ct. New York, im September

Sie wollen einen Mond bauen. Man hat sich ja an manches gewöhnt, aber dies takes the cake, wie man hierzulande sagt. Dabei ist es tatsächlich wahr.

Studien für den Bau eines künstlichen Planeten, der "zu strategischen Zwecken" die Erde umkreisen soll, wurden bereits vor einigen Jahren von Verteidigungsminister James Forrestal angeordnet. Es blieb bisher bei den Studien, weil man für die Verteidigung kein Geld ausgeben wollte. Heute, da ein umfangreiches Aufrüstungsprogramm im Rollen ist, scheint das Projekt durchaus akut geworden zu sein.

Der geplante künstliche Mond dürfte nach bisherigen Schätzungen etwa 250 Millionen Dollar kosten. Geschenkt, kann man da nur sagen. Das Ganze soll wie eine dreiteilige Rakete aussehen, deren kleinster Teil zum neuen Himmelskörper ernannt wird. Durch Antrieb von den beiden anderen Raketen soll er eine Geschwindigkeit von etwa 23 000 Stundenkilometern erreichen und sich mit diesen aus dem Gravitationsbereich der Erde herausbewegen. In etwa 450 Kilometer Entfernung von der Erdoberfläche soll der "Blitzmond" alsdann um die Erde kreisen – vorausgesetzt, daß er nicht wieder runterfällt. Das kann auch passieren, aber wir wollen uns nicht mit Kleinigkeiten aufhalten. Wenn alles klappt – so sagen sie – soll der synthetische Himmelskörper in 24 Stunden etwa 16 mal um die Erde zischen und dabei Gelegenheit haben, sich die Dame wirklich von allen Seiten anzusehen, da diese sich auf Grund ihrer Jahre ja langsamer bewegt.

Wozu das Ganze? Man will, auf diese Weise ein "wachsames Auge" auf die Welt richten. Alles, was der neue Mond auf seiner Rundreise durch Teleskope und andere Instrumente wahrnimmt, soll der Erde mittels Televison und ähnlicher Methoden zur Kenntnis gebracht werden. Man denkt da in erster Linie an genaues Material zum Kartenzeichnen. In Anbetracht der Tatsache, daß die Westmächte keine einzige genaue Karte der Sowjetunion besitzen, scheint die kleine Ausgabe von 250 Millionen Dollar durchaus angebracht. Ferner soll der Planet zur Lenkung interkontinentaler Ferngeschosse benutzt werden. Mir scheint, es wird in nächster Zeit reichlich viel in der Luft herumfliegen.

Es handelt sich hier tatsächlich um einen ganz ernsthaften Plan. So ernsthaft, daß sich die amerikanische Marine und Luftwaffe bereits darüber in die Haare gekriegt haben. Die Marine behauptet, der neue Mond werde im Raum und nicht in der Luft eingesetzt werden, und die Luftwaffe könne daher keine Sonderansprüche auf das Gerät geltend machen. Die Luftwaffe hingegen... aber das führt wirklich zu weit. Endresultat: jeder arbeitet für sich an dem neuen Projekt.

Und so wird es schließlich soweit kommen, daß der Präsident der Vereinigten Staaten darüber entscheidet, ob der Himmel einen neuen Mond bekommt oder nicht.

Ich weiß nicht, aber ich kann mich für die Idee nicht recht erwärmen. Kann man nicht lieber eine neue Erde machen – ich meine, wo wir schon mal dabei sind? Da können dann all die Leute hingehen, die immer Angst haben, daß ihnen einer was wegnimmt und zur Vorsicht erst mal selber nehmen. Von mir aus können sie auch ruhig hinterher sagen, sie hätten die neue Erde erfunden.