DIE ZEIT

Amerika trägt die ganze Last

Immer wieder kann man hören, der Überfall der Kommunisten auf Südkorea habe die nichtkommunistische Welt aufgerüttelt. Die Gefahr, daß alle westliche Freiheit verlorengehen und daß sowjetrussische Tyrannei in Zukunft über die Erde herrschen könnte, sei plötzlich auch denen deutlich geworden, die bisher von ihr nichts wissen wollten.

Studenten-Käfer

Daß einem ein „Dokument“ des ostzonalen Propagandachefs Gerhard Eisler in der Hamburgischen Universität von kommunistischen Studenten in die Hand gedrückt wird, ohne daß man sie daran hindert, ist ohne Zweifel auch ein Dokument – ein sichtbares Zeichen nämlich westlicher Gleichgültigkeit, wenn nicht gar Feigheit, Es handelt sich bei dieser „demokratischen Schrift“ um ein Heft, das sich gegen den angeblichen Abwurf von Kartoffelkäfern durch amerikanische Flieger in der Sowjetzone wendet und behauptet, diese verbrecherische Kampfesweise sei den Amerikanern ja durchaus zuzutrauen, denn sie hätten sie schon im zweiten Weltkrieg – 1944 – in Deutschland angewandt.

Frieden um das Sudetenland

In München, das vor zwölf Jahren Schauplatz einer großen und zuletzt verhängnisvollen Entscheidung über das Schicksal Böhmens war, haben sich vor einigen Tagen die Führer der Sudetendeutschen Westdeutschlands und des Londoner Tschechischen Nationalausschusses über einen deutsch-tschechischen Frieden geeinigt.

Sowjetische Spionage in Schweden

Bei dem Versuch, militärische Befestigungsanlagen in dem abgegrenzten Stockholmer Skärgarden zu photographieren, wurden vier sowjetische Staatsbürger, die sämtlich Mitglieder der sowjetischen Botschaft in Stockholm sind, und die unter Leitung des Marineattachés Laritchef standen, auf einem Motorsegler von schwedischer Polizei überrascht.

Sturm im Glas Wasser

In dem Zirkel, den man als Bonner politische Kreise zu bezeichnen pflegt, herrscht wieder einmal Aufregung und Verstimmung. Der Bundeskanzler hat einem Vertreter der New York Times ein Interview gegeben und gleichzeitig ein Verlangen der akkreditierten deutschen Journalisten nach seiner Rückkehr eine Pressekonferenz abzuhalten, ignoriert.

Trotzki wieder aktuell

Zehn Jahre sind erst vergangen, seit Lew Dawidowitsch Trotzki in Coyoacan (Mexiko) von dem spanischen Kommunisten Mercader alias Jacson-Mornard erschlagen wurde, – und ist er fast vergessen! Zu Unrecht: denn Trotzki war der Generalstabschef jener Revolution von 1917, die sich immer mehr als die folgenschwerste aller geschichtlichen Revolutionen erweist, Wer heute noch an Trotzki denkt, denkt milde über ihn.

"Unser Ruf heißt: Wachsamkeit!"

Das ist die alte Regel –: Wer den Kampf der Straßen kämpft, der ist gezwungen, seine Rechnung mit der Polizei zu machen ... Zogen da am letzten Sonntag in Dortmund 400 kommunistische "Friedenskämpfer" zu einer verbotenen Kundgebung aus.

Aufbruch nach Straßburg

Es gibt eine Jugend, die begeistert für Europa kämpft. Von mindest gleich großem Elan erfüllt, sind diese Jungen die echten Gegenspieler der FDJler.

DIE WOCHE

In Korea haben die UNO-Truppen in den letzten Tagen zu Gegenstößen gegen die nordkoreanischen Divisionen an der Südküste im Raum von Taegu und von Pohang angesetzt.

Weltmacht ohne Weltpolitik

Wir geben hier einem jungen Amerikaner das Wort, der die Außenpolitik seines Landes einer kritischen Prüfung unterzieht. Seine Ausführungen sind vor allem deswegen so interessant, weil in ihnen eine Entschlossenheit zum Ausdruck kommt, die im gegenwärtigen, müde gewordenen Europa fehlt.

Krieg im Friedensrat

Der „österreichische Friedensrat“ war eine Blume mit dunkelrotem Fruchtgrund und rosaroten Blütenblättern. Der Fruchtgrund, das war die KPÖ, die Blütenblätter jene Prominenten, die, ohne Kommunisten zu sein, doch die kommunistische Forderung unterstützten, die einzige Waffe zu bannen, in der die atlantische Gemeinschaft die Überlegenheit besitzt.

Am Krankenbett Christi

Die steigende Beachtung, deren sich die christlichen Kirchen heute als ideologische Kraftzentren im Spiel der politischen Mächte erfreuen, darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß das eigentliche theologische Anliegen dieser Kirchen, der ganze Bereich der Glaubensfragen, einem wesentlich geringeren Interesse in der breiten-Öffentlichkeit begegnet.

Notizen

Die Gründung von drei internationalen UNESCO-Zentren in der Bundesrepublik beschloß ein in Paris tagender Sachverständigenausschuß der Unesco unter dem Vorsitz des Osloer Universitätsprofessors Sommerfelt.

Die Rolle Formosas

Am 27. Juni hatte Präsident Truman in seiner historischen „Erklärung über Korea“ auch den neuen Kurs für die Formosa-Politik der Vereinigten Staaten festgelegt.

Die Sprache der Blumen

Granadiner Dichtung um das Jahr Neunzehnhundert ist der Untertitel, mit dem Federico Garcia Lorca seine dramatische Ballade Donna Rosita oder die Sprache der Blumen versehen hat.

Korea-Sorgen in Australien

Nein, in Australien ist man nicht nervös, und noch keiner hat gefragt, ob sie kommen, die Bolschewiken. Über die Gefahr auf lange Sicht jedoch ist sich jeder im klaren.

Geräusche verboten

Ganz sicherlich gibt es nicht nur rauschsüchtige, sondern auch geräuschsüchtige Menschen. Und offenbar hat die Geräuschsucht in Amerika begonnen.

Nietzsche und die beiden Jahrhunderte

Hätte um 1900 eine Gallup-Umfrage bei den europäischen Gebildeten ermitteln wollen, von welchen Persönlichkeiten des abgelaufenen Jahrhunderts sie die stärkste Nachwirkung für das kommende erwarteten, dann wären große und jedermann vertraute Namen genannt worden: Charles Darwin, Herbert Spencer, Ernest Renan, Hippolyte Taine, dazu eine gloriose Reihe von Physikern, Chemikern, Technikern, Organisatoren, Kolonisatoren, aus allen Ländern – Maxwell, Liebig, Siemens, Cecil Rhodes.

Erfahrenes und Erdachtes

Nirgends scheint mir die wechselseitige Ehrfurcht der Geistseele vor dem leiblichen und der Leibseele vor dem geistigen Adel ergreifender geformt als in jener antiken Legende: Pindar starb im Theater von Argos,das Haupt auf die Schulter eines jungen Athleten gelehnt, den er besungen hatte.

Klagen, Beschreiben, Erzählen

Das Gespräch über Nietzsche wurde in Deutschland sogleich nach der Katastrophe von 1945 wieder in Gang gebracht. Zunächst meldeten sich Ankläger.

Kalewala, heiles Land

Elias Lönnroth, Sohn eines armen südwestfinnischen Dorfschneiders, nach entbehrungsreicher Jugend Arzt, selbst eine fahrende Märchengestalt, sammelt 1828 die verstreuten Lieder Kareliens.

Der dritte Mann

Nach dem Auftakt in Frankfurt setzte Orson Welles sein Gastspiel in Hamburg und München fort. Düsseldorf und Berlin sollen folgen.

Gastlichkeit hinter Gittern

Henry Hemmer, der alte Weltenbummler und letzte Wiener Autor aus dem Kreise um Peter Altenberg, der zur Nachkriegszeit in Wismar lebte, war als vermeintlicher Spion von den Sowjets verhaftet und monatelang eingesperrt worden.

Das sanfte Dynamit

Am 22. August vorigen Jahres starb der siebzigjährige Joseph Wittig in seinem Heideexil. Sein Lebenswerk ist an Sprengkraft dem des Meisters Eckart verwandt, jedoch jener trat als gewaltiger Prediger auf, während Wittigs sanftes Dynamit in Form von Volkserzählungen und Kalenderbesinnlichkeiten wirksam wird.

Ostzonale Zahlen-Orgie

Vom Ministerium für Planung wurden die Ergebnisse des Volkswirtschaftsplanes der Sowjetzone im zweiten Vierteljahr 1950 veröffentlicht.

Großer Vertrag mit England und Kolonien

Deutschland meint es mit der Außenhandelsfreiheit wirklich ernst. Den Beweis dafür liefert die neue deutsche Freiliste, herausgebracht zu Ehren der EPU-Gründung, die Anfang September fertiggestellt sein und möglichst rasch in Kraft treten soll (nicht zu verwechseln mit der kürzlich bekanntgegebenen revidierten alten-Freiliste).

Geplatzt

Es ist schwer verständlich, warum sich die 1904 gegründete Eisenhandelsfirma Krause, deren Mantel nach diesem Kriege in neue Hände überging, in die peinliche Situation hineinmanövriert hat, zwischen Meldungen, Dementis, Gegendiementis und dem nunmehr erfolgten Eingeständnis einer Luftblase pendeln zu müssen.

Wir stehen an der Wiege einer neuen Legende

Die Flaute ist zu Ende, und eine ziemlich steife Brise, gewöhnlich (nicht ganz präzise) als Rüstungskonjunktur bezeichnet, bläst jetzt da draußen – so stark, daß wir es auch in Westdeutschland verspüren.

Leistungsparade in Düsseldorf

Die Deutsche Funkausstellung 1950, veranstaltet im prächtigen Ausstellungsgelände Düsseldorfs, hat in den Kreisen des Handels und auch der breitesten Öffentlichkeit reges Interesse ausgelöst.

Boden soll wieder „unter Schirm“

Leider enthält der in Bonn ausgearbeitete Vorentwurf für das Gesetz über den endgültigen Lastenausgleich noch keine Bestimmungen über Demontage- und Besatzungsschäden.

Zwischen Seifen und Synthetica

Unsere Hausfrauen werden vom 1. September ab wieder „richtiges“ Seifenpulver kaufen können. (Das wird hoffentlich dazu beitragen, daß die sinnlosen Hamsterkäufe für Seifen aller Art bald nachlassen .

Neuerscheinungen für die Wirtschaft

Aus der Fülle der Veröffentlichungen zur Rückerstattungsfrage greifen wir nur die wichtigsten heraus und bebginnen mit den kommentierten Gesetzesausgaben: Zuerst ist (Herbst 1949) der „Kommentar zum Rückerstattungsgesetz (Mil.

Greiling in Lensahn

Nicht jeder kennt Lensahn — deshalb muß wohl zunächst eine kurze Ortsbeschreibung gegeben werden: Le

Neue Produktion

Deutschlands nördlichstes Radiowerk, die Wobbe-Radio-GmbH. in Rendsburg, veranstaltete für die westdeutsche und West-Berliner Presse ihren ersten Presseempfang.

Gutes, altes Eystrup

Unsere kritische Veröffentlichung, die sich in Nr. 33 unter dem Titel „Verkehr mit Flaschen“ mit dem Tätigkeitsdrang des Bundesverkehrsministers beschäftigte, hat uns eine Fülle von Zuschriften eingebracht.

Ford am Rhein

Schade, daß man einer Automobilfabrik nicht um den Hals fallen kann!“ schrieb Frau Christine Flier aus Tönning an der Eider, die anläßlich der Feier zum 25jährigen Bestehen der Deutschen Ford-Werke einen „Taunus“ geschenkt bekam.

Dubiosa in der Steuerbilanz

Die Vorschrift des § 38 HGB verpflichtet jeden Kaufmann zur ordnungsgemäßen Buchführung. Diese Verpflichtung gilt nach § 160 AO gleichzeitig im Interesse der Besteuerung.

Was sie in Sowjetrußland erlebten

Inmitten aller Sorgen um die gegenwärtigen Spannungen zwischen Ost und West dürfen wir unsere Kriegsgefangenen in Sowjetrußland nicht vergessen.

Der Arzt an Stelle des Priesters

Daß Wundertäter wie Bruno Gröning Erfolg haben, ist ein sichtbares Zeichen für die Krise der Medizin. Daß die Krise der Medizin nicht behoben wird durch die Erfindung eines neuen Mittels (und sei es auch das Penicillin), ist diesen Magiern meistens klarer als vielen Ärzten.

Temperatur als Taktstock

Während des Sommers wird unsere Arbeitskraft durch allzu hohe Wärme geschwächt. Aber auch in Winter bei außergewöhnlicher Kälte läßt die Intensität nach.

„Stempeln“ amerikanisch

Es geht so schnell, daß man zunächst mal gar keine Zeit hat, über die Konsequenzen nachzudenken. Eben noch hat man, wie jeden Freitag, seinen Scheck für die Woche bekommen – eine Stunde später erfährt man staunend, daß man auf Grund der schlechten Geschäftslage leider ab sofort entlassen sei.

Vergessene Stadtschönheit

Viele Reisende, die die Luftkurorte des Allgäus besuchen, fahren achtlos an Kempten vorbei. Im besten Falle kennen sie von der Durchreise eins der nichtssagenden Hotels der Neustadt am Bahnhof.

Raucher sind haltloser

In Kopenhagen behandelt man seit etwa zwei Jahren Alkoholiker mit Antabuse. Jeder Trinker muß von dieser Droge, die die Dänen Hald und Jacobsen erprobten, täglich eine gewisse Menge einnehmen, im Anfang unter ärztlicher Aufsicht, später zu Hause.

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