Der folgende Beitrag wurde uns freundlicherweise von Dr. Erich R. Prölss, Vorstandsmitglied der Bayerischen Rückversicherung AG., München, zur Verfügung gestellt.

Bis vor kurzem bestand das "lebende Geschäft", der deutschen Rückversicherer nur aus – deutschen Wagnissen; ihr einstmals bedeutendes Auslandsgeschäft wurde nur noch abgewickelt, da die Verträge in den letzten Phasen Krieges oder bald darauf von den Partnern gekündigt worden waren oder wegen des Verbotes des deutschen Auslandsgeschäftes durch das Kontrollratsgesetz Nr. 47 von den deutschen Gesellschaften beendet werden mußten. Da die Absperrung vom Ausland auch die deutschen Erstversicherer hinderte, dort Rückdeckung zu suchen, mußten die deutschen Rückversicherer, um eine Katastrophe für den deutschen Versicherungsmarkt zu vermeiden, einspringen, wodurch sich gerade das schwere, zumeist untertarifierte Geschäft, zum Beispiel das industrielle Feuer-Geschäft, bei ihnen zusammenballte. Es war aber klar, daß dies zu Verlusten führen mußte, zumal da wegen der Verstaatlichung des Versicherungswesens in der Ostzone selbst der bescheidene territoriale Ausgleich innerhalb Deutschlands zum größten Teil wegfiel, und daß der internationale Ausgleich auf die Dauer – vor allem nach der Währungsreform – nicht ohne schwersten Schaden entbehrt werden konnte. Die Explosionskatastrophe von Ludwigshafen, die einen Aufwand von 12,5 Mill. DM erforderte, war ein Warnungszeichen, das selbst die Besatzungsmächte nicht übersehen konnten.

Mitte vorigen Jahres ist das Kontrollratsgesetz Nr. 47 eingeschränkt worden; seitdem ist der deutschen Rückversicherung wieder erlaubt, international zu arbeiten (während der deutschen Erstversicherung als einzigem deutschen Gewerbe die eigentliche Auslandstätigkeit nach wie vor verwehrt ist). Beschränkungen bestehen, seit schließlich auch Frankreich die gegen die deutsche Rückversicherung gerichteten Spezialgesetze vor einigen Wochen aufgehoben hat, nur noch insoweit, als ausländische Aufsichts- und Devisengesetze sie vorsehen.

Die deutschen Erstversicherer haben Teile ihres Rückversicherungsalimentes wieder alten Geschäftsfreunden im Ausland (vor allem in der Schweiz, in England und in Skandinavien) zugeführt und damit die deutschen Rückversicherer entlastet. Diese haben wieder die Möglichkeit, in das Ausland zu retrozedieren; sie haben nicht wenige ihrer zum Teil viele Jahrzehnte alten Beziehungen zu ausländischen Versicherern erneuert, und es fließt ihnen jetzt ausländisches Geschäft (vorerst meist aus Europa) zu, so daß der internationale Ausgleich sich in ihrem Bestand auszuwirken beginnt (ohne daß – bei der allgemein stark verringerten Gewinnmarge des technischen Geschäftes und den durch die Währungsreform stark beschnittenen Einkünften aus Vermögensanlagen – für die nächste Zukunft mit mehr als bescheidenen Gewinnen gerechnet werden dürfte).

Das Devisen- und Transferproblem, das Problem Nr. 1 der internationalen Rückversicherung, ist folgendermaßen gelöst worden: Die ausländischen Rückversicherer können entsprechend der bis 1945 geltenden Regelung in Deutschland DM-Inlandskonten für Rückversicherungszahlungen eröffnen und mittels dieser Konten Zahlungen aus dem DM-Geschäft empfangen und leisten; Gewinne werden in beschränktem Umfang (höchstens 3 v. H. der Jahresprämie) und in ihrer Landeswährung transferiert; in besonderen Fällen ist voller Transfer der Rückversicherungsprämie in Valuta vorgesehen. Die deutschen Rückversicherer müssen die ihnen zustehenden Salden in Devisen von ihren ausländischen Partnern an die Bank deutscher Länder überweisen lassen und erhalten den Gegenwert in DM; Zahlungen in Devisen leistet für sie die Bank deutscher Länder und belastet sie mit dem DM-Gegenwert. Es darf festgestellt werden, daß das Verfahren – das ungefähr dem von England (außer im Verhältnis zu den USA) angewandten System entspricht –, befriedigend funktioniert, vor allem deshalb, weil die Überweisungen unabhängig von Zahlungs- und Verrechnungsabkommen durchgeführt werden: notfalls muß die Bank deutscher Länder Dollar zur Verfügung stellen.

Daß die deutschen Rückversicherer durch Abgabe deutschen Geschäftes an das Ausland und durch Übernahme ausländischen Geschäftes ihre Portefeuilles stabilisieren können, ist ein großer Fortschritt gegenüber der durch das Kontrollratsgesetz Nr. 47 verhängten "Autarkie", die die deutschen Rückversicherer zwang, immer wieder gegen Grundregeln der Rückversicherungstechnik zu verstoßen. Aber dabei müssen wir uns auf längere Zeit bescheiden; wir können nicht damit rechnen, daß die deutsche Rückversicherung bald, wieder eine so bedeutende Roll; auf dem Weltversicherungsmarkt spielen und durch Devisenüberschüsse so viel zur deutschen Zahlungsbilanz beitragen kann wie früher, sondern müssen uns zunächst mit der platonischen Feststellung begnügen, daß die von deutscher. Gesellschaften entwickelte Rückversicherungstechnik auch heute noch die internationale Rückversicherung beherrscht, wenn man von einigen Besonderheiten – vor allem des Londoner Marlies – absieht.

Mißgebend für die eben skizzierte Situation sind u. a. folgende Gründe: