Als man mit jugendlicher Lesewut den „Kampf um Rom“ verschlang, nannte man jeden einen Banausen, der den Bann dieses Kolossalgemäldes brechen wollte. Daß es mit Pinsel und Farben von Felix Dahn gemalt war, tat der Faszination keinen Abbruch. Darum sollte man nun, mit „Sinuhe, dem Ägypter in der Hand, nicht skeptisch werden bei der Lektüre eines ägyptischen Pendants, das ausgerechnet aus dem hohen Norden, aus Finnland seinen Weg bereits über Amerika, England, Frankreich, die Schweiz und einige andere westliche Staaten genommen hat, bis es nun der Toth Verlag, Hamburg, auch für Deutschland verlegte. Mika Waltari hat in seiner Heimat einen Namen. Das bestätigt sich durch sein Geschick, die Fülle historischen Stoffes zu einem anschaulichen Panorama ordnen zu können, bei dessen Schau man aber gern zwischendurch die Augen schließt. Sittengemälde können auf die Dauer ermüdend wirken.

Es ist schwer, sich über Jahrtausende zurück in die Handlungen und Empfindungen von Menschen hineinzudenken, von deren Lebensart nur noch tote Gegenstände sprechen. Der finnische Autor hat sich, soweit es ihm möglich war, mit dem Arzt Sinuhe identifiziert, wobei er es jedoch nicht verhindern konnte, daß dem alten Ägypter moderne Tupfen aufgesetzt wurden. Aber die Aufzeichnungen des Sinuhe bemühen sich über alle Stationen seines Lebens hinweg sachlich und schlicht zu bleiben. Dabei wären bei dem Potential an Grausamkeit und Erotik genug Möglichkeiten für das Gegenteil gegeben. Am ehesten läßt sich das Fluidum dieses Buches wohl mit dem von Eduard Stuckens „Weißen Göttern“ vergleichen. Was dort der versunkenen Welt der Azteken widerfährt, geschieht hier der Welt der Pharaonen: sie wird zu einem Scheinleben er-