DIE ZEIT

Betriebsausflug

Bad Wiessee, nicht unbekannt in der Geschichte des Tausendjährigen Reiches, beherbergt augenblicklich den hessischen Ministerpräsidenten Christian Stock, der dort seinen Urlaub verlebt, ohne sich vor den Gespenstern des Ortes zu fürchten.

Seelenfang

Die maskenreiche Propaganda der Moskauer Schule bedient sich ebenso skrupellos der brutalen Drohung wie der scheinbar humanitären Lockung.

Wider die Spielregeln

In drei deutschen Ländern sind zur Zeit Minderheitsregierungen im Amt. Der Anlaß war in jedem Land ein anderer. In Nordrhein-Westfalen hat das Wahlergebnis durch Stimmenzuwachs der FDP eine starke Tendenz nach rechts erkennen lassen, der wohl ein Teil der CDU-Fraktion, nicht aber ihr stärkster Mann, der Ministerpräsident Arnold, Rechnung tragen möchte: er zieht die Koalition mit den Sozialdemokraten vor.

Potemkinsche Handelsverträge

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Jugoslawien haben seit den ersten Augusttagen einen neuen Höhepunkt erreicht. Auf dem Belgrader freien Markt werden für Lebensmittel bislang unerreichte Rekordpreise gefordert (45 Dinar für ein Kilogramm Kartoffeln).

Eugen Gerstenmaier

Wer ist das, fragte ich leise meinen Nachbarn, als ich lange vor dem 20. Juli 1944 im Freundeskreis des Grafen Peter Yorck zum erstenmal einen kleinen, gedrungenen, vital und urwüchsig aussehenden Mann mit einer randlosen Brille sah.

Neuwahlen in Dänemark

Dienstag, der 8. August, war der aufregendste Tag, den Dänemark seit langem erlebt hat. Ganz plötzlich war der Reichstag zu einer außergewöhnlichen Sitzung einberufen worden, um das Regierungsprogramm zur Finanzierung der Verteidigungsmaßnahmen und zur Sanierung der Zahlungsbilanz zu diskutieren.

DIE WOCHE

Der Generalsekretär der UNO, Trygve Lie, äußerste auf einer Pressekonferenz in Lake Success, daß eine Vollversammlung der Vereinten Nationen notfalls innerhalb von 24 Stunden zusammengerufen werden könne.

Eritrea – Spielball der Mächte

Inmitten der Korea-Psychose hat man kaum beachtet, daß in diesen Wochen in Lake Success die „Kleine UNO“ zusammengetreten ist, um über das Schicksal Eritreas – die italienische Ex-Kolonie, über der heute noch der Union Jack weht – zu diskutieren.

Armutsbilanz der deutschen Kassenärzte

Daß der Ärztestand eine schwere Krise durchmacht, ja, daß er heute zu den ärmsten Berufständen zählt, dürfte allmählich auch der Allgemeinheit bekannt sein.

Angst vor Gefühlen

In der Atelierkantine oder in den Umkleide räumen, vielleicht aber auch im Vorzimmer des Produktions

Brandherd Malaya

Einer der gefährlichsten Brandherde im Fernen Osten ist Malaya. Dort hatte sich während des Krieges die „antijapanische malaiische Volksarmee“ gebildet, die überwiegend aus Chinesen bestand, Ihre Waffen erhielt sie bis zum Fall von Singapur von den Engländern und nach der Kapitulation Japans von den sich auflösenden japanischen Einheiten.

Moskaus wirtschaftliche Schwäche

Die Produktionsziffern der Industrie Sowjetasiens und des Urals sind auf den ersten Blick imponierend. Nach dem vierten Fünfjahresplan werden in diesem Jahre (ohne die Mandschurei) 120 Mill.

Das politische Buch der Woche:: Über deutsche Geschichtsschreibung

Daß die deutsche Geschichtsschreibung keine großen Perspektiven mehr habe (von einem Historiker wie Friedrich Meinecke einmal abgesehen), daß sie sich in nationalen Grenzen bewege, absolutistischen Ideen bis heute noch verhaftet sei und, wenn man es böse ausdrückt, eigentlich einen provinziellen – Charakter trägt, ist das Ergebnis einer Deduktion der gegenwärtigen deutschen Historiographie, die Johann Albrecht von Rantzau, Historiker an der Universität Hamburg, in einem Aufsatz vornimmt, der den Titel trägt: „Individualitätsprinzip, Staatsverherrlichung und deutsche Geschichtsschreibung“ (im Mai-Heft der Zeitschrift „Die Sammlung“).

Wissen soll nicht mehr Macht sein

Noch den ersten Weltkrieg überlebte ein Restjenes Glaubens, nach welchem die wahre Erbin der deutschen klassischen Philosophie die Arbeiterbewegung sein und Erwerbung von Wissen den Weg zur Macht bereiten sollte.

Von der Chemie zur Metaphysik

Emil Abderhalden, dem die Medizin die Entdeckung der Abwehrfermente gegen körperfremde EiweiSstofSe verdankt, stammte aas St. Gallen.

Liebesoper par distance

Boris Blacher nennt seine „Romeo und Julian“-Komposition eine Kammeroper und läßt mitteilen, daß sie auch als Kantate oder Ballett aufgeführt werden kann.

Notizen

Dr. Kurt Hiller, politischer Essayist und früherer Mitarbeiter der alten „Weltbühne“, begeht am 17. August seinen 65. Geburtstag.

Feuilleton: Viele Tauben machen keine Briefmarke

Dienen will ich“ heißt die Aufschrift auf einem der über tausend Briefmarkenentwürfe, zu denen die Bundespost aufgerufen hatte, um eine „repräsentative deutsche Briefmarke“ herauszubringen.

Ballade vom Frieden

Aus der noch unveröffentlichten neuesten Arbeit Theodor Pliviers, die er im Auftrage des NWDR schrieb – Sendung im September – bringen wir hier einige besonders charakteristische Seiten zur Kenntnis unserer Leser.

Bildnis eines Vulkans

Zehn Jahre lang hat Stefan Zweig den Spuren Balzacs nachgeforscht, hat Manuskript auf Manuskript gehäuft und hat dann doch das, was sein magnum opus werden sollte, nie beendet.

Münzen helfen Geschichte deuten

antiken Geschichte ist noch manche Lücke zu schließen. Wir besitzen zwar eine sehr lebendige Überlieferung von den dominierenden Gestalten des Altertums, aber unsere Kenntnis von ihrem Aussehen ist nur sehr bescheiden.

Literatur aus dem Impuls

Im weißen Rudertrikot, in der dazugehörigen kurzen Leinenhose, so stand er plötzlich vor mir. Ich kannte sein Gesicht nur von Zeitungsfotos: den meist wie zum Sprechen ansetzenden Mund, die kräftige, vorspringende Stirn, ein sehr fieies, dabei prüfendes Gesicht, das eher auf einen an frische Luft gewöhnten Arbeiter, der unter die Intellektuellen, als auf einen Intellektuellen schließen läßt, der unter die Arbeiter gegangen ist.

Sinuhe, der Ägypter

Als man mit jugendlicher Lesewut den „Kampf um Rom“ verschlang, nannte man jeden einen Banausen, der den Bann dieses Kolossalgemäldes brechen wollte.

Der Junge auf dem Sofa

Truman Capote aus New Orleans, dreiundzwanzig Jahre alt, ist ein eigenwilliger junger Mann. Er trägt Zimpelfranzen wie ein Schulbub und altmodische großkarierte Westen oder Matrosenhemden.

Der Mensch in seiner Qual

Die Abfahrt in Amsterdam verzögerte sich. Das Schiff, ein ausrangierter Ostindienfahrer, mußte für die Reise nach Amerika erst repariert werden.

Vom Notbehelf zu einem neuen Stil

Seit ein paar Jahren gibt es neben den Wintertheatern und den sommerlichen Freilicht- oder anderen Festspielen eine dritte Gattung Theater, die keine Beziehung zur Jahreszeit zu haben scheint.

Ein Spätrömer im Atomzeitalter

Die Geschichte des Bildhauers Alberto Sani hört A-’sich wie eine effektvolle Filmstory an. Dennoch beschäftigt sie in diesen Tagen die ernstesten Kunstkritiker Italiens.

„Verlängerte“ Schallplatten

Die erste deutsche Nachkriegs-Funkausstellung überrascht nicht nur mit den Neukonstruktionen der westdeutschen Radio-Industrie, auch die Schallplatten-Industrie nimmt diese Ausstellung zum Anlaß, eine besondere Neuheit zu starten.

Der gute Ruf

Bis in das Jahr 1949 waren die Bemühungen der deutschen Rundfunkindustrie, langsam wieder den alten Platz auf den Auslandsmärkten zurückzugewinnen, ohne jeden nennenswerten Erfolg.

Der Schritt zum UKW-Funk

Die Deutsche Funkausstellung 1950 wird in überzeugender Deutlichkeit ein erfreulich hohes Niveau der deutschen Funkindustrie zeigen.

Elektroakustik bewacht Füchse

Das Wort „Elektroakustik“ und der damit verbundene Begriff der Lautsprecherübertragung ruft oft unangenehme Erinnerungen an krächzende Propagandawagen oder Massenaufmärsche hervor.

Hausse in Zinn

Der Koreakonflikt hat bisher nicht, wie vielfach erwartet wurde, auf die Preisbildung an den Metallmärkten anhaltend eingewirkt.

Großhotel in Düsseldorf

Düsseldorf hat infolge der Initiative des Hoteliers Dr. Linsenmeyer für den internationalen Reiseverkehr einen brillanten Anziehungspunkt bekommen.

Neue Produktion

Die Philips Valvo Werke in Hamburg – Deutschlands größte Radioröhrenfabrik – haben jetzt ihre zehnmillionste Radioröhre der Nachkriegsfertigung hergestellt.

Verkehr mit Flaschen

Die Bundesrepublik hat auch einen Verkehrsminister, und das ist gut so, denn er kümmert sich um all die vielen Fragen der Schiene und der Straße und der Schiffahrt.

Berlins Ausstellung

Die vom 1. bis 15. Oktober in Berlin stattfindende „Deutsche Industrie-Ausstellung Berlin 1950“ dürfte zur größten deutschen Industrieschau der Nachkriegszeit werden.

Wir brauchen schnellere Schiffe

Aus zwei Gründen drängt Deutschland auf die Beseitigung der Schiffbaubeschränkungen: Wir möchten einen größeren Anteil unseres allmählich wachsenden Außenhandels unter eigener Flagge fahren und damit kostbare Devisen – in vielen Fällen sogar seltene Dollar – einsparen.

Freiheitsheld ohne Ehrgeiz

Im Jahre 1810 lief eine englische Fregatte den Hafen von Buenos Aires an. An Bord befanden sich drei Männer, die aus Spanien in ihre südamerikanische Heimat zurückkehrten, um sich an den seit zwei Jahren hin und her wogenden Kämpfen um die Unabhängigkeit von der spanischen Kolonialherrschaft zu beteiligen.

Broadway im Sommer

Gegen die Hitze, die über dem wirklich internationalen Broadway brütet, wo man mitunter brasilianische Senoritas einträchtig neben indischen Sahibs einhergehen sieht, helfen auch nicht ein Meer von Coca-Cola, Choco-Soda oder Gipfel von Ice-cream, die in den Luncheonettes verzehrt werden.

Der Teppich ein Garten

Immerfort herrscht lieblicher Frühling in diesem Garten, und weder vom Herbst kommt ihm Schaden, noch Unbill vom Winter.“ Diese Verse stehen in der Borte eines persischen Teppichs aus dem 16.

Baden-Baden: Wandlung eines Weltbades

Baden-Baden, im August Im „Maison de Conversation“ wurde Theater gespielt; die Programme der Vorstellung waren auf Seide gedruckt; auf so verschiedenartige Seide, daß jede Dame ein Programm in der Farbe ihres Abendkleides erhielt.

Schmollis am Rhein

Die Rektoren der Universitäten im Bundesgebiet halten an dem Tübinger Beschluß fest, der das Mensurfechten und das Farbentragen ablehnt, erklärte kürzlich auf der Rektorenkonferenz in Bonn der Prorektor der Bonner Universität.

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