Mit ihr er verhältnismäßig umfangreichen Teilnahme an der 1. Internationalen Messe in Chikago haben die 200 deutschen Firmen die Bemühungen Westdeutschlands, stärker in das Amerikageschäft zu kommen, sehr erfolgreich unterstützt. Die am 20. August beendete Messe hatte nach Mitteilung des Leiters der deutschen Delegation, Reinhold Krause, einen deutschen Messeumsatz einschließlich aller noch zu realisierenden Geschäfte von etwa 20 Mill. $. Dieser Erfolg ist zum großen Teil auf die zweckmäßige Werbung zurückzuführen, die die deutsche Delegation zum Besuch der deutschen Stände entfaltet hatte. Natürlich sind nicht alle deutschen Aussteller mit ihren Abschlüssen zufrieden.

Bedauert werden muß, daß der spezielle Charakter des deutschen Angebotes leider nicht so geschlossen herausgearbeitet worden ist, wie es etwa den Schweden oder den Österreichern gelang. Die deutschen Firmen, die mit ihren Chikago-Erfolgen unzufrieden sind, sollten sich die Frage vorlegen, ob sie sich in einem ausreichenden Umfang der Mühe unterzogen hatten, den amerikanischen Markt zu erforschen und zu beobachten. Ohne eine fortlaufende Marktforschung ist in den Staaten ein dauerhafter Erfolg nicht zu erwarten.

Die Messe Verwaltung hatte sich bemüht, nach dem Muster der internationalen Messen der alten Welt eine Konzentration der Branchen durchzuführen. So lagen, um nur einige Beispiele zu nennen, die Stände der deutschen Textilindustrie einträchtig neben denen der französischen, britischen, holländischen, österreichischen und schwedischen Textilfabrikation. Und die Stände der deutschen Porzellanindustrie fand man neben der schwedischen, finnischen, dänischen und japanischen Erzeugung der gleichen Branche. Einige Länder, insbesondere Kanada und verschiedene südamerikanische Staaten, hatten allerdings die Errichtung von Kollektivschauen durchgesetzt, so daß das Messebild – vor allem in der Sparte Verbrauchs guter – die für den Einkäufer so nützliche Branchenzusammenfassung nicht in aller Eindeutigkeit aufwies. Firmen aus den Staaten traten in der Ausstellerschaft völlig in den Hintergrund. Die ausländische Ware beherrschte das Messebild und unterstrich den Charakter dieser Veranstaltung als ausgesprochene Einfuhrmesse.

Leider entwickelten sich einige Mängel, die der Messeverwaltung Chikago zur Last gelegt werden müssen, als schwerwiegende Fehler. Es ist bekannt, daß Chikago infolge des Klimas im August von allen Bewohnern, die es nur ermöglichen können, verlassen wird. Um so mehr hätte sich die Leitung der besonderen Verpflichtung bewußt sein müssen, eine intensive Einkaufswerbung zu entfalten. Hier und auf einigen anderen organisatorischen Gebieten – in der Beschilderung der Messeräume, in der Numerierung der Stände, in der Erleichterung des Verkehrs – hat man leider vieles unterlassen, was zur Unterstützung der Aussteller, die die Spitzenprodukte von 43 Nationen zeigten, notwendig gewesen wäre. Recht nachteilig war die räumliche Trennung der beiden Messegruppen. Man hatte 12 km zu fahren, um von der Ausstellung der Konsumgüterindustrie zur Maschinenschau zu kommen. Auch mit der Werbung für diese Messe war es nicht weit her: selbst die Taxifahrer von Chikago wußten anfangs von ihrer Existenz nichts.

Neben einem Stahlauftrag im Werte von 10 Mill. $ konnten westdeutsche Aussteller auf der Messe zunächst Aufträge für 4 Mill. $ buchen. 70 v. H. dieser Geschäfte entfallen auf Verkäufe nach den USA und 20 v. H. auf Lieferungen an süd- und mittelamerikanische Länder. Das Interesse der amerikanischen Kunden galt besonders Solinger Schneidwaren, ferner Schmuckwaren, Lederwaren, Edelmetallerzeugnissen, Uhren, Gegenständen des Kunsthandwerks, Spielwaren und sogar Glückwunschkarten und Schnittmustern. Die Gesamtzahl der Messebesucher wird mit 300 000 und die der Käufer mit 25 000 angegeben. Die besten Verkaufserfolge konnte Großbritannien erreichen. Italien, Portugal, Jugoslawien, Griechenland, Österreich, Frankreich, die Niederlande, die Schweiz, die Türkei und Spanien haben aber ebenfalls nennenswerte Umsätze gehabt.

Die 2. Internationale Messe wird in Chikago in der Zeit vom 10. bis 23. September 1951 durchgeführt werden. Und man hat den Ausstellern schon jetzt versprochen, daß man in Chikago aus den Organisationsfehlern infolge der fehlenden Messeerfahrungen gelernt habe ... H. E.