Der neue Sowjetbotschafter in Dänemark, Herr Wetrow, ist ein interessanter Mann. Ob er hauptberuflich Diplomat oder MVD-Mann ist, kann schwer festgestellt werden. Jedenfalls lag seine Tätigkeit in Lettland, wo er kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkriegs als Legationsrat erschien, gerade auf dem Schnittpunkt dieser beiden Berufe. Damals entfaltete er in Riga einen großen gesellschaftlichen Betrieb, und es wird niemand überraschen, daß die, meisten Mitglieder der sogenannten Regierung, welche die Sowjets nach der Besetzung Lettlands 1940 in Riga einsetzten, unter ihnen auch der Ministerpräsident A. – Kirchenstein, regelmäßige Besucher Wetrows waren. In der Sowjetbotschaft wurden sie bei Sekt und Kaviar von der Harmlosigkeit der Moskauer Absichten überzeugt. Seither sind diese Mitläufer längst in der sowjetischen Säuberungsmaschine verschwunden, ebenso wie die Mehrzahl der lettischen Kommunisten, die damals mit, Wetrow zusammenarbeiteten, um mit Hilfe von Moskauer Spezialisten, die als „Techniker“ eingereist waren, die kommunistische Partei im Lande aufzuziehen und schlagkräftig zu machen. „Als am 19. Juni 1940 A. J. Wyschinski als Sonderbeauftragter der UdSSR in Riga eintraf, um den Staatsstreich durchzuführen, empfing ihn Wetrow mit einer Liste des kommenden Kabinetts“, schreibt Newsletter, Stockholm. „Er war sein erster Berater während der folgenden Ereignisse. Überall, wo Wyschinski öffentlich in Erscheinung trat (so bei der Kundgebung vom 20. Juni), waren Wetrow und der sowjetische Minister Derewjanski an seiner Seite.“

Was hat nun Herr Wetrow in Kopenhagen vor? Will er die dänische Regierung in seiner An davon überzeugen, daß die Sowjetunion am Kattegat „vitale Interessen“ zu vertreten habe, wie es Molotow Hitler gegenüber im November 1940 formulierte? H. A.