Was ist das ERP? – Um dies Europas Eingeborenen klarzumachen, werden von der Marshall-Plan-Verwaltung allmonatlich neiderregende Summen im Etat eben jenes Europäischen Wiederaufbau-Programms verbucht, vermutlich als "Werbungskosten". Bilderbücher für die Kleinen und Reime für die Größeren; Plakate, auf denen die Fahnen aller ERP-Staaten in sinniger Weise dargestellt sind, für die Passanten diesseits, und 100 000 Wasserstoff gefüllte Ballons für die Passanten jenseits des Eisernen Vorhangs –: das sind die wahrlich dürftigen Waffen dieses Feldzugs. Weder farbenprächtige Anschläge noch Kinderluftballons en gros sieht man in Europa als untrügliches Zeichen für den wirtschaftlichen Wiederaufstieg an. So müßte man denn nicht nur die Originalität, sondern auch den Erfolg dieser kostspieligen Werbung schon heute gleich null setzen, wenn man nicht doch noch auf Länder stieße, die andere Wege gingen. In Österreich beispielsweise, trifft man – und die Ränder der westlichen Zufahrtwege nach Wien sind sogar damit nahezu gepflastert – an Industriewerken und Baustellen auf nüchterne, auffallende Schilder: "Dieser Bau wird mit Hilfe von ERP-Mitteln durchgeführt." Und dies, so will uns scheinen, ist mehr als Anschauungsunterricht, ist wirklich gute Marshall-Plan-Reklame. Man sollte darum nicht zögern, auch in der Bundesrepublik überall dort, wo ERP-Mittel arbeiten, solche Hinweise zu errichten. Neubauten überzeugen den gegen jede Propaganda skeptisch gewordenen Europäer nun einmal mehr als alle beklebten Litfaßsäulen. C. J.