„Die Öffentlichkeit vermißt ein konsequentes Vorgehen der Versicherungsgesellschaften gegen vielfach erhobene Vorwürfe und Angriffe“ – so hieß es kürzlich in einer Verlautbarung des „Deutschen Versicherungsschutzverbandes“, der in diesem Zusammenhang neben einer besseren Pflege der Public Relations, eine verstärkte Publizität seitens der Versicherungsunternehmen speziell auf dem Bilanzgebiet forderte. Die Aufgabe aller Beteiligten sei es, das „allgemeine Mißtrauen“ abzubauen, das die Beziehungen zwischen dem – heute mehr denn je – auf Versicherungsschutz angewiesenen „Publikum“ (zu dem also in diesem Sinne auch die wirtschaftlichen Unternehmen gehören) und ihren Versicherungsgesellschaften ten belaste. – Die Redaktion der „Zeit“ ist, diese Anregung aufnehmend, an de Verbände der Versicherungswirtschaft mit der Einladung herangetreten, ihn Sorgen und Wünsche hier freimütig darzustellen. Die Diskussion zwischen Versicherern und Versicherten, die damit begonnen wird, leitet ein Aufsatz vor Generaldirektor Dr. Harald Mandt (Hamburg) ein, während sich Dr. Faulhaber (Düsseldorf) als Vertreter der „anderen Seite“ zu der jetzt besonders aktuelen Frage der Prämienerhöhung in der Kraftfahrzeugversicherung äußert. Weitere Beiträge aus den einzelnen Versicherungssparten werden in Kürze folgen, wobei auch der Standpunkt der Gruppe Haftpflicht-, Unfall- und Kraftfahrzeug-Versicherung zur Prämienfrage noch gesondert dargelegt werden soll

Die Pflege der Public Relations, die ein Wirtschaftszweig betreibt, ist gleichbedeutend mit dem Ringen um das Vertrauen und das Verständnis der Kunden und der öffentlichen Meinung überhaupt. Wenn man von den abfälligen Betrachtungen (und von den Leserstimmen zu diesen Betrachtungen) ausgeht, de in den letzten Monaten in bebilderten und unbebilderten Presseorganen speziell über die Bauten der Versicherungsunternehmen veröffentlicht wurden, erhält man den Eindruck, daß zum mindesten das Verständnis für die Belange und Probleme der Versicherungswirtschaft, insbesondere der Lebensversicherung, in weiten Kreisen durchaus einer Förderung und Vertiefung bedarf.

Daß in den Reihen der Alt-Versicherten in der Lebensversicherung tiefe Enttäuschung herrscht, ist völlig verständlich und berechtigt. Sie wenden sich aber mit ihren Vorwürfen in den meisten Fällen in die falsche Adresse und gehen von fundamental falschen Voraussetzungen aus. Dieselben Trugschlüsse unterlaufen in vielen Fällen auch den Blättern, die sich mit dieser Frage befassen. Die wesentlichen Trugschlüsse sind die folgenden:

Erstens heißt es: „Die Versicherungsunternehmungen errichten ihre Verwaltungsgebäude aus Überschüssen. Wenn die Überschüsse nicht für diese Bauten verwendet würden, könnten sie zur Aufbesserung der abgewerteten Lebensverversicherungssummen und der abgewerteten Renten verwendet werden“

Und zweitens: „Die Versicherungsunternehmungen haben ihre Leistungen abgewertet. Sie berücksichtigen dabei nicht die Möglichkeit, die Sachwerte, die ihnen durch den geretteten Grundbesitz erhalten geblieben sind, und de durch neue Bauten erhöht wurden, zu einer Aufbesserung der abgewerteten Lebensversicherungen zu verwerten.“

Wie steht es nun in Wirklichkeit? Beginnen wir mit Punkt zwei: Nicht die Lebensversicherer haben ihre Leistungen abgewertet und können nun, je nach Belieben, einige Prozent der ursprünglichen Versicherungssumme mehr oder weniger an ihre Alt-Versicherten zahlen, wenn die Versicherungen fällig werden. Was die Lebensversicherer zu leisten haben, ist durch das Währungsreformgeretz (sowie seine Durchführungsverordnungen und die ergänzenden Verordnungen) lückenlos und mit bindender Wirkung bestimmt. Die Abwertung der Leistungen aus den in der Reichsmarkzeit abgeschlossenen Lebensversicherungen ist ehe Folge der durch die Währungsreform bewirkten Abwertung der Vermögensanlagen der Unternehmungen. So sind die Reichsanleihen und einige verwandte Anleihen, in denen die Lebens Versicherer einen bestimmten festen Prozentsatz ihrer Anlagen anzulegen gezwungen waren, völlig annulliert worden. Hypotheken wurden auf 10 v. H. abgewertet, ebenso Pfandbriefe und Industrieobligationen die in ihren Börsenkursen heute noch unter 10 v. H. stehen. Bankguthaben wurden auf 6,5 v. H. abgewertet. Der Hausbesitz der Versicherungsunternehmungen, der, jedenfalls in der Lebensversicherung, im Durchschnitt 10 v. H. der Vemögensanlagen nicht erreichte, wurde während des Krieges durch völlige Zerstörung oder schwere Beschädigungen geschmälert. Industrieaktien, also Aktien, die einen Sachwert repräsentieren, spielten in dem Vermögensbestand der Lebensversicherer eine ganz untergeordnete Rolle, da sie im Regelfall als Anlagewerte nicht zugelassen waren.

Bei dieser Sachlage ist es nicht verwunderlich, daß alle Lebensversicherungsunternehmungen gegenüber den ihnen nach der Währungsreform verbleibenden Verpflichtungen aus den Reichsmarkverträgen ganz erhebliche Bilanzlücken aufzuweisen hatten. Das heißt also, der Rest ihrer Vermögenswerte genügte nicht, ihre Verbindlichkeiten zu decken. Es ergab sich daher die Notwendigkeit, daß der Staat die Bilanzlücken, für deren Entstehung er verantwortlich war, deckte. Das geschah in der Form, daß die Länder den in ihren Gebieten ansässigen