H. M. W. Wien, im August

Der „österreichische Friedensrat“ war eine Blume mit dunkelrotem Fruchtgrund und rosaroten Blütenblättern. Der Fruchtgrund, das war die KPÖ, die Blütenblätter jene Prominenten, die, ohne Kommunisten zu sein, doch die kommunistische Forderung unterstützten, die einzige Waffe zu bannen, in der die atlantische Gemeinschaft die Überlegenheit besitzt.

Es fiel ein koreanischer Reif in der Frühlingsnacht... die Blume verlor ihre Blütenblätter, und es erwies sich, daß keine Frucht sich hatte bilden können. Als erstes müdes Blatt schwebte der Atomphysiker Hans Thirring hernieder auf den Boden politischer Realitäten. In seiner Kampfansage an den Friedensrat schrieb er, daß er weder an einem südkoreanischen Überfall noch an eine innere Auseinandersetzung glauben könnte. Er fügte hinzu: „Lassen wir diese Argumentation zu, dann werden eines Tages zehn motorisierte und zehn Infanteriedivisionen der deutschen Ostpolizei mit Panzern und Geschützen von der Elbe bis zum Rhein vordringen, und das Ganze wird den Titel tragen: ‚Säuberung Deutschlands von den Lakaien der Bourgeoisie‘.“ Bravo, Thirring! Besser spät als gar nicht.

Dem Physiker folgte der Poet: Franz Theodor Czokor, seines Zeichens Schriftsteller und Präsident des PEN-Clubs, letzter Repräsentant eines kraftgenialischen Caféhaus-Künstlertyps. Eine gewisse innere Unruhe hatte ihn in die Ferne getrieben, aus der er 1945 in englischer Uniform nach Wien zurückgekehrt war, um alsobald eine Art „innere Emigration in die „Heimat aller Werktätigen“ anzutreten, aus der er nun ebenfalls heimgekehrt ist. „Wir wußten es immer“, sagen seine Freunde. „Er ist hier allzusehr verwurzelt ... hat er es nicht auch fertiggebracht, selbst in englischer Uniform stets so auszusehen, als hätte er die Nacht auf einer österreichischen Almhütte verbracht?“

Zum Poeten gesellt sich der Musiker: ein feinfühliger, stiller Musiker, Sohn des großen Dichters Wildgans. „Wildgans?“, pflegen die Kommunisten zu sagen. „Ach ja, den haben wir doch vor einigen Wochen hingerichtet (will sagen: aus der Partei ausgeschlossen), denken Sie sich, er war in das Land des Faschisten Tito gefahren und hat vorgegeben, dort ein freies Musikleben angetroffen zu haben.“ In Wirklichkeit hatte aber Wildgans schon vor seiner Balkanreise die KPÖ verlassen, nur wußte man damals nicht recht, wie man es den linientreuen Kindern sagen sollte.

Um die Reihe vollständig zu machen, müßte man noch einen zweiten ehemaligen PEN-Club-Präsidenten erwähnen, der ebenfalls dem Friedensrat den Rücken gekehrt hat: Alexander Sacher-Masoch. Vielleicht hat er an einen anderen Träger dieses Namens gedacht, an den Romancier Leopold Sacher-Masoch und wollte nicht, daß dieser Name zum zweitenmal für einen Zustand kennzeichnend wird, bei dem man an der eigenen Demütigung Vergnügen finden soll.

Der Versuch, eine nichtkommunistische Intelligenzgruppe vor den Kominformwagen zu spannen, ist damit in Österreich gescheitert.