Als Remarque "Im Westen nichts Neues" schrieb, war ein Weltkrieg zu Ende, der gegenüber dem folgenden – so scheint es uns heute – beinah noch partiell genannt werden konnte. Dementsprechend war, wovon Remarque handelte, nur ein Teilproblem des Krieges –: seine Schockwirkung nämlich auf die Generation der Zwanzigjährigen. Die nackte Schilderung des rauhen Handwerks erschreckte die nationalen Ästheten, ein Umstand, den heute die Autoren auch noch einkalkulieren, wollen sie nicht Furore machen (Malaparte hat es aber gewollt). Realistik allein jedoch reicht nun, nachdem der Moloch auch in entlegenen Winkeln gelauert hat, nicht mehr aus, um ihn in epischer Breite zu erfassen. Die Autoren des zweiten Weltkrieges beschreiben nicht nur real, sie beschreiben auch ideologisch. So sind denn bei der Vielzahl der Ideen, die der letzte Krieg geboren hat, auch der Wegweiser viele, die durch sein Labyrinth führen sollen.

Der Ariadnefaden, den Stefan Heym für diesen Weg geknüpft hat, scheint uns aber allzu kurz und straff zu sein. Ihm fehlt der Mut des Zynikers Malaparte ebenso wie die schwermütige Klarheit des jungen Norman Mailer, dessen "Nackte und Tote" monatelang in Deutschland zu den Bestsellern gehört hat. Mag im ersten Drittel des Bitteren Lorbeer (erschienen im Paul List Verlag, München) auch die Freimütigkeit bestechen, mit der die Männer einer amerikanischen Einheit für Feindabwehr die Invasion in der Normandie erleben, so muß der Leser – und nicht nur der deutsche – die Einseitigkeit bedauern, die fortan das Buch beherrscht. Von diesem Vorwurf kann sich der Autor erst recht nicht dadurch reinigen, daß er betont, im wesentlichen seien die Vorgänge frei erfunden. So lobenswert auf alliierter Seite Licht und Schatten verteilt, die Charaktere konsequent durchdacht sind, ebenso einseitig unerfreulich agiert alles, was sich deutsch nennt. Bei den erzählerischen Qualitäten, die dem Autor reichlich zur Verfügung stehen, ist es besonders gefährlich, daß seine Einstellung zu Deutschland sich noch ausschließlich aus den Ressentiments der Kriegszeit nährt –: alle Deutschen sind Nazis und alle Nazis sind im Grunde schlechte Menschen. Diese Konzeption läßt heute, fünf Jahre nach Kriegsende, die demokratischen Erziehungsversuche, die Heym der Gedankenwelt seiner wärmsten Gestalten – Oberleutnant Yates, Sergeant Bing und Colonel DeWitt – unterschiebt, in süßlichem Licht erscheinen. Der für die breite Anlage des Buches reichlich billige und allzu leichtfertig herbeigeführte Schluß verstärkt diesen Eindruck nur noch (nachdem der böse Nazi Pettinger vernichtet ist, wird im Landsitz eines Industriellen ein Heim für KZ-Häftlinge eingerichtet).

Da "Der bittere Lorbeer" gottlob nicht mehr als authentisch für die Stimmung jenseits des Atlantiks zu gelten hat, bleibt er ein interessantes Zeugnis einer hoffentlich überlebten Psychose. Norman Mailer jedenfalls hat es besser verstanden, dem audiatur et altera pars zu huldigen. Läßt er doch den japanischen neben dem amerikanischen Soldaten gelten. schl.