Der Koreakonflikt hat bisher nicht, wie vielfach erwartet wurde, auf die Preisbildung an den Metallmärkten anhaltend eingewirkt. Das mag etwas erstaunlich sein, da besonders die amerikanische Regierung in den letzten Wochen umfangreiche Metallkäufe vorgenommen hat. Diese Kaufe hatten ein Aufleben der Kauftätigkeit im privaten Betrieb zur Folge, so daß es fast in jedem Fall zu Verknappungserscheinungen kam, obwohl die statistische Lage bei den einzelnen Metallen eine solche Entwicklung kaum hätte erwarten lassen.

An sich hätte diese Entwicklung eigentlich haussierende Tendenzen auslösen müssen. So aber blieb die Rückwirkung auf die Metallpreise aus. Die Ursache hierfür ist darin zu sehen, daß die „Rüstungshausse“ schon in den Wochen vorher vorweggenommen wurde. Im 1. Quartal dieses Jahres war die Tendenz an den Metallmärkten flau. Aber bereits im April machten sich Anzeichen dafür geltend, daß mit steigenden Preisen zu rechnen sei. Die zunehmenden weltpolitischen Spannungen lösten, von den USA ausgehend, eine Kaufwelle aus, die sich für die Folge sehr stark in der Preisbildung ausdrückte.

Es sind jedoch an den Metallmärkten auch unterschiedliche Entwicklungen zu beobachten. Blei zum Beispiel, das lange Zeit nach dem Krieg eine bevorzugte Stellung einnahm, und dessen Preis im Vergleich zu den anderen Metallen ungewöhnlich hoch lag, kann heute fast als vernachlässigt gelten, liegen doch die Bleipreise gegenwärtig um 64 v. H. unter dem Höchststand der Nachkriegszeit. Der Kupferpreis dagegen ist nur noch um 4,5 v. H. hinter dem höchsten Preis der Nachkriegszeit zurück, der Zinkpreis um etwa 12 v. H. und der Zinnpreis um rund 5,5 v. H.

Es kann nicht überraschen, daß es gerade Zinn war, das auch im Preis in diesen Wochen beeinflußt wurde. Der Koreakonflikt hat Ostasien zu einem politischen Unruheherd gemacht, und die Zinnverbraucher fürchten, daß die Zulieferungen aus diesem Teil der Welt in der kommenden Zeit schwierig werden oder sogar unmöglich würden. Von der Zinnerzförderung der Welt entfallen auf Burma, China, Indochina, Indonesien, Japan, die Malayenstaaten und Thailand mehr als zwei Drittel. Im Jahre 1949 waren es 60,5 v. H. Damit waren die Schäden des letzten Krieges nahezu überwunden. Aber auch von der Welt-Hüttenzinnerzeugung entfielen 1933 rund 67 v. H. auf die genannten Länder; 1949 waren es 40 v. H. Im 1. Quartal des laufenden Jahres stellte Ostasien 62 v. H. der Welt-Zinnerzförderung und 43,6 v. H. der Hüttenerzeugung an Zinn. Die letzte Entwicklung am Zinnmarkt ist England zweifellos nicht unangenehm gewesen. Zinn ist neben Kautschuk einer der besten Dollarverdiener Großbritanniens. Im ersten Halbjahr 1950 beliefen sich die Zinnverschiffungen aus den Malayenstaaten nach den USA auf 27034 lg/t In einem geschätzten Wert von rund 46 Mill. US-Dollar. Man muß berücksichtigen, daß gerade die statistische Verfassung des Zinnmarktes immer noch durch ein starkes Übergewicht der Erzeugung gekennzeichnet ist und daß die scheinbare Knappheit nur eine Folge amerikanischer Regierungskäufe und von Vorratskäufen der Zinnverbraucher ist. Darauf ist unter anderem der Preisanstieg für Zinn in Malaya zurückzuführen. Nach Ansicht der Makler in Singapur werden von der britischen und amerikanischen Regierung umfangreiche „Vorauskäufe“ getätigt, um der UdSSR größere Einkäufe in Zinn zu verwehren. An der Londoner Börse hatte der Zinnpreis in der vergangenen Woche mit einem Anstieg um 35 £ je Tonne auf 802 £ den höchsten Stand in der Geschichte der Londoner Börse erreicht.

Der Kupfermarkt ist seit vielen Wochen, von einer akuten Materialknappheit gekennzeichnet, die vor dem Ausbruch des Koreakonfliktes zu Preissteigerungen führte. Die Festigkeit ging hier von den USA aus. Ende 1949 betrugen die amerikanischen Raffinade-Kupfervorräte noch 116 027 sh/t. Sie sind bis Ende Mai auf 51 028 sh/t gefallen. Die Weltvorräte an raffiniertem Kupfer, die Ende 1949 noch 263 999 sh/t betrugen, stellten sich im Juni nur noch auf 136 483 sh/t. Berücksichtigt man, daß der Weltverbrauch an raffiniertem Kupfer (oder die Ablieferungen) in den ersten Monaten des laufenden Jahres nahe an der 200 000-sh/t-Grenze lagen, so verfügt die Welt gegenwärtig noch nicht einmal über einen Monatsbedarf an Kupfer. Das erklärt die feste Haltung des Marktes.

Blei ist vom Koreakonflikt wenig beeinflußt worden. Das Angebot ist hier in den USA und auch in Europa mehr als ausreichend, weil es nicht die gleiche Kriegswichtigkeit besitzt wie etwa Kupfer und Zink. Belief sich die Bleiversorgung der USA 1948 auf 532 684 sh/t, so erreichte sie 1949 bereits 581 320 sh/t. Die US-Bleivorräte, die Ende 1948 38 644 sh/t betrugen, stellten sich im April 1950 auf 86 309 sh/t.

Ganz entgegengesetzt hat sich der linkmarkt entwickelt. Von den USA ausgehend, liegt er seit vielen Wochen durchaus fest. Die amerikanischen Zinkvorräte sind auf dem sehr niedrigen Stand von 41 819 sh/t Ende Mai 1950 gefallen. Sie decken damit kaum den Bedarf von 14 Tagen, und Zink ist außerdem ein sehr rüstungswichtiges Metall.

Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, daß, solange der Koreakonflikt nicht bereinigt ist und in der hohen Politik keine Entspannung eintritt, die Haussestimmung an den Metallmärkten bestehen bleiben wird. Sie ist jedoch keineswegs die Folge einer Unterversoigung der Welt mit Metallen. Sie hat lediglich politische Ursachen. Paul Spelter