Köln hat bei seiner Ansiedlungspolitik vor allem das Ziel verfolgt, die Wirtschaft so krisenfest wie möglich zu machen, also eine möglichst weitgehende Branchenstreuung zu fördern. Freilich heißt das nicht, daß Unternehmen, die sich nicht nach diesen Gesichtspunkten einordnen ließen, zurückgewiesen wurden. Auch ihnep wurde, soweit die Möglichkeit dazu bestand, geholfen, zumal es sich in vielen Fällen um Ostbetriebe handelte, die einen Anspruch auf Hilfe hatten – selbst wenn sie in diesem oder jenem Falle von ihren Konkurrenten nicht gern gesehen wurden.

Allerdings haben sich dennoch ganz deutlich hinsichtlich der Branchen Schwerpunkte herausgebildet, was insbesondere darauf zurückzuführen ist, daß diese Wirtschaftszweige in Köln schon eine Heimat hatten. Dies gilt insbesondere von der Versicherungswirtschaft. Es haben nach dem Kriege 16 Versicherungsunternehmungen ihren Sitz nach hier verlegt oder – soweit es sich um Gesellschaften aus Berlin handelte – ihren zweiten Hauptsitz in Köln gegründet, so speziell die Nordsterngruppe und die Agrippina-Lebensversicherungs-Gesellschaft. Weiterhin dominieren hier, um nur einige zu nennen, die Westzonenverwaltung der Volkshilfe Lebensversicherung AG., die Zonenhauptverwaltung der Deutschen Krankenversicherung AG., die Gothaer Feuerversicherungs-Gesellschaft, die Schlesische Feuerversicherungs-Gesellschaft, die Rückversicherung Silesia, die Friedrich-Wilhelm-Lebensversicherung AG., die Magdeburger Lebensversicherungs-Gesellschaft, die Rothenburger Lebensversicherungs AG.

Wer durch die Straßen der Stadt geht, wird leicht feststellen können, welchen Beitrag die Banken und Versicherungen zu dem Aufbau leisten. Dann wird man ermessen, was es bedeutet, diese Zusammenfassung des Banken- und Versicherungswesens am Ort zu haben, ganz abgesehen von den sonstigen Auswirkungen, die damit verbunden sind, daß Köln erster Finanzplatz des Westens ist.

Eine wesentliche Bereicherung hat ferner das Buch- und Verlagswesen in Köln dadurch erfahren, daß zentrale Lehrinstitute, wie die Westdeutsche Buchhändlerschule und das Bibliothekarinstitut, hier ihren Sitz nahmen. Außerdem verlegten namhafte Verlage des Ostens ihre Verlagstätigkeit nach hier. Insbesondere sind zu nennen Eugen Diederichs, Bergwald, Gustav Kiepenheuer, Pantheon, Seemann, Beuth, nicht zuletzt auch der Jakob-Hegner-Verlag.

So kann Köln schon heute von sich behaupten, eine Zentrale des Buch- und Verlagswesens in Deutschland geworden zu sein. Die Früchte dieser Ansiedlung werden reifen, sobald die materiellen und geistigen Voraussetzungen wieder die Liebe zum guten. Buch schaffen, ohne die es nun einmal nicht geht.

Aus der Vielzahl von Produktionsbetrieben, die nach dem Kriege in Köln angesiedelt oder neu gegründet worden sind, seien, um eine langatmige Aufzählung zu vermeiden, nur genannt: Dr. Madaus, Heilmittelproduktion, früher Radebeul; Exakta, Büromaschinenfabrik (eine Gründung von Fachleuten und Mitarbeitern der in der Ostzone enteigneten Astra-Werke AG., Chemnitz, Spezialfabrik für Addier- und Buchungsmaschinen); Stettiner Oderwerke, früher Stettin; Kick-GmbH., ein Unternehmen der Krefft AG., Gevelsberg (produziert werden Elektrolytkondensatoren); Laue & Co., GmbH., Herstellung von Zink-Ätz- und Zink-Druckplatten; Hamann KG., Damenstrumpffabrik; C. u. A. Brenninkmeier GmbH, (diese bekannte Bekleidungsfirma hat sich entschlossen, den größten Teil ihrer früher in Berlin ansässigen Konfektionswerkstätten in das Kölner Geschäftshaus zu verlegen).

Entsprechend dem Charakter als Handelsstadt ist insbesondere die Zahl der Handelsbetriebe, die nach dem Kriege zugezogen sind, recht groß. Erwähnt seien vor allem: Arzneimittelkontor der Farbwerke Höchst (zur Versorgung des gesamten Rheinlandes mit ihren Standardpräparaten); Montan-Gesellschaft mbH. (auf dem Gebiete des Erz- und Metallhandels in Deutschland führend); Hageda AG. (Arzneimittelgroßhandel zur Versorgung der Apotheken).