Rückblick auf mein Leben“, nennt Marie Baum, die Soziologin, ihre Lebenserinnerungen (sie sind bei P. H. Kerle in Heidelberg erschienen), in denen sie, ohne zu dozieren, in einem knappen Ton einen gültigen Überblick über die Geschichte der letzten fünfzig Jahre gibt.

In die letzte Blüte der bürgerlichen Kultur fiel ihre Kindheit. „Ich liebte diese Epoche, wie man den Herbst liebt – beides ist dem Untergang geweiht ..“ Das Elend der Armen und die Zurücksetzung der Frauen in der damaligen Zeit (sie selbst mußte noch nach Zürich fahren, um zu promovieren) – trieben sie zur Politik. Sie wird zu einer Sozialistin, der es nicht nur um äußere Organisation geht. Denn: Die Menschen werden immer einsamer, man müßte etwas finden, das sie alle bindet, ohne Rücksicht auf Nationalität oder Konfession vereint.

Viele ihrer Freunde wanderten in die Gaskammern des Dritten Reiches. Sie selbst stand auf der schwarzen Liste. Vorurteilslos findet sie verständnisvolle Worte für die Verblendung der Deutschen und für die Schwäche des Auslandes.

M. S.