteiligt, so u. a.: Telefunken, Philips, Blaupunkt, Mende, AEG, Saba, Lorenz, Graetz, Siemens und Schaub. Aber auch Firmen, die erst in der Nachkriegszeit gegründet wurden, konnten sich in das Exportgeschäft einschalten. Da sind zu nennen die Grundig-Radio-Werke und die Metz-Transformatoren- und Apparate-Fabrik, beide in Fürth, sowie die Wobbe-Radio-GmbH. – der Benjamin der deutschen Rundfunkindustrie – in Rendsburg. Einige dieser Firmen haben unter Berücksichtigung der im Ausland vorherrschenden Bevorzugung der Kurzwelle Sonder-Exportgeräte konstruiert, was die Philips Valvo Werke mit der Schaffung eines besonderen magischen Auges, das ausschließlich für Exportgeräte bestimmt ist, noch unterstützen. Ferner hat z. B. die Wobbe-Radio-GmbH. für den südamerikanischen Markt ein eigenes Luxusmodell vorbereitet.

Sehr nachteilig war bisher für das Exportgeschäft der halbjährliche Typenwechsel. Er unterband jede Intensivierung der Exportbemühungen, Das wird man, vor allem bei den Spitzengeräten und auch bei den mittleren Geräten, für die Zukunft zu vermeiden trachten. Denn diese Geräte sind es, die sich im Ausland einer steigenden Nachfrage erfreuen, während die kleineren deutschen Geräte im Ausland keine Chancen haben, weil sie auf eine billige ausländische Konkurrenz stoßen. Willy Wenzke