Wir geben hier einem jungen Amerikaner das Wort, der die Außenpolitik seines Landes einer kritischen Prüfung unterzieht. Seine Ausführungen sind vor allem deswegen so interessant, weil in ihnen eine Entschlossenheit zum Ausdruck kommt, die im gegenwärtigen, müde gewordenen Europa fehlt.

In der vorigen Woche haben sich die vier republikanischen Mitglieder des einflußreichen Auswärtigen Ausschusses des USA-Senats mit aller Schärfe gegen die „Blindheit unserer Führung“ gegenüber der ernsten Drohung, die während der letzten fünf Jahre von der Sowjetunion ausging, gewandt. Die Situation in Korea, so heißt es in jener Deklaration, sei das Ergebnis „unserer Unfähigkeit, die möglichen Folgen unserer Außenpolitik zu erkennen“, und der sich daraus ableitenden „ungenügenden Vorbereitung, diese Politik in Krisenzeiten durchzuführen“.

Zur gleichen Zeit, da die Opposition die Regierung in dieser Weise angriff, läuft vor uns das Schauspiel einer rapiden amerikanischen Aufrüstung ab, unterstrichen durch die Forderung, die Alliierten Amerikas (zu denen jetzt auch Westdeutschland gehört) sollten sich daran beteiligen. Republikaner und Demokraten sind in gleicher Weise bereit, Amerika für einen Krieg vorzubereiten, den keiner von ihnen wünscht, der ihnen aber, wie beide fürchten, aufgezwungen werden könnte;

Ist dies eine der „möglichen Folgen“, welche die vier republikanischen Senatoren im Auge hatten, als sie ihre Erklärung veröffentlichten? Und wenn das so ist, was ist dann eigentlich der Grundzug der amerikanischen Außenpolitik in den letzten Jahren gewesen?

Nicht auf Grund eines vorgefaßten Planes, sondern im Zuge der internationalen Entwicklung, über die sich aber die amerikanischen Staatsmänner keine Rechenschaft gaben, haben sich die USA während der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts aus einer isolierten Demokratie jenseits des Ozeans in eine mächtige Großmacht mit einer Anzahl ihnen politisch und wirtschaftlich eng verbundenen Alliierten verwandelt. Das ist das unausbleibliche Resultat der siegreichen Teilnahme an zwei Weltkriegen und der Bereitwilligkeit Amerikas, jederzeit und überall, wo es dazu aufgefordert wurde, für die Verteidigung der Freiheit geradezustehen.

Aber obwohl Amerika jetzt eine Politik der selbstgefälligen und selbstgerechten Einmischung zu treiben begann, war weder das Traditionsgefühl noch das Denken der Amerikaner hinreichend darauf vorbereitet worden, nun in der neuen Periode der politischen Vormachtstellung, auch den Frieden zu gewinnen. Im Grunde hat die amerikanische Politik unter Franklin Roosevelt mit der unbeabsichtigten Unterstützung Hitlers und Tojos zwar die amerikanische Weltmacht geschaffen, aber sie hat gleichzeitig auch die Weltmacht der Sowjets errichtet. Und der tragische Unterschied zwischen den beiden ist, daß die eine nicht wußte, was sie zu tun hatte, während die andere es sehr genau wußte.

In dem naiven Glauben an die Freundschaft der Sowjetunion fuhr die amerikanische Weltmacht, nahezu ohne Widerspruch, fort, fast all das zu tun, was sie nicht hätte tun sollen. Nach Jalta und Potsdam schickte sie ihre Armeen über Nacht nach Hause. Unbekümmert sah sie zu, wie die Sowjets sich das nahmen, was ihnen paßte. Leichtfertig setzte sie die Freundschaft von Hunderten von Millionen potentieller Verbündeter im Fernen Osten aufs Spiel. Nach der Besetzung Westdeutschlands verfolgte sie eine Politik wirrer Vergeltungsmaßnahmen und unsinniger Demontage. Die Sowjets indessen lachten sich über Uncle Sams Naivität ins Fäustchen und fuhren fort, hinter ihrem Eisernen Vorhang die Eroberung der Welt vorzubereiten.