Wie in der Zeit vor 1939, so gibt auch in diesem Jahre die „Deutsche Funkausstellung“ den Auftakt zum Beginn einer neuen Saison in der Radiowirtschaft. Es ist kein Zufall, daß der Termin der Funkausstellungen in den Ausgang des Sommers fällt. In den ersten sechs Monaten des Jahres nach Abschluß des Weihnachtsgeschäftes hat der Absatz eine ständig fallende Tendenz und erreicht um die Mitte des Jahres den niedrigsten Stand. In diesem Sommer gewannen allerdings Auto- und Batterie-Empfänger an Bedeutung, doch der Umsatz in diesen Geräten beträgt nur einen Bruchteil des Gesamtumsatzes, so daß das Bild der fallenden Kurve auch in diesem Jahr nicht wesentlich verändert wurde. Erst mit den länger werdenden Abenden nimmt das Interesse am Radio und damit auch am Kauf von Radioapparaten wieder zu, um schließlich im Weihnachtsgeschäft seinen Höhepunkt zu finden.

Die ersten sechs Monate – die sogenannte „stille Saison“ des Handels – werden von den Wissenschaftlern und Technikern der Rundfunkindustrie zur Entwicklung neuer Typen benutzt, die man dann dem Publikum auf der Funkausstellung präsentiert. In Düsseldorf werden z. B. die Ultrakurzwellen gerate, die man schon im vergangenen Jahr kennengelernt hat, erstmalig in großer Zahl gezeigt. Der Besucher wird Gelegenheit haben, vom einfachen, billigen Einbaugerät bis zum kombinierten Ultrakurz- und Normalwellen-Superhet alles zu sehen. Es ist daher verständlich, daß die Leistungsschauen der Rundfunkindustrie von allen Interessenten mit großer Spannung erwartet werden. Die diesjährige Ausstellung hat noch eine besondere Bedeutung, weil sie die erste nach dem Kriege ist und gleichzeitig Rechenschaft ablegt über die während der vergangenen fünf Jahre geleistete Aufbauarbeit. Der überwiegende Teil der deutschen Radioindustrie arbeitete vor dem Kriege in Berlin und in der heute sowjetisch besetzten Zone. Als die Rundfunkfirmen nach 1945 begannen, sich im Gebiet der Bundesrepublik niederzulassen, bedeutete dies für viele ein neuer Anfang. Heute befindet sich die gesamtdeutsche Radioindustrie mit 80 v. H. ihrer Kapazität in den Westzonen.

Vor Eröffnung der Funkausstellung 1950 erhebt sich nun die Frage: Wie sieht es in der deutschen Radiowirtschaft heute aus?

Auf technischem Gebiet ist nicht nur der Anschluß an den Vorkriegsstand wiedergefunden, sondern sogar das höhere internationale Niveau erreicht worden. Hinsichtlich der Preise wird der Besucher eine angenehme Überraschung erleben. Äußerste Rationalisierung in der Fabrikation und nicht zuletzt die freie Marktwirtschaft und der frische Wind des Wettbewerbs ermöglichen es dem Käufer, Geräte in jeder Qualitätsklasse zu Friedenspreisen oder noch darunter zu erwerben. Dies dürfte ein Ergebnis sein, das in Deutschland bisher wohl einmalig und um so erstaunlicher ist, als die Kosten für Rohstoffe über dem Vorkriegsniveau liegen. Als Beispiel für die außerordentliche Verbilligung sei auf einen Vierröhren-Sechskreis-Standardsuper hingewiesen. Der Preis dieses Gerätes belief sich 1948 nach wiederholter Überprüfung durch die zuständigen Behörden auf 475 DM. Auf der Funkausstellung wird der Preis eines entsprechenden Gerätes je nach Ausführung – Holz- oder Preßstoffgehäuse, gespreizte Kurzwellenbänder – etwa 200 DM betragen. Einkreiser in der Art der früheren Volksempfänger werden in der gleichen Preislage wie 1938 für etwa 75 DM und mit Verbesserungen bis zu 130 DM angeboten, während die Spitzengeräte wieder bis zu 600 DM und 700 DM kosten werden. Dabei ist aber zu berücksichtigen, daß bei diesen sehr modernen Superhets mit bis zu fünfzehn Röhren und ebensoviel Kreisen alle technischen Möglichkeiten ausgeschöpft sind; allein der Ultrakurzwellenteil stellt in einer solchen Empfängerkombination einen Superhet für sich dar. Der meistgefragte Mittelklassensuper, mit den Vorzügen des Magischen Auges, gespreizten Kurzwellenbändern und einer Tonblende ausgestattet, wird in diesem Jahre mit eingebautem Ultrakurzwellenteil zu einem Preise von 250 bis 350 DM geliefert werden können.

Einer der Hauptgründe für die günstige Preisgestaltung zum Beginn der neuen Saison ist die Senkung der Röhrenpreise. Nach Beendigung der Wiederaufbauarbeiten haben sich die Radioröhrenfibrikanten zu dieser schon lange erwartete! Herabsetzung entschlossen, wodurch für den wichtigsten Baustein der Rundfunkgeräte die bisherige Preispolitik geändert wurde. Es bleibt abzuwarten, ob in Anbetracht der politischen Entwicklung in der Welt, die auf die Rohstoffpreise eine ungünstige Wirkung ausübt, diese auf Optimismus aufgebaute Preisgestaltung beibehalten werden kann. Es ist selbstverständlich, daß nur ratonellste Fabrikationsmethoden und Auflage greßer Serien in der heutigen Zeit eine solche einschneidende Preissenkung bei uns vertretbar machen.

In Hamburg ist der erste Versuchssender für Fernsehen aufgestellt worden. Die Probesendungen verlaufen zufriedenstellend. Der heutige Stand läßt vermuten, daß die nächste oder übernächste Funkausstellung Fernsehgeräte bringen wird, die bei guter Qualität in preislicher Hinsicht erschwinglich sind. Aber darüber hinaus kann man noch weiter in die Zukunft sehen. Wie das farbige Foto langsam das schwarz-weiße zu verdrängen beginnt, so wird auch das farbig gesendete Bild das ferne Ziel der Forschung sein. In Amerika ist man diesem Ziel schon sehr nahe. In den Laboratorien des Auslands entwickelt man Geräte auf der Grundlage der Elektronen- oder Radioröhre, die ganz anderen Zwecken dienen. So ist das Telefonieren im Auto dort bereits zur Selbstverständlichkeit geworden, Komplizierteste Rechenmaschinen und genial erdachte technische Anlagen nehmen dem Menschen selbst die Arbeit des Denkens ab und lassen, das Gebiet der „Elektronik“ schließlich unbegrenzt erscheinen.