Aus Kreisen der Transport-Versicherer ist uns die folgende Stellungnahme zugegangen:

Die deutsche Transportversicherung sah sich nach Kriegsende besonderen Schwierigkeiten gegenüber. Es war nicht nur das gesamte Auslandsgeschäft, sondem auch auf dem Binnenmarkt das unter russischem Einfluß stehende Ostgebiet als Betätigungsfeld verlorengegangen. Darüber hinaus war ihr durch den fast vollständigen Verlust der deutschen Flotte ebenfalls ein sehr erheblicher Teil der Versicherungsobjekte genommen. Schließlich wurde die deutsche Transportversicherung sehr hart durch das Kontrollratsgesetz Nr. 47 betroffen, weil durch die Auslegung, die dieses Gesetz erhielt, ihr nicht nur die direkte Betätigung im Auslande untersagt wurde, sondern auch ihr ureigenstes Feld, nämlich die versicherungsmäßige Deckung des deutschen Ex- und Imports, ihr zunächst vorenthalten war. Dieser Eingriff in das deutsche Transportversicherungs-Geschäft wurde durch die Lockerungen, die die Bestimmungen des Kontrollratsgesetzes Nr. 47 im Laufe des Jahres 1949 durch zusätzliche Gesetze der Militärregierungen erhielten, weitgehend beseitigt, so daß die Transportversicherer wieder die deutschen Ex- und Importe versicherungsmäßig erfassen können. Auch auf dem Gebietender See-Kaskoversicherung hat sich durch die Erweiterung der deutschen Flotte eine Wandlung zugunsten der Transportversicherer vollzogen, insbesondere dadurch, daß neben dem Ankauf alter Schiffe auch eine ganze Anzahl von Neubauten in den Dienst gestellt wurden.

Auf dem Gebiete der Rückversicherung erfolgte 1949 ebenfalls eine Lockerung der Verbotsbestimmungen des Gesetzes Nr. 47, die allerdings insofern die deutschen Wünsche nicht vollständig erfüllen kann, als bestimmt ist, daß nicht mehr Rück Versicherungsprämie aus dem Ausland hereingenommen werden darf, als an das Ausland abgegeben wird. Da diese Bestimmung es gerade den reinen RückVersicherungsgesellschaften unmöglich macht, in der früher gewohnten Weise Rückversicherungsverträge abzuschließen und damit für die deutsche Wirtschaft Devisen zu verdienen, ist zu hoffen, daß diese Beschränkung ebenfalls in Kürze aufgehoben wird. Die Beseitigung der einengenden Bestimmungen ist um so mehr erforderlich, als Deutschland im Sinne der allgemeinen Liberalisierungsbestrebungen des Handels auch auf dem Gebiete des Veisicherungswesens erheblich vorgeleistet hat, indem eine große Anzahl ausländischer Gesellschaften auf dem Gebiete der Transportversicherung im deutschen Markt wieder zugelassen wurde, eine Maßnahme, die auf die Dauer nicht gut einseitig fortgesetzt werden kann, wenn den deutschen Gesellschaften nicht die gleichen Möglichkeiten einer Auslandsbetätigung geboten werden. Hierbei ist zu berücksichtigen, daß selbst eine theoretische Gleichberechtigung die deutschen Versicherer immer noch in einer schwächeren Position zurückläßt, weil der Wiederaufbau eines Direktgeschäfts im Ausland den Aufwand erheblicher Mittel voraussetzt, deren Beschaffung devisenmäßig schwierig ist.

Der neue Start der Transportversicherer könnte erleichtert werden, wenn eine organische Zusammenarbeit aller beteiligten Wirtschaftskreise gelänge. So könnte beispielsweise der deutsche Einfuhrhandel die Importe auf dem deutschen Markt versichern lassen, also durch Abschluß unter der "c 81 f" – oder der "fob"-Klausel die Transportversicherer unterstützen. So würden einmal Devisen gespart. Und zum anderen könnte der Importeur auf diese Weise die komplizierten Versicherungsverträge auf Grund der ihm bekannten hiesigen Marktverhältnisse regeln. Außerdem sind die deutschen Transportversicherer auch stark genug, alle an sie herangetragenen Risiken des Ex- und Imports mühelos zu decken. Also lautet die Bitte: Importiert nicht "cif". W. M.