Unser Unternehmen", so heißt es in einem Buch über die Geschichte der Farbenfabriken Bayer, "ist keine Sache der Direktoren oder der Eigentümer, sondern es ist eine große Gemeinschaft von Kaufleuten, Technikern und Arbeitern und gehört zu unserer Stadt, wie die Stadt zu uns gehört." So geschrieben im Jahre 1904 ...

Uns scheint, daß kaum etwas anderes aus der Werksgeschichte die Einstellung der "Manager" dieser Großunternehmung, die eines der Kernwerke des alten I. G.-Farben-Konzerns war, treffender charakterisieren kann, als diese Worte aus den ersten Vorstandsjahren von Carl Dulsberg, dessen Lebensgeschichte mit mehr als vier Jahrzehnten der Bayer-Historie parallel läuft.

Der gleiche soziale Geist wirkt noch heute bei den 18 000 Menschen des Leverkusener Werkes. Er wird gepflegt von kundiger Hand und von einem klaren Herzen geführt.

Viele hundert Jubilare mit über 25jähriger Werkszugehörigkeit stehen dort heute an den Maschinen oder arbeiten in den Büros. Richtige "Bayer-Familien" und im Betrieb verwurzelte Arbeiter-Dynastien zählt die Gemeinschaft. Wir sprachen einen Goldjubilar, der mit 14 Jahren in das Werk trat: "Der Vater war auch schon da", erzählte er voller Stolz, "nach 47 Dienstjahren wurde der alte Herr pensioniert. Ich habe 50 herum. Mein Onkel war Meister in der A-Fabrik, mein Bruder in der Schlosserei; eine Kusine ist Meisterin in der Pharma, eine zweite Meisterin in der Foto-Fabrik; ein Vetter war Meister in der A-Fabrik, und ein Neffe von mir ist in der Spedition."

Umfangreich und vielgestaltig ist die soziale und kulturelle Betreuung, ist der Sport und die ärztliche Fürsorge. Eine eigene Warenhausgruppe mit Filialbetrieben wirkt in der Stadt Leverkusen als Preisregulator für die Belegschaft, für Ihre Familien und für die gesamte Bevölkerung des Ortes. Bei einem derzeitigen Durchschnittsmonatslohn von 300–310 DM werden vom Werk noch rd. 33 v. H. dieser Summe zusätzlich an freiwilligen oder gesetzlichen sozialen Leistungen pro Kopf aufgebracht und in mannigfacher Form geboten – nicht eingerechnet die erheblichen Aufwendungen für den werkseigenen Wohnungsbau.

Seit 1945 wurden allein für Wohnungen (Neubau und Reparaturen) 18,27 Mill. RM/DM aufgewandt, davon rd. 1,5 Mill. in 1949; im Jahre 1950 werden es weitere 10 Mill. sein. 30 v. H. der Belegschaft, also etwa 6000 Betriebsangehörige, sind wieder in werkseigenen Wohnungen untergebracht. Für sie werden im Jahr rund 1 Mill. DM an Mietzuschüssen gezahlt.

Daß eigene Ärzte, Schwestern, eigene Ambulanz und ähnliches mehr vorhanden sind, versteht sich hier von selbst. Im Westerwald liegt ein Erholungsheim, in dem die Werksangehörigen für 1,50 DM täglich in voller Pension und Betreuung ihre Urlaubszeit verbringen können. Die Sozial- und Pensions-Fonds arbeiten wieder; 110 bis 115 DM betragen die Renten schon nach zehnjähriger Werkszugehörigkeit.