Als die Fabriken in der Ostzone „volkseigene Betriebe“ wurden, da proklamierte die SED, nun gehe es aufwärts. In Westdeutschland füllten sich inzwischen die Regale und Schaufenster der Laden, mochten sie sich in Privathand oder in monopolkapitalistischem Besitz befinden. Derweil – welch Aufstieg! – ist es in der Ostzone soweit gekommen, daß man dank der Initiative der „Gehe, Dresden, Vereinigung volkseigener Betriebe, (Z)“ ein Mittel gegen Hungerschäden, „Peptonisat“, kaufen kann – noch heute, fünf Jahre nach dem Krieg! Die volkseigenen Betriebe tui etwas fürs Volk. Zwar ist Brot, Fleisch, Gemüse, in entsprechenden Mengen eingenommen, seit Adams Zeiten auch kein schlechtes Mittel gegen Hunger und Hungerschäden. Doch hilft zur Not auch „Peptonisat“. Es hilft sogar prophylaktisch, wie man aus dem Inserat ersehen kann. Angesichts nervöser Zeiten hamstert die westdeutsche Hausfrau, kauft Öl und Fett, Kaffee und Reis; die Ostdeutsche Hausfrau aber, weitaus progressiver, nimmt prophylaktisch „Peptonisat“ ...

Was sollte sie auch anderes tun? Hier die Zahlen der Monatszuteilung, wie sie dem „Normalverbraucher“ in der Provinz Brandenburg zuteil wurden: Brot 12 400 Gramm; es war im letzten Monat zwar „klitschig“, aber es wurde geliefert. Nährmittel: 1085 Gramm; es gab zur Hälfte Nudeln, zur Hälfte Grütze. Fleischzuteilurg: 930 Gramm; ein Drittel wurde als Wurst, ein Drittel als Fleisch, ein Drittel als – Fisch geliefert. Fett: 465 Gramm; jedoch das Butterschmalz mußte in vielen Fällen als unbrauchbar weggeworfen werdet, die Margarine war ein gelblichgrünes übelriechendes Gemisch, und der Speck hatte offensichtlich in Salzwasser gelegen, – war salzverkrustet und wog zu schwer. Übrigens wurde an vielen Orten der Provinz statt Fett oder Fleisch ein wäßriger weißer Käse zugeteilt. An Zucker gab es 777, an Marmelade 930, an Seite 50 und an Waschpulver 250 Gramm.

Das alles ist die Basis für die Berge von aufgetürmten Dosen, die in der Ostzone die Apotheken füllen: „Peptonisat – Nährpräparat gegen Hungerschäden“ ... T.G.