Leider enthält der in Bonn ausgearbeitete Vorentwurf für das Gesetz über den endgültigen Lastenausgleich noch keine Bestimmungen über Demontage- und Besatzungsschäden. Ihre Regulierung soll späteren Regelungen vorbehalten bleiben. Das ist vor allem für der Waldbesitz nachteilig, der bereits seit 1935, speziell aber in den Jahren 1939–1945, laufend Substanz Verluste erfahren hat, mit deren Anerkennung als Kriegsschäden kaum zu rechnen ist, während die weiteren Verluste aus Zvangsexporten an Holz ab 1945 noch nicht „erstattungsreif“ sind: z. T. sind die – unzulänglichen – Vergütungen für die erzwungenen Liderungen noch nicht einmal voll abgerechnet (so in der französischen Besatzungszone). Auf der anderen Seite aber muß der private Waldbesitz die Belastungen aus Soforthilfe und (künftig) Vermögensabgabe mit tragen helfen, ohne daß eine Aufrechnung seiner Entschädigungsforderungen möglich wäre. Das ist nicht nur eine Privatwirtschaftliche Frage, sondern ein allgemeinwirtschaftliches Problem, weil so mangels ausreichender Mittel des gesamten Waldbesitzes – beim Kommunal- und Staatswald liegen die Dinge ja ähnlich – die Wiederaufforstung der speziell in den letzten Jahren entstandenen) Kahlflächen, verzögert wird und damit, zunehmend Substanzschädigungen entstehen. Der Waldboden muß ja, um seine natürliche Kraft zu erhalten, möglichst bald wieder „unter Schirm“ kommen, d. i. unter die Beschattung durch heranwachsende Bestände, öffentliche Mittel, insbesondere auch ERP-Gelder, sind für die Wiederaufforstung in den letzten Jahren zwar zunehmend verfüglich gemacht worden. Es fehlt aber immer noch eine klare Übersicht darüber, wie der Waldbesitz aller Kategorien in den einzelnen Bundesländern schnell und ohne allzu große Verfahrensschwierigkeiten in den Genuß von Krediten und verlorenen Zuschüssen für diese seine Wiederaufforstungsvorhaben kommen kann.

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Seit den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts führt Deutschland Holz ein; 12 bis 15 Millionen Festmeter betrug die Jahreseinfuhr in der Zeit nach Versailles. Heute müßte allein Westdeutschland mehr als die doppelte Menge importieren, um einen Ausgleich für die auf etwa 25 Mill. fm herabgesunkene Eigenproduktion zu schaffen. Die Westzonen nämlich verbrauchen jährlich annähernd 60 Mill. fm jenes immer kostbarer werdenden Stoffes Holz.

Rechnet man diesem Verbrauch noch die seit Kriegsende geleisteten Zwangsexporte von rund 20 Mill. fm hinzu, so wird das gegenwärtige Situationsbild verzweifelt, weil die Erkenntnis kommen muß, daß die deutsche Holz- und Forstwirtschaft heute nicht weniger gefährdet ist, als vor fünf Jahren. 400 000 ha Kahlflächen liegen brach; weitere erhebliche Kahlschlagflächein dürften (infolge Verlichtung stehender Bestände und der Notwendigkeit, sie zu nutzen) anfallen. Und es besteht kein Zweifel, daß jene holzleeren Flächen ohne Hilfe der Länder oder des Bundes nicht wieder voll in Kultur zu bringen sind, wenn man erfährt, daß ihre Wiederaufforstung rund 280 Mill. DM kosten wird, etwa 700 DM je ha. Leider liegen bisher keine detaillierten Angaben vor, welche Summen nach Kriegsende aufgewendet werden konnten, um die dringlichsten Wiederaufforstungsmaßnahmen einzuleiten – gleichgültig, ob für Staats-, Kommunal- oder Privatwaldbesitz –, umso genauer aber kennt man die Kreditsorgen der gesamten Forstwirtschaft. Das jedoch heißt keineswegs, daß man ihr eine vordringliche Berücksichtigung zugesteht; bisher sind nur ERP-Gelder in Höhe von 17,5 Mill. DM für die Wiederaufforstung vorgesehen, wobei der Waldbbesitzer ein Drittel der Kulturkosten aufzubringen hat und zwei Drittel als Kredit (zu 2 1/2 v. H.) erhält. Das gilt für Privat- und Gemeindewald.

Eine bedarfsdeckende Produktion setzt eine wieder leistungsfähige Produktionsbasis voraus, und dazu die völlige Mobilisierung der noch vorhandenen Erzeugungskapazität. Hier wäre erste Hilfe zu leisten, durch angemessene („freiere“) Holzpreise nicht weniger als durch die Gewährung von Zöllen auf Schnittholz aller Art (nicht auch Rundholz) im Sinne einer liberalen Handelsgestaltung, die für Deutschland schon seit 1935 – Anordnungen zur planmäßigen Übernutzung der Waldungen und Festpreise ohne entsprechende Voraussetzungen – Theorie geworden ist.

Dem Ruf nach langfristigen Krediten hat der Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten insoweit Rechnung getragen, daß er um genügende Berücksichtigung der Forstwirtschaft bei der Vergebung der Counterpart-Funds ersuchte. Vielleicht aber führt das Vorgehen des deutschen Forstwirtschaftsrats eher zum Ziel. Er forderte Hilfe durch öffentliche Kredite für Nachholungs- und Intensivierungsarbeiten. Außerdem betonte er in diesem Zusammenhang, daß für alle forstlichen Maßnahmen die Arbeitsbeschaffungskredite in Frage kämen. In der Tat: Wiederaufforstung, Wegebau oder Melioration, um nur einige zu nennen, sind Arbeiten, die auf Grund ihrer Arbeitsintensität einen hohen Lohnanteil besitzen und sich schnell realisieren lassen–wenn auch nicht ganz so schnell, wie der Laie glaubt. Übernutzung, Kriegsfolgen und Einschläge der Besatzungsmächte haben zu Schäden geführt, die frühestens nach ein bis zwei Generationen ausgeglichen werden können, falls man dem Waldbesitz hilft. Die Zahlungen für den Lastenausgleich beispielsweise wirken sich als erhebliche Belastung, für ihn aus, und jede amtliche Aktion mit steuermindernder Auswirkung wäre deshalb besonders zu begrüßen, weil sie zu einer Förderung der Eigeninitiative führt. Frische Impulse braucht die Forstwirtschaft: z. B. eine bindende Zusicherung von offizieller Seite, daß Kriegs- oder Kriegsfolgeschäden erstattungsfähig werden, und sofortige Aktivität. Nur durchgreifende Maßnahmen stellen sicher, daß uns Störungen des landschaftlichen Gleichgewichts erspart bleiben. R. v. N.