Die maskenreiche Propaganda der Moskauer Schule bedient sich ebenso skrupellos der brutalen Drohung wie der scheinbar humanitären Lockung. Während Ulbricht nach Volksgerichten ruft, offerieren seine Agenten in der Bundesrepublik finanziell verlockende Kinderland verschickungern. Für 14 DM wird ein mehrwöchiger Aufenthalt in einem meist nicht genau bezeichneten Ferienlager der Ostzone angeboten. In mehreren Städten der Bundesrepublik haben mittellose Eltern diese Angebote bereits angenommen. Als Veranstalter figuriert neben anderen die VVN, aber auch Privatpersonen wie etwa ein Herr Dürrbeck in Bonn, der sich schlicht als „Transportleiter Dürrbeck“ vorstellt und auch Briefbogen mit diesem Kopftitel drucken ließ. Seine Konzilianz verliert er nur dann, wenn Eltern nachträglich stutzig werden und die Anmeldung ihrer Kinder für das Ferienlager zurückziehen. Welch ein Wohltätigkeitsfanatismus! Ob sich eigentlich schon die Polizei für diese Dürrbecks und ihre Auftraggeber interessiert hat? Leider bieten die langmütigen Gesetze der Demokratie noch keine juristische Handhabe gegen den raffiniert eingefädelten Seelenfang, der zu den SED-Parolen auch noch ein Oberhemd, Turnschuhe und einen Trainingsanzug gratis liefert. Es wird Zeit, daß das Parlament die Strafrechtsnovelle verabschiedet, die den Dürrbecks ihr Handwerk schwerer machen wird. Unsere Behörden machen es ihnen vorläufig viel zu leicht. Die Kinder bekamen nicht nur fristgerecht die gewünschte Bescheinigung der Gesundheitsämter, sondern sogar auch – Interzonenpässe mit der dazu erforderlichen Unterstützung der Alliierten. Hat die Demokratie gar nichts daraus gelernt, daß sie schon einmal dem Teufel Vorschub leistete? Freilich, mit Verboten allein wird man nicht auskommen. Man wird diesen Ärmsten, die froh sind, wenn sie ihre sonst auf der Straße unbeaufsichtigten Kinder in einem Heim geborgen wissen, etwas Ähnliches anbieten müssen. Das erforderliche Geld dafür sollte unbedingt aufgebracht werden. R. S.