Das Wort „Elektroakustik“ und der damit verbundene Begriff der Lautsprecherübertragung ruft oft unangenehme Erinnerungen an krächzende Propagandawagen oder Massenaufmärsche hervor. Nun, – das ist einige Zeit her, und die Elektroakustik ist inzwischen längst zu einem wichtigen Zweig der Rundfunkindustrie herangewachsen. Die Anwendungsmöglichkeiten dieser neuartigen Technik sind allerdings meist nur wenig bekannt. Zwei Beispiele aus den Grenzgebieten mögen dies veranschaulichen

In modernen Mühlen werden häufig elektroakustische Einrichtungen zur Kontrolle des regelmäßigen Laufes eingesetzt. Und in Silberfuchsfarmen überwachen Lauschmikrofone die trächtigen Fehen, um die Geburt der Jungen feststellen zu können...

In den letzten zwanzig Jahren hat die Elektroakustik eine stürmische Entwicklung hinter sich, in technisch-konstruktiver und auch in wirtschaftlicher Beziehung. Verlangte der Aufbau einer Großübertragungsanlage im Jahre 1930 noch einen erheblichen Aufwand an Gerät und Geld, (eine solche Zentrale kostete ungefähr 20 000 Mark und erforderte für Aufbau und Bedienung erfahrene Ingenieure), so werden heute 200-Watt-Verstärker in Tischausführung für etwa 4000 DM geliefert, die, mit allen Regel- und Entzerrungseinrichtungen ausgestattet, von jedem Laien bedient werden können. Auch die Lautsprecher haben in Tonqualität, im Wirkungsgrad und im Preis eine Weiterentwicklung hinter sich. Die deutsche Industrie liefert jetzt Kombinationslautsprecher mit einem Frequenzbereich von 30 bis 10 000 Hertz, die also praktisch den gesamten Hörbereich des menschlichen Ohres umfassen. Jede Musikwiedergabe dieser Lautsprecher ist in Verbindung mit modernen Verstärkern so vollkommen, daß sie kaum noch von der Originalwiedergabe zu unterscheiden ist. Außer den Kombinationslautsprechern werden auch Systeme gebaut, die für Sonderzwecke verwendet werden und sich durch ungewöhnlich große Reichweite bei hoher Sprachverständlichkeit auszeichnen. Es sind Membranlautsprecher. Sie finden von Polizei und Feuerwehr, bei Brückenbauten und für zahlreiche Sonderzwecke Verwendung.

In den Sendehäusern der Rundfunkgesellschaften werden ebenfalls zahllose Mikrofone, Verstärker und Sondergeräte verwendet; auch die moderne Bühnentechnik kann nicht auf die Unterstützung der Elektroakustik verzichten. Neuzeitliche Opernhäuser benutzen Regie- und Mithöranlagen zur Erleichterung des Spielbetriebes und zur Unterstützung des Regisseurs. Mit Hilfe von Tonbändern und Schallplatten werden Geräusche erzeugt und so naturgetreu wiedergegeben, daß sie vom Original nicht zu unterscheiden sind. Große Bühnen verwenden sogar Akustikverbesserungsanlagen, die ein Verfolgen des Geschehens auch auf den entfernter liegenden Plätzen ermöglichen.

Industriewerke und viele andere Wirtschaftsunternehmen benutzen die Lautsprecher in Rufanlagen zur Erleichterung des Geschäftsbetriebes. Erfahrungen haben gezeigt, daß sich in weit verzweigten Werken, die Erstellung der Rufanlagen schon durch die eingesparten Wartezeiten bei Ferngesprächen sehr schnell amortisiert, ganz abgesehen davon, daß die Anlage auch zur Durchgabe wichtiger Mitteilungen an die Belegschaft und zur Übertragung von Unterhaltungsmusik verwendet werden kann. Mit besonderem Erfolg werden hochwertige Übertragungsanlagen zur Werbung benutzt. Leider wird hier aber noch oft gesündigt, wenn man Lautsprecherwagen hört, die mit ihrer, schlechten Tonqualität diese Anlagen in Mißkredit bringen. Auch die Tonfilmtechnik verwendet Verstärker und modernste Kombinationslautsprecher, um die Tonqualität der Filme immer mehr zu steigern und eine möglichst naturgetreue Wiedergabe zu erreichen.

Unübersehbare Möglichkeiten bietet die noch Im Anfang der Entwicklung stehende Stereophonie, mit deren Hilfe eine gehörrichtige Übertragung durch zwei getrennte Aufnahme- und Wiedergabekanäle möglich ist. Es sind aber noch viele technische und auch wirtschaftliche Schwierigkeiten zu lösen, bis es möglich ist, dieses Verfahren, das dem natürlichen Hören am nächsten kommt, der Allgemeinheit endlich dienstbar zu machen. Theodor Henrichs