Die Deutsche Funkausstellung 1950, veranstaltet im prächtigen Ausstellungsgelände Düsseldorfs, hat in den Kreisen des Handels und auch der breitesten Öffentlichkeit reges Interesse ausgelöst. Schon jetzt können die Abschlüsse durchweg als gut und teilweise als sehr gut bezeichnet werden. Die Kauffreudigkeit dürfte besonders darauf zurückzuführen sein, daß man die zunächst genannten und geforderten Preise der neuen Apparate wohl nicht in allen Fällen wird auf die Dauer halten können, Vorlieferanten erklärten in verschiedenenFällen den Werken, daß zu den Frühjahrs- und Sommerpreisen in Zukunft nicht mehr geliefert werden könne, da einzelne Importstoffe ständig im Preise stiegen. Falls sich diese nicht zu verkennende Tendenz „herumsprechen“ sollte. dürfte in den letzten Ausstellungstagen Ende dieser Woche die Umsatztätigkeit noch wesentlich anziehen.

Wir sehen in diesem Trend eine der drei volkswirtschaftlichen Besonderheiten der ersten großen und interessanten Nachkriegsrundfunkschau. Die anderen beiden wurden von dem Senior des deutschen Rundfunks, Staatssekretär a. D. Bredow, und von Ministerpräsident Arnold in den Blickpunkt gerückt. Staatssekretär Bredow fand stark beachtete Worte über die deutsche Exportsituation in

Rundfunkgeräten; Karl Arnold forderte (sicherlich von seinem Ministerialdirektor Brandt gut beraten) einen Volksempfänger mit UKW-Schaltung und eine Mitarbeit der deutschen Wissenschaftler am Radargerät zugunsten Deutschlands.

Die Ansichten, die der einstige deutsche Rundfunkkommissar Dr. Bredow über die künftigen Exportmöglichkeiten der deutschen – Rundfunkindustrie während seiner Eröffnungsrede äußerte, waren nicht für alle Ohren gute Rundfunk-„Musik“. Er sieht die Exportsituation durchaus nicht optimistisch: „Was Sie heute als Preis nehmen, werden Sie morgen erhalten können“, meinte Beziehung auf die Preise kann die deutsche Funkindustrie durch die mit Unterstützung mächtiger Auslandskonzerne in Deutschland arbeitenden Firmen so an die Wand gedrückt werden, daß ausreichende Betrüge für eine im Interesse des Exports erforderliche Weiterentwicklung überhaupt nicht mehr verfügbar sind.“ Hieraus folgerte er die Notwendigkeit eines zwei- bis dreijährigen Schutzes durch das Bundeswirtschaftsministerium. Aus dem Gefühl „an die Wand gedrückt zu werden“, dürfte auch Karl Arnolds Forderung kommen, die deutschen Radar-Wissenschaftler nicht nur im Ausland für das Ausland tätig sein zu lassen, sondern ihnen die Rückkehr nach Deutschland und die Arbeitserlaubnis für Deutschland zu geben. – Wird man erwarten dürfen, daß die westlichen Väter des Potsdamer Geistes, Ausgabe 1945, Zeit und Lage Rechnung tragen und auch in diesem Punkte ihre deklassierenden Bestimmungen revidieren?

Wem die Deutsche Funkausstellung 1950 hierzu einen Beitrag hat leisten können, dann ist sie – unabhängig von allen überraschenden und erfreulichen technischen Neuerungen – allein schon aus diesem Grunde wertvoll und erfolgreich Den deutschen Firmen aber, die in den letzten Jahren nicht nur zerstörte oder ausgeraubte Werke wieder aufgebaut haben, sondern auf dieser Ausstellung auch noch beweisen, daß sie den Anschluß an die internationale Höhenlage erreichen konnten, gebührt Lob und Anerkennung, Trotz des labilen und relativ kleinen Marktes in der Bundesrepublik, trotz der Anlauf- und Aufbaukosten und trotz der Einschränkungen des Kopenhagener Wellenplanes stehen die Preise auch nach partiellen Erhöhungen doch in einer Grenze, die bisher noch nicht in der deutschen Industrie vorexerziert wurde und die Nachahmung verdient. P.