Siam (Thailand) ist bewohnt von einem arbeitsamen, immer fröhlichen Volke von hoher Kultur. Einen einprägsamen (Begriff von seiner Denkungsart erhielt ich durch die Lektüre eines Briefe, den der frühere König Chulalongkorn seinem Sohne, dem späteren König Maha Majirawudh zusandte, als dieser in Europa, studierte; ein Brief, der mir mehr sagte, als ein langer Aufenthalt hätte enthüllen können. Das Schreiben lautete:

"Wenn man die Kraft, sich vor anderen auszuzeichnen, nicht besitzt, ist es in einem fremden Lande besser, als einfacher Mensch aufzutreten. Ihr sollt nicht damit prahlen, daß ihr königliche Prinzen seid, noch sollen dies eure Begleiter tun. Die Kosten eurer Erziehung bezahle ich aus meinen Privatmitteln und nicht aus Staatsgeldern. Diese Anwendung von Geldern zu eurer Erziehung ist eine reiche Mitgift und von größtem Wert, die niemand euch rauben kann. Ihr müßt euch stets vergegenwärtigen, daß der Herrscher eures Vaterlandes nicht die Verpflichtung hat, euch einflußreiche Stellen zu übertragen, weil ihr königliche Prinzen seid. Da aber zu den hohen Staatsämtern besondere Fähigkeiten erforderlich sind, so habt ihr mit größtem Ernst und Hingebung eure Studien zu betreiben und euch hierdurch die Möglichkeit zu verschaffen, etwas Ordentliches für das Wohl eures Vaterlandes und der ganzen Menschheit, zu der ihr gehört, zu leisten. Wenn ihr annehmen wollest, ihr hättet als Prinzen nichts weiter zu tun, als das Leben zu genießen, so würdet ihr euch den Tieren gleichstellen, welche geboren werden, essen, schlafen und sterben! Bild" euch nicht ein, daß ihr andere schmähen und schlecht behandeln könnt, weil ihr meine Söhne seid und man euch nichts anhaben kann. Euer Vater will, daß seine Söhne nicht die Gewohnheit haben, sich widerspenstig zu zeigen, weil euch das nur schädlich sein würde. Ihr werdet bestraft werden? Die Tatsache, daß euer Vater ein König ist, wird euch nicht vor verdienter Strafe schützen. Mit euren Geldern müßt ihr sparsam umgehen. Ihr dürft nicht verschwenderisch und ausschweifend sein in dem Gedanken, ihr wäret reiche Prinzen und Königssöhne. Ich warne euch davor, mit Schulden heimzukommen, sie werden nicht ohne weiteres bezahlt werden, und ihr würdet der Strafe nicht entgehen. Denket daran, daß das Geld nicht so leicht erworben wie ausgegeben wird! Das Erziehungsgeld für euch ist ein Teil des Geldes eures Vaters, daß dieser als Entschädigung für seine Mühen in Wahrung der Wohlfahrt seiner Untertanen erhält. Dieses Geld soll nur zu nutzbringenden Zwecken verwendet werden ..."

Wie gesagt, sind das Worte aus einem Briefe eines Königs aus Siam, dem Staate, da hinten irgendwo in Hinterindien. Olav Sölmund