Nach einem vorübergehenden Nachlassen der Flut von Ausstellungen und Messen, die seit Kriegsende über Westdeutschland hinwegzog, sprießen allerorts wieder Jubiläumsausstellungen, Sonderschauen, Spezialmessen mit und ohne Protektorat von Ministerpräsidenten, mit und ohne Ministerreden, nicht immer mit wirklich guten und wichtigen Ausstellungsobjekten hervor. Die Klagen aus Industrie und Handel hierüber sind bekannt. Eine Messe- und Ausstellungszersplitterung führt eine Verflachung des Gebotenen und eine Erhöhung der Kosten herbei. Es ist daher sehr zu begrüßen, daß unter Führung von Köln zu einer Rationalisierung im Messewesen aufgerufen wird und daß nun endlich über sehr vernünftige Vorschläge des Messebeirats der deutschen Wirtschaft im Bundeswirtschaftsministerium dieser Tage verhandelt werden soll.

In Erhards Ministerium dürfte offiziell wenig Neigung zu verspüren sein, eine Konzentration und Rationalisierung im Messewirrwarr durch Gesetz oder Verordnung herbeizuführen. Aber mit oder ohne Bonner Segen, so meinen wir, sollte sich die nun seit einigen Monaten durch eine gute Spitzenorganisation zusammengefaßte deutsche Industrie intern über Grundfragen der Messe- und Ausstellungspolitik einigen. Der Wunsch ist, daß künftig – "selbstverständlich mit Ausnahme von Leipzig" – nur noch die Städte Frankfurt, Hannover und Köln das Prädikat Messestadt führen dürfen, daß sich hier das deutsche Messebedürfnis in harmonischer Weiterentwicklung der letztjährigen Erfolge und Erfahrungen konzentrieren sollte.

Messefachleute meinen, daß die In- und Auslandswerbung unter einer einheitlichen Parole wie z. B.: "Besucht die deutschen Messen 1951" Stehen müßte und daß diese deutschen Messen eben Frankfurt, Köln und Hannover seien. Eine derartige Zusammenfassung soll aber nicht etwa Ausstellungen oder besondere Spezialmessen wie die Nürnberger Spielzeugmesse ausschließen. Die Begriffsbestimmung müßte nur klar umrissen sein, und zwar in dem Sinne, daß Messen ausschließlich als Markt zwischen Fabrikant und Handel anzusehen sind, Sehpublikum daher keinen Zutritt hat, daß hier nur Geschäftsleute und Vertreter Zugang finden, während Klein- und Großveranstaltungen wie Automobilausstellung, Funkausstellung und Gastwirtsschau praktisch die großen Publikumsmessen wären.

Dieser Argumentation der Industrie sollte auch von Bonn beigepflichtet werden. Messen müssen der wichtigste und umfangreichste Markt zwischen Erzeugung und Handel sein und bleiben. Der Kölner Vorstoß ist in Hannover und auch in Frankfurt begrüßt worden.

Maschinenbau, Textil und Porzellan haben in Hannover bereits ihre Tradition; Schuhe, Möbel, Textil und Hausrat in Köln. Und Frankfurt gruppiert sich zwischen beiden ergänzend ein. Die Wirtschaft sollte aber bei ihren Überlegungen nicht übersehen, daß Berlin als große und anziehende Ausstellungsstadt mit dem hervorragenden Gelände um den Funkturm jährlich mehrmals aus wirtschaftlichen und politischen Gründen berücksichtigt werden muß. Rlt,