Es ist schwer verständlich, warum sich die 1904 gegründete Eisenhandelsfirma Krause, deren Mantel nach diesem Kriege in neue Hände überging, in die peinliche Situation hineinmanövriert hat, zwischen Meldungen, Dementis, Gegendiementis und dem nunmehr erfolgten Eingeständnis einer Luftblase pendeln zu müssen. Jeder, dem die Situation am Markte bekannt ist, wußte im voraus, daß die Werke der deutschen Eisen- und Stahlindustrie seit Ausbruch des Koreakrieges überhaupt nicht daran denken, Eisen oder Stahl nach der Sowjetunion zu liefern, weil „man nicht den Stahl nach Moskau liefert, um ihn dann von der Volkspolizei als Bombe zurückzubekommen“. Die Firma Krause hat auch nirgends ein Gramm Stahl unterbringen können (nicht einmal bei ihrer guten Verbindung zum Bochumer Verein) und ließ nun erklären, sie wolle sich dem besseren Amerikageschäft zuwenden. (Audi diese Erklärung ist wieder, böswillig, politisch ausgelegt worden.)

Warum also Erklärung und Gegenerklärung? Nur aus Reklamebedürfnis? Ein Dutzend bestrenommierter Handelsfirmen der Eisen- und Stahlbranche steht im Amerikageschäft, Aufträge von dort zu buchen, ist zur Stunde leicht; aber es ist schwer, sie zu erfüllen. Lange vor Korea konnte zum Beispiel die Hütte Ruhrort-Meiderich mit ihren Geschäftspartnern im Exporthandel rund 150 000 t Roheisen nach den USA abschließen. Inzwischen sind noch keine 100 000 t wieder hinzugekommen. Dabei bedeuten 200 000 t Roheisen für die USA soviel wie eine Vormittagsproduktion, denn die Tagesleistung der USA-Werke liegt gegenwärtig bei 500 000 tons. Diese Käufe haben nichts mit Rüstung zu tun. Die USA wollten zuerst Erz und Schrott. Beides klappte nicht. Man ging also in die nächste Stufe, und das war Roheisen. Deutschlands unausgenutzte Überkapazität an Roheisen ist bekannt, da seinerzeit von den Siegern als tote Kostenbelastung gewollt. Unsere Roheisenläger waren im Frühsommer enorm. Aber heute berauschen sich einige Zeitungen und Peter von Zahn in seiner „Von Rhein und Ruhr“-Sendung an sechsstelligen Tonnenziffern und plappern politische Kommentare, die der Sachlage nach ebenso unwahr sind, wie der Tendenz nach destruktiv. Seit Monaten wurde von allen Fachleuten die langsam aufsteigende Entwicklung der deutschen Stahlerzeugung vorausgesagt, wenn auch Peter von Zahn Ende 1949 ironisch prophezeit hatte, sie würde niemals über 7 bis 8 Mill. t kommen!

Bedauerlich bleibt, daß sich in diese unerquickliche „politisierende“ Situation hinein die Herren Kirchfeld und Schlieker von der Eisenfirma Krause begeben haben. Wir fürchten, daß diese Taktik sich als Bumerang auswirkt. Die politische Situation ist heute eine ganz andere, als zu jener Zeit, da Herr Schlieker (der übrigens allgemein als geschickter Verkäufer gilt) in Karlshorst seine Millionenabschlüsse in schweren Stählen unter Dach brachte und auf diese Weise umsatzmäßig in die Spitzenklasse der alten deutschen Eisenexporthäuser aufstieg... Rlt.