Auf dem diesjährigen PEN-Kongreß (PEN steht für „Poeten, Essayisten und Novellisten“) in Edinburgh versuchte der amerikanische Autor Robert E. Sherwood in seiner Eröffnungsansprache die Relation zwischen der geistigen und der politischen Situation unserer Tage herzustellen. Der ernsthafe Dramatiker könne in dieser instabilen Zeit nicht blühen sagte er, aber diese Situation sei unnötig und sinnlos, und diejenigen, die für sie verantwortlich seien gingen unverneinlich dem Selbstmord entgegen, wie er das Schicksal Hitlers gewesen sei. Vor fünf Jahren, so fuhr Sherwood fort, habe die Sowjetunion die verdiente Freundschaft der zivilisierten Welt besessen, und sie hätte die Hilfe dieser Welt erlangt, wenn sie die Freundschaft auch gepflegt hätte. Sherwood hatte seinen Satz noch nicht beendet, als eine große Unruhe entstand, die sich zu einer Art Skandal entwickelte. Der Vorsitzende Archie Lamont, Geologe und Schriftsteller, rief ihm mit Schärfe zu, daß er hier über Literatur und nicht über Politik zu sprechen habe, der schottische Schriftsteller Hugh Mc Diarmid verließ demonstrativ und geräuschvoll den Saal. Herr Sherwood, der nichts weniger als Antibolschewist ist und erst vor kurzem sein Buch „Hopkins und Roosevelt“ (seit März 1950 deutsch bei Stalling) herausgebracht hat, um die sowjetfreundliche Politik Roosevelts und Hopkins zu rechtfertigen und zu beschönigen, wird sich wahrscheinlich über die sture Haltung der Anhänger seines guten alten Uncle Joe Stalin sehr gewundert haben. Andere Leute werden sich fragen, welchen Weg der PEN-Club eigentlich geht. Ist für seine Prominenten der rote Faschismus weniger freiheitsfeindlich als der braune?

W. F.