Man darf in jederlei Sinn sagen: der Dichter ist das Salz der Zeit“, meint Egon Friedell in „Ecce poeta“. Für die offizielle Literaturkritik zwischen Weimar und Peking ist der Dichter Johannes R. Becher, Ernst Rowohlts Freund und Autor, einer der „bedeutenden zeitgenössischen deutschen Dichter“. Sein Wort, ex cathedra gesprochen, gilt. Darum ist es wichtig, die „Maximen“ zu kennen, die er im neuesten Heft des „Aufbau“ veröffentlicht.

„Ich persönlich“, heißt es dort, „hatte das Glück, daß ich mit dem Abgang aus der Schule sehr genau vertraut war mit allen poetischen Regeln und daß das Handwerkliche, was ich dazu lernen mußte, verhältnismäßig gering war.“

Ein derartig von den Musen Bevorzugter ist der berufene Ratgeber für den literarischen Nachwuchs. Etwa so: „Wenn ein junger Schriftsteller ‚mir‘ und ‚mich‘ verwechselt und überhaupt, wenn er in der Grammatik nicht so ganz hieb- und stichfest ist, so ist es zweifellos ein Mangel, aber wenn er eine ursprüngliche Begabung ist, wenn er dabei das Herz auf dem rechten Fleck hat und sein Verstand in Ordnung ist, sind diese grammatikalischen Schwächen und andere Formmängel Kleinigkeiten.“

Schlimmer ist es, wenn Schriftsteller zwar schreiben können, aber keine Anhänger des Sowjetsystems sind. Da muß Becher die Leviten lesen:

„Wir setzen uns mit ihnen auseinander nur im wörtlichen Sinn. Wir setzen uns mit ihnen so weit wie möglich auseinander, um nicht in Tuchfühlung mit ihnen zu geraten, die ja längst keine deutschen, französischen, englischen, amerikanischen Schriftsteller mehr sind, sondern die sich längst als Handlanger der Kriegshetzer in eine Bande internationaler Hochstapler verwandelt hatten, in literarisch getarnte Gangster. Wir wollen nichts mehr wissen von euch, euch weder sehen noch hören. Zwar müssen wir vorerst von euch noch Kenntnis nehmen, aber wir nehmen Kenntnis von euch nur in dem Sinne, wie man von einem Geschwür Kenntnis nimmt, das darauf wartet, operiert zu werden.“

Nach diesem „Abschied“ von den Dichtern und Schriftstellern jenseits des Eisernen Vorhangs stellt Becher in einer letzten Maxime sein eigenes Glaubensbekenntnis auf:

„Es lebe die gleiche Sprache des Friedens, es lebe der Mann, es lebe er, der, wenn wir in dieser gleichen wortgewaltigen Sprache des Friedens reden, uns allen so nahe ist als ihr Sprachschöpfer, es lebe der Meister, der geniale Autor dieser 800-Millionen-Sprache des Friedens: Stalin.“

Egon Friedell hatte recht. Dichter sind „in jederlei Sinn: Salz der Erde“. Denn gerade das Salz kann ja, wie die Bergpredigt lehrt, dumpf werden. Nur das Salz. C. W.