DIE ZEIT

Patschhändchen

Mehr als 273 Millionen Menschen in 75 Staaten hätten bisher das Stockholmer „Friedensdokument“ unterzeichnet, schreibt die Prawda, und da Kinder dies Ächtungsmanifest der Atombombe nicht unterschreiben durften, müßte man rechnen, daß die 273 Millionen Unterschriften für 600 Millionen stünden: den vierten Teil der Menschheit.

PoW’s in Falkenstein

Sicherlich hat niemand einen harten Auftrag in schönerem Sinne zu erfüllen gesucht als der englische Captain Sulzbach, der – ein deutscher Emigrant – während des Krieges Kommandeur eines Kriegsgefangenenlagers in England war: er hat aus seinem Abscheu gegen Hitler keinen Abscheu gegen die Deutschen gemacht und hat getan, was er für seine 4000 Schützlinge nur tun konnte.

Gespenst der Angst

Daß in Westdeutschland viele Menschen in einem ständigen Zustand der Angst leben, wird niemand leugnen wollen, der offenen Sinnes aufnimmt, was er täglich in seiner Umgebung hört oder sieht.

Der liberale Gedanke

In Stuttgart fand in der vergangenen Woche der Vierte Liberale Weltkongreß statt. Unter den 200 Vertretern aus verschiedenen europäischen Staaten befanden sich viele hervorragende Männer, wie der spanische Liberale de Madariaga, die Engländer Lord Layton und Sir Andrew McFadyean, der Franzose Bonnefou, der Belgier Motz; unter den deutschen Mitgliedern waren Hermann Dietrich, Vizekanzler Blücher, Ministerpräsident Reinhold Maier.

Kampf-Pornographie

Als kürzlich in Chatham die britischen Offiziere ihren Matrosen in die Seemannskiste guckten, fanden sie bei nahezu allen Marinern ein Magazin, betitelt „Das Sowjet-Girl“, darin eine Fülle von nackten und halbnackten Mädchen, Pin-Up-Girls, wie man sie in der westlichen Welt zu nennen pflegt, dazu aber Texte und Artikel, die unverfälschte Äußerungen der östlichen Hemisphäre waren –: scharf kommunistische Propaganda.

Das langsamste Schiff im Atlantik-Konvoi

Vor drei Tagen ist in Hamburg ein 2300 BRT großes Frachtmotorschiff vom Stapel gelaufen, das erste Schiff, das nach Beseitigung der Restriktionen des Potsdamer Abkommens auf einer deutschen Werft erstellt ist und das jetzt unter dem Namen seiner Vaterstadt im Dienst der Hapag fahren wird.

Zwischen Bibel und Kanonen

Ttransparente, Fahnen, Posaunenchöre und Ministerreden, dazu eine unübersehbare Menschenmenge, die durch die Straßen der vom Krieg so hart mitgenommenen Ruhrmetropole dutete und allabendlich die großen, von Hitze dampfenden Hallen des Gruga-Geländes zum Bersten er wen füllte –; das war das äußere Bild dieses evangelischen Kirchentages in Essen.

Ein gewisser Herr Wetrow

Der neue Sowjetbotschafter in Dänemark, Herr Wetrow, ist ein interessanter Mann. Ob er hauptberuflich Diplomat oder MVD-Mann ist, kann schwer festgestellt werden.

Kalte Bodenreform im Osten

Die heilende Kraft des Friedens macht sich in der Landwirtschaft der deutschen Sowjetzone nicht in gleichem Umfang geltend wie bei uns im Westen.

Wegweiser der Flüchtlinge

Noch wenige Wochen vor der Regierungsbildung in Schleswig-Holstein hatte der Parteivorsitzende des Bundes der Heimatvertriebenen und Entrechteten, Waldemar Kraft, von einem Zusammenschluß mit dem deutschen „Wahlblock“ nichts wissen wollen.

Gegen Hungerschäden!

Als die Fabriken in der Ostzone „volkseigene Betriebe“ wurden, da proklamierte die SED, nun gehe es aufwärts. In Westdeutschland füllten sich inzwischen die Regale und Schaufenster der Laden, mochten sie sich in Privathand oder in monopolkapitalistischem Besitz befinden.

DIE WOCHE

Nationen protestierte der Ministerpräsident und Außenminister des kommunistichen China, Tschau En Lai, gegen die Anwesenheit der 7.

Humani generis

Die Enzyklika, die Papst Pius XII. jetzt der Öffentlichkeit übergeben hat und die nach den ersten Worten des lateinischen Textes Humani generis heißt, wendet sich dogmatisch gegen die Verfechter der Theorie, des Immanentismus, Idealismus, Materialismus und Existentialismus, „sei es, daß sie atheistisch sind, sei es, daß sie die Gültigkeit der Vernunft auf dem Gebiet der Metaphysik leugnen“.

Das Ergebnis von Straßburg

Die beratende Versammlung des Europa-Rates hat sich in Straßburg auf den November vertagt. Bis dahin sollen die Empfehlungen dem Ministerausschuß vorgelegt worden sein, auch soll den einzelnen Parlamenten Gelegenheit geboten werden, zu den verschiedenen Beschlüssen des Europa-Rates Stellung zu nehmen.

Das Spiel vom Thomaskantor

Den Menschen Johann Sebastian Bach und sein Werk einer breiten Öffentlichkeit nahezubringen und erlebbar zu machen, ist eine große und schwere Aufgabe.

Wiecherts letztes Wort

Vielleicht war dies das paradoxeste aller Dichterschicksale in unseren Tagen: der Mann, der aufgebrochen war, den „Weg nach innen“ zu Ende zu gehen, der vor aller Öffentlichkeit mit Sehergebärde die Abkehr vom öffentlichen Dasein und die Hinwendung zum „einfachen Leben“ vollzog, der keine andere Heilung für diese Zeit fand als in einer neuen „pädagogischen Provinz“ die Ehrfürchte still zu hüten – eben dieser Mann wurde nicht nur mit lautem Ruhm behängt, sondern bald auch genötigt, sich den politischen Mächten als Kassandra entgegenzustellen.

Nina in Hamburg

Im Theater am Besenbinderhof zu Hamburg spielt das Gründgens-Ensemble das alte Lustspiel „Nina“, das Bruno Franck einst um die heute schon fast sagenhaft gewordene Figur der gängigen Diva zu Stummfilmzeiten geschrieben hat.

Notizen

Die Bruckner-Gesellschaft, die seit zwölf Jahren zum ersten Male wieder zusammentrat, überreichte in Salzburg den Dirigenten Wilhelm Furtwängler, Hans Knappertsbusch, Bruno Walter, Karl Schuricht, Eduard van Beinum und den Wiener Philharmonikern die Bruckner Medaille.

Aufruf zum Bürgerkrieg

In zwölf Punkten legte der ostzonale Präsident Wilhelm Pieck in seiner Rede auf dem Nationalkongreß in Berlin dar, was sie die verantwortlichen sowjetzonalen Stellen unter jenem „nationalen Widerstand“ vorstellen, zu dem sie die westdeutsche Bevölkerung aufgerufen haben.

Spuk im PEN-Club

Auf dem diesjährigen PEN-Kongreß (PEN steht für „Poeten, Essayisten und Novellisten“) in Edinburgh versuchte der amerikanische Autor Robert E.

800-Millionen-Sprache

Man darf in jederlei Sinn sagen: der Dichter ist das Salz der Zeit“, meint Egon Friedell in „Ecce poeta“. Für die offizielle Literaturkritik zwischen Weimar und Peking ist der Dichter Johannes R.

Befreundet auch in der Feindschaft

Ende 1948 erschien in Paris der Briefwechsel zwischen André Gute und Francis Jammes, Ende 1949 der zwischen André Gide und Paul Claudel.

Kultureller Richtstrahler Europas

Als Schnittpunkt jener beiden Kulturen, die die äußersten Pole abendländischer Geistigkeit darstellen und im Bühnenwerk Mozarts ihre ideale Verschmelzung erfahren haben, ist Salzburg nach wie vor ein gegebener – angesichts des Kampfes um das europäische Dasein geradezu notwendiger – Sammelpunkt des europäischen Kulturbewußtseins.

Verbundenheit oder Verbindungen?

Der „Internationale Studentenbund“ zählt heute 26 Gruppen. Eine der rührigsten vor. ihnen hat ihren Sitz in Göttingen. In dieser Universitätsstadt dicht an der Zonengrenze hatte sich eine Gruppe junger Leute schon vor Jahren zusammengetan zu kleinen Veranstaltungen – meist kultureller Art.

Ohne Vorurteil

Rückblick auf mein Leben“, nennt Marie Baum, die Soziologin, ihre Lebenserinnerungen (sie sind bei P. H. Kerle in Heidelberg erschienen), in denen sie, ohne zu dozieren, in einem knappen Ton einen gültigen Überblick über die Geschichte der letzten fünfzig Jahre gibt.

Zeugen schöpferischer Freiheit

Als Beauftragte des Carnegie – Institutes, Pittsburgh, USA, hat Charlotte Weidler Deutschland besucht, um 30 deutsche Maler einzuladen, die sich – zum ersten Male seit zehn Jahren wieder – an der Internationalen Ausstellung des Instituts beteiligen werden.

Kleine Passion des Hundes Panuschke

Wenn wir am Schicksal Panuschkes rückwärts entlangtasten, sehen wir da Zeiten des Fleisches, der Üppigkeit und 1 der angenehmen Ruhe unterm Präsidium eines milden alten Mannes, dem er ein sachlicher Berater in allen Fragen des Daseins geworden war.

Zwischen Sünde und Konvention

Die psychoanalytische Durchforschung von Kunstwerken auf etwa darin sublimierte Komplexe ihrer Schöpfer hat ein heilsames Mißtrauen gegen jede Schrift zurückgelassen, die es unternimmt, das geschlechtliche Empfinden eines Künstlers zur Deutung seiner Werke heranzuziehen.

Wir diskutieren heute:: Versicherte und Versicherer

„Die Öffentlichkeit vermißt ein konsequentes Vorgehen der Versicherungsgesellschaften gegen vielfach erhobene Vorwürfe und Angriffe“ – so hieß es kürzlich in einer Verlautbarung des „Deutschen Versicherungsschutzverbandes“, der in diesem Zusammenhang neben einer besseren Pflege der Public Relations, eine verstärkte Publizität seitens der Versicherungsunternehmen speziell auf dem Bilanzgebiet forderte.

Sind höhere Prämien berechtigt?

Die Kfz.-Versicherung zerfällt in drei Sparten, nämlich die obligatorische Haftpflichtversicherung, die freiwillige Voll- oder Teilkaskoversicherung und die freiwillige Kfz.

Chikago: nicht einheitlich

Mit ihr er verhältnismäßig umfangreichen Teilnahme an der 1. Internationalen Messe in Chikago haben die 200 deutschen Firmen die Bemühungen Westdeutschlands, stärker in das Amerikageschäft zu kommen, sehr erfolgreich unterstützt.

Anhaltender Kfz.-Bedarf

Das Bielefelder Institut für Marktforschung und Marktbeobachtung „EMNID“ hat im Rahmen einer Untersuchung festgestellt, daß in Westdeutschland die Nachfrage nach Kraftfahrzeugen bisher nicht zurückgegangen ist.

Alle Jahre wieder Abwertung?

Die Preise steigen überall, nicht nur in Deutschland. Es wird uns sogar vom Ausland bestätigt, daß sie bei uns weniger steigen als in anderen Ländern, etwa England.

Leipziger Messe: geschäftlich ruhig

Die am letzten Sonntag in Leipzig eröffnet? Herbstmesse hat bisher einen ausgesprochen ruhigen Verlauf genommen. Von 6000 Ausstellern stammen etwas über 500 aus Westdeutschland.

Was sie in Sowjetrußland erlebten

Fünf Jahre nach Kriegsende, als Deutschland und die westliche Welt mit höchster Eindringlichkeit die Freiheit für alle noch nicht heimgekehrten Kriegsgefangene! verlangten, verfielen die Sowjets auf einen neuen Trick: sie kurbelten Serien von Verhören, Vernehmungen, Gerichtsverhandlungen an, mit dem Zweck, die Kriegsgefangenen in „Kriegsverbrecher“ zu verwandeln und die Unglücklichen nun erst recht als Arbeitssklaven zu verwenden.

Pädagogin von Weltruf

Eine der interessantesten schöpferischen Repräsentantinnen Italiens, die Pädagogin von Weltruf, Prof. Dr. Maria Montessori, wird am 31.

Englische und deutsche Schulreform

Nur 17 Prozent englischer Jungen können heute das Vaterunser aufsagen. Vierzehnjährige gehen durchschnittlich mindestens zweimal in der Woche in das Kino und beziehen zwischen fünf und zwanzig Schilling Taschengeld.

Probleme der sechsjährigen Grundschule

Es ist zwar viel vom reibungslosen Verlauf der Ausleseprüfungen und der gerechten Auswahl der fähigen Schüler und Schülerinnen für die weiterführenden Schulen gesagt worden, aber noch nichts über die Frage, ob sich denn nun das von der SPD-Regierung überstürzt eingeführte Sechs-Jahre-Grundschulexperiment bewährt hat.

Gastspiel in Vichy

Der deutsche Sänger Rudolf Bockelmann, der insbesondere als Wagner-Interpret nach wie vor stimmlich und musikalisch höchste Künstlerschaft beweist, folgte kürzlich einer Einladung, in Vichy zu gastieren.

Das dienliche Ding

Vor einigen Monaten stellte Wilhelm Wagenfeld, der erfahrene Gestalter industrieller Gebrauchsgüter, die Gründung eines ‚Deutschen Institutes für industrielle Formgebung‘ zur Diskussion.

Feigenblätter

Auf Anordnung der italienischen Regierung wurden kürzlich die Statuen des römischen Stadions mit Hilfe von steinernen Feigenblättern moralisiert.

Fürstenberg

Am 28. August 1850 wurde Carl Fürstenberg in Berlin geboren, der Gründer der Berliner Handelsgesellschaft. Der bedeutende Finanzmann, der im Bankhaus Bleichröder gelernt und noch von Bismarck, dem Kunden dieses Bankhauses, die ersten Ermunterungen erhalten hatte, lebte im Bewußtsein seiner Zeitgenossen vor allem durch seine große Schlagfertigkeit.

Zur Kenntnis genommen

Gehorsam. Mit dem Bibelwort: „Durch mich regieren die Könige und setzen die Ratsherren das Recht. Durch mich herrschen die Fürsten und alle Regenten auf Erden“, fordert das Ost-CDU-Blatt Neue Zeit die Pfarrer in der „DDR“ (Deutsche Demokratische Republik) zum Gehorsam gegen die Sowjets auf.

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