Die neue Devisenregelung in Argentinien sieht "nur" noch drei Peso-Kurse vor: den freien Kurs, den Grundkurs für die Ausfuhr und einen Vorzugskurs im Außenhandel, der unter bestimmten Voraussetzungen gewährt wird. Das ist weniger – äußerlich – eine Abwertung als eine "Umwertung", eine Lockerung der Zwangswirtschaft auf dem Devisengebiet. Der neue freie Kurs von 14,25 Pesos für den US-Dollar erscheint zwar gegenüber dem bisherigen Dollarkurs von 9 Peso als eine wesentliche Verschlechterung, aber der bisherige sogenannte "freie Kurs" war eben auch nur ein Zwangskurs, der nur mit Hilfe von Polizeirazzien aufrechterhalten werden konnte; denn bereits im Dezember 1949 wurden an der schwarzen Börse in Buenos Aires die Dollarnoten mit 14 bis 15 Pesos gehandelt.

Argentinien hatte versucht, mit Hilfe dieser Devisenzwangswirtschaft einen innerpolitischen Druck auf die Preise auszuüben. Das mußte daran scheitern, daß gleichzeitig die Löhne – wieder aus innerpolitischen Rücksichten – laufend erhöht wurden. Die "neue" Abwertung, also richtiger: das Eingeständnis der tatsächlichen Peso-Bewertung, wird die Fleischverhandlungen mit England wesentlich erleichtern, da bisher die Fleischerzeuger und die Fleischverarbeiter, insbesondere die großen Gefrieranstalten, mit dem Peso-Betrag nicht auskamen, den sie aus den Erlösen ihrer Lieferungen nach England in Pfund Sterling erhielten. Daher waren die Fleischlieferungen nach dem 1. Juli vorübergehend ganz eingestellt worden.

Für den deutschen Außenhandel kann es nur vorteilhaft sein, wenn der Devisenwirrwarr wenigstens einigermaßen geklärt wird. Der Ausfuhrvorzugskurs von 7,5 Pesos für einen Dollar wird auf den Gebieten in Kraft treten, in denen Argentinien seiner Landwirtschaft keine Sondersteuer auferlegen kann. Zu diesem Kurs soll dann die Einfuhr durchweg verrechnet werden. Das bedeutet aller Voraussicht nach eine Verteuerung der bisherigen Preise für eingeführte Lebens- und Genußmittel. Fraglich bleibt, wieweit der Devisengrundkurs von 5 Pesos je Dollar noch in der Praxis verwandt werden kann. Eine Möglichkeit, argentinische Waren auf dem Weltmarkt zu diesem Kurs abzusetzen, besteht kaum noch. Ebensowenig wird es möglich sein, Kredite vom Ausland zu erhalten, wenn der Umtauschkurs derartig ungünstig ist. Es ist anzunehmen, daß hier nur ein Schein aufrechterhalten wird, um der öffentlichen Meinung das Zugeständnis der tatsächlichen Abwertung nach und nach schmackhaft zu machen. E.S.