Unsere Hausfrauen werden vom 1. September ab wieder „richtiges“ Seifenpulver kaufen können. (Das wird hoffentlich dazu beitragen, daß die sinnlosen Hamsterkäufe für Seifen aller Art bald nachlassen ...) Natürlich wird man auch weiterhin synthetische Waschmittel angeboten erhalten. Die Frage ist nun, ob sich diese bei uns künftig ebenso durchsetzen, wie etwa bei der Hausfrauen- und Wäschereikundschaft in den USA.

Die Fachleute und der einschlägige Fachhandel bezeichnen die Situation auf dem deutschen Seifen- und Waschmittelmarkt seit Aufhebung der Bezugsscheinpflicht vor knapp zwei Jahren als kritisch und verworren. Und das mit gutem Recht. Der Verbraucher hat ebenso daran herumgerätselt, wie der plötzliche Umschwung vom äußersten Mangel zum Überfluß zu erklären gewesen sein mag. Die vorübergehende Preisschleuderei in Kernseifen, die bei vielen Betrieben zu Notverkäufen unter äußerster Kalkulationsbasis geführt hat, ließ das Mißverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage deutlich werden. Wem nun im Zeichen der weltpolitischen Spannung von allen Produktionsstätten eine sprunghaft gesteigerte Umsatztendenz verzeichnet wird, so darf hieraus kein Fehlschluß gezogen werden. Daß die Kernseifen preise allmählich wieder anziehen. bedeutet vorläufig noch keine „Verteuerung“, denn die bisherigen Preise waren eben Unterpreise, erkauft mit erheblichen Substanzverlusten bei vielen Betrieben, denen es auf Absatz und Umsatz à tout prix ankam, Eine andere Frage bleibt die – abzuwartende – Preistendenz be weiterem Ansteigen der Weltmarktpreise für natürliche Fettrohstoffe.

Nach einer kürzlich erfolgten Veröffentlichung des „Verband“ deutscher Seifenfabrikanten“ entsprach die Nachfrage nach Feinseife (1949) je Kopf der Bevölkerung gerechnet, etwa dem Bedarf im Jahre 1936. Demgegenüber erreichte der Kernseifen-Verbrauch nur etwa 40 v. H. der Mengen von 1936, der Bedarf an Waschmitteln knapp 75 v. H. – was wohl durch die Einbuße an Wäschebeständen zu erklären ist.

Von den mehr als 420 im Bundesgebiet bestehenden Seifen- und Waschmittelfabriken der verschiedensten Größenordnungen wird überwiegend die Produktionsanlage jetzt als schwierig bezeichnet. Nicht minder ungünstig wird de allgemeine Absatzlage bei normalen Verhältnissen beurteilt, zumal vorerst der Markt der Ostzone den Betrieben im Bundesgebiet verschlossen ist. Eine Ausnahme bilden die Konzernbetriebe, deren überragende Produktions- und Kapitalstärke vorsorgliche Rohstoffaufkäufe zuließ und deren gewaltiger Reklameaufwand die übrigen Betriebe in einen scharfen Konkurrenz- und Existenzkampf zwingt.

Im Verlauf des dritten Quartals des Jahres 1950 tritt ein für Industrie und Verbraucher gleichermaßen bedeutsamer Augenblick ein. Nach elfjähriger Unterbrechung ist der Einbau von Naturfeuer in pulverförmige Waschmittel wieder gestattet; es gibt wieder „richtiges“ Seifertpulver. Das große Rätselraten beginnt: Werden sich die bekannten Markenartikel ohne Mühe nun durchsetzen? Werden die synthetischen Waschmittel verdrängt? Namhafte deutsche Textilchemiker haben in der letzten Zeit für den Waschmittelverbrauch (sowohl im Haushalt wie auch in der Maschinenwäscherei) Prognosen angestellt, die auf neuesten wäschereipraktischen Erkenntnissen und auf ausländischen Erfahrungen fußen. Es ist Tatsache, daß auf dem Gebiet der Herstellung pulverförmiger Waschmittel in der Kriegs- und Nachkriegszeit, mit ihrem Mangel an ausreichenden Importen von Fettrohstoffen, Fortschritte zu verzeichnen waren, deren Ergebnis auf einigen Teilgebieten des Waschvorgangs bessere Qualitäten sind, als wir sie je im Frieden aufzuweisen hatten.

So werden nun viele Waschmittelfabriken kaum den Wettlauf mit den bekannten Markenfabrikaten aufnehmen, sondern ihre auf synthetischer Basis hergestellten Produkte pflegen und weiter fördern. Das wird in Anbetracht der kürzlich erfolgten Produktionsgenehmigung der bekannten Fischer-Tropsch-Anlagen und ihrer Bewahrung vor der Demontage sowie auch in Anbetracht der noch unübersehbaren weltpolitischen Lage nur von Vorteil sein; denn die Importfrage wird auch weiterhin noch kritisch bleiben. Die aus der Synthese anfallenden sogenannten „waschaktiven“ Rohstoffe haben in der deutschen Seifenindustrie eine völlig neuartige Verarbeitung gefunden, sodaß die Entwicklung auf diesem Gebiet vielverheißend ist. In jüngster Zeit ist eine Reihe völlig neuartiger Waschmittel auf den Markt gekommen, deren vielseitige Ausstattung mit eingebauten Sauerstoffbleichmitteln, mit aufbellenden, „optisch“ wirkenden Fluoreszenskörpern oder gar mit Parfümierung so bemerkenswert ist, daß man kaum fehlgeht, wenn man aus der Parallelentwicklung in Amerika auch für den deutschen Markt Rückschlüsse zieht. Die mannigfaltig weiterentwickelten synthetischen Waschmittel haben sich nämlich in den USA, wo man doch wahrlich über Fettrohstoffmangel nicht zu klagen braucht, wegen ihrer hervorragenden Leistungen gegenüber den Seifenprodukten zunehmend durchgesetzt. Die Jahresproduktion an synthetischen Waschmitteln hielt dort (1949) der an Seifenpulvern etwa die Waage.

Will man Vorteile oder Leistungsbegrenzungen der beiden großen Konkurrenten Seife und Synthetica kurz kennzeichnen, so kann man etwa sagen, daß die Seife als die Königin unter den Waschmitteln gilt und daß sie rein psychologisch bei der traditionsgebundenen Einstellung der Hausfrauen Pluspunkte erhält. In der Maschinenwäscherei ist man längst dazu übergegangen, die Vorteile von Seifen und synthetischen Waschmitteln in einer geeigneten Kombination zu verbinden. In der Haushaltswäscherei wird man bei der Verwendung des neuen Seifenpulvers, dessen Doppelpackung mit 500 g auf mindestens 1,20 DM kommen wird, neben der Kostspieligkeit auch den Nachteil der Kalkseifenbildung und geringeren Schaumkraft erkennen. Beruht doch gerade der Vorzug der synthetischen Waschmittel in dem leichten Anschäumen auch in härtestem Wasser, in einer großen Schaumdichte und Schaumbeständigkeit bei hervorragender Wasch- und Reinigungskraft, und in einem guten Schmutzlösevermögen. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß die deutsche Waschmittelchemie laufend noch Verbesserungen bei den synthetischen Waschmitteln vornehmen, wie sie andererseits auch bemüht sein wird, Seifenpulver aus natürlichen Fetten in neuen Ausstattungen herauszubringen, bei denen die noch vorhandenen Mängel weitgehend abgestellt sein werden. Man darf mit einigem Interesse die Entwicklung verfolgen, die der jetzt beginnende Rivalitätskampf zwischen dem Seifenpulver und den synthetischen Waschmitteln nehmen wird: sie wird vom Verbraucher abhängen, von seinen Erfahrungen und Ansprüchen. Die Produzenten aber werden mehr denn je den Markt zu beobachten haben, auf dem es sich bald erweisen wird, zu welchen Gunsten bei der weiteren Entwicklung die Entscheidung fallen wird. Hans Meseke