Von Werner Hensel, Stuttgart

Die Deutsche Funkausstellung 1950 wird in überzeugender Deutlichkeit ein erfreulich hohes Niveau der deutschen Funkindustrie zeigen. Der internationale Stand dürfte in Deutschland einwandfrei wieder erreicht und damit die durch den Krieg geschaffene Lücke überwunden sein. Als wesentliche Neuerung auf dem rundfunktechnischen Gebiet kann in den Analen der Rundfunkgeschichte vermerkt werden, daß erstmalig in Europa Geräte mit vier Wellenbereichen erscheinen, d. h. daß zu den bisher üblichen Lang-, Mittel- und Kurzwellen der Ultrakurzwellenbereich hinzugekommen ist.

Ultrakurzwellen sind technisch an sich nichts Neues, Sie haben im Funksprechverkehr bereits ein weites Gebiet in Anspruch genommen. Andere Kreise des Publikums haben sie wahrscheinlich unbewußt schon beim Fernsehen erlebt. Für

Rundfunksendungen sind sie jedoch in Europa wenig und in Deutschland bis zu diesem Jahr noch nicht angewendet worden. Die Notwendigkeit der Einführung der Ultrakurzwellen-Rundfunksendungen ergab sich infolge der Überlastung aller anderen Wellenbereiche durch die ständig steigende Zahl von Sendern. Besonders Deutschland mußte gemäß den Beschlüssen der Kopenhagener Wellenplankonferenz viele Plätze auf der Skala der Rundfunkgeräte räumen.

Rundfunkwellen haben eine bestimmte Wellenlänge, de als Frequenz in Kilohertz (kHz) ausgedrückt werden. Alle Wellen in m und Frequenzen in kHz stehen immer in einem festen Verhältnis zueinander. Und zwar ergibt 300 000 dividiert durch kHz stets die m-Zahl, und 300 000 dividiert durch m die kHz-Zahl. Die Welle, die eine tatsächliche Länge von 300 m hat, hat somit eine Frequenz von 1000 kHz, d. b. die 300-m-Welle schwingt in der Sekunde 1 000 000mal. „Hertz“ ist die Bezeichnung für eine Schwingung in der Sekunde. Die einzelnen Wellenlängen verhalten sich bezüglich ihrer Verbreitung im Äther außerordentlich unterschiedlich. Die günstigsten Verbreitungseigenschaften auf mittlere Entfernungen, wie wir sie in Europa haben, besitzen die sogenannten Mittelwellen zwischen 200 und 600 m oder anders gesagt, die Frequenzen von 1500 bis 500 kHz. Mit Rücksich auf die Trennung der einzelnen Wellen untereinander ist ein Abstand von 9 kHz zwischen den einzelnen Wellen für Rundfunksendungen international vereinbart. Bei dem obigen Bereich von rd. 1000 kHz auf dem Mittelweilengebiet stehen somit nur etwas mehr als 100 Wellen zur alleinigen Benutzung durch einen Sender zur Verfügung, während viele hundert europäische Sender sich um diese Wellen bewerben. Allerdings erhalten sehr weit voneinander entfernte Sender die gleiche Wellenlänge, ohne daß erhebliche Störungen verursacht werden. Auf diesem Wege und mittels der Benutzung von Gleichwellen mit geringer Energie kann die Zahl der Sender auf dem Mittelwellenbereich über das theoretische Maximum heraus erhöht werden. Aber alle Ansprüche kann man damit nicht befriedigen. Der Entzug zahlreicher deutscher Mittelwellen, die Begrenzung der Sende-Energie deutscher Sender und die partielle Belegung der gleichen Wellen mit stärkeren ausländischen Sendern haben den deutschen Mittelwellenempfang erheblich schlechter gestaltet. Außerdem können die z. Z. gegebenen Verhältnisse neuen Änderungen unterliegen, wie dies kürzlich mit der Münchner Welle geschah, die zugunsten von Athen aufgegeben werden mußte.

Die Ultrakurzwelle wird für Rundfunkzwecke auf dem 3-m-Band betrieben. Die Wellenlänge von 3 m entspricht einer Frequenz von 100 000 kHz. Der Wellenbereich zwischen 3 m und 4 m beinhaltet die Frequenzen von 100 000 kHz bis 75 000 kHz. Hier stehen also 25 000 kHz allein im 3-m-Band zur Verfügung, während im Mittelwellenbereich zwischen 200 und 600 m nur 1000 kHz gegeben sind. Allerdings sind die technischen Eigenschaften der Ultrakurzwelle in mancherlei Hinsicht ganz andere als die der Mittelwellen. Die Ultrakurzwelle hat einen viel geringeren Verbreitungsradius. Sie setzt sich etwa gradlinig fort und ist theoretisch nur dort zu empfangen, wo vom Sender zum Empfänger eine noch gerade Linie zu ziehen ist, also etwa auf vorstellbare Sichtweite. Dank des großen Spielraums der Frequenzen braucht nun der Abstand der einzelnen Wellenlängen untereinander nicht auf das im Mittelwellengebiet übliche geringe Maß von 9 kHz begrenzt bleiben. Man kann sie im Abstand von mehreren 100 kHz voneinander betreiben, ohne daß es zu wenig Sender werden. Dieses wiederum gestattet die Anwendung des Prinzips der Frequenzmodulation, das uns einen schöneren Klang, eine erheblich bessere