Die heilende Kraft des Friedens macht sich in der Landwirtschaft der deutschen Sowjetzone nicht in gleichem Umfang geltend wie bei uns im Westen. Wohl gelang es, Zugkraft und Dünger 1949 wiederauf friedensmäßige Höhe zu bringen, jedoch nicht die Hektarerträge. Sie blieben um fast ein Drittel unter dem Friedensniveau, während im Westen die ehemaligen Friedenserträge überschritten wurden. Statt der erwarteten 7 Mill. t betrug die Getreideernte in der Sowjetzone nur 4,6 Mill. t.

Die russische Verwaltung jedoch kümmert sich weder um diese Tatsache, noch darum, daß der Produktionsaufwand der Landwirtschaft unveränderlich ist. Sie setzte das Ablieferungssoll auf 2,70 Mill. t fest, das heißt auf die gleiche Menge, die 1935/1938 abgeliefert wurde. Hierbei ließ sie unbeachtet, daß damals die Hälfte (1,31 Mill. t) von den Großbetrieben aufgebracht wurde, obgleich sie nur ein Viertel der Nutzfläche besaßen.

Für 1950 wird mit einer noch geringeren Getreideernte gerechnet. Auch von dieser Tatsache nahm die russische Verwaltung keine Notiz. Unbekümmert setzte sie das Soll, um ein Viertel, auf 3,37 Mill. t herauf, sie nannte das eine Heraufsetzung auf „Friedenserträge“. Wie mag sie zu dieser überraschenden Verfügung gekommen sein? Die Verteilung der Sollerhöhungen gibt den Schlüssel des Rätsels. Sie erfolgt nicht mechanisch auf die verschiedenen Betriebsgrößen, sie ist vielmehr stark gestaffelt.

Ablieferungssoll je ha Getreidefläche

Betriebsgröße 1949 1950

unter 10 ha 6,7 dz 6,9 da

10 bis 50 ha 10,9 „14,4 „