Frankfurt a. M., im September

In Frankfurt waren fast 2000 deutsche Ingenieure und Gäste aus England, Frankreich und der Schweiz zur 80. Hauptversammlung des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) zusammengetroffen. Zum dritten Male nach seiner Wiedererrichtung 1946 legte der VDI, der heute schon wieder über 15 000 Mitglieder zählt, Zeugnis ab: "Forschung, Gemeinschaftsarbeit und Verantwortung", so lautet sein Bekenntnis.

Rückblickend betrachtet, hat der VDI seit über 90 Jahren, als er von 23 jungen Ingenieuren in Alexisbad im Harz gegründet wurde, um durch gemeinsamen Erfahrungsaustausch und Zusammenarbeit technisches Wissen allgemein-nützlich zu verbreiten, diese Zielsetzung beibehalten. Aber heute, kurz nach einem Kriege, dessen Auswirkungen als Folgen einer gegen die Menschheit gerichteten Technik zu bezeichnen sind, ergibt sich für den Ingenieur, mehr denn je zuvor, der Zwang, sich mit dem geistigen Fundament seines Schaffens auseinanderzusetzen: Technik soll der Wohlfahrt der Menschen dienen, wie der Vorsitzende des VDI, Bluhm, Düsseldorf, sagte.

Betrachtet man die weitverzweigte Tätigkeit der Ingenieure, wie sie in den zahlreichen Fachvorträgen zum Ausdruck kam, so ist zu erkennen, daß die deutsche Forschungstechnik trotz der durch den Krieg hervorgerufenen Einschränkungen einen beachtlichen Stand einnimmt, der auch verspricht, künftig bedeutungsvoll zu sein. Dafür spricht die Ehrung einiger Ingenieure für ihre verdienstvolle Wirkung. Kommerzienrat Dr.-Ing. Paul Reusch, der der Gutehoffnungshütte zur Weltgeltung verhalf, erhielt die Grashof-Denkmünze, die bisher nur 37mal verliehen wurde. Ehrenmitglieder des VDI wurden Fabrikbesitzer Max Knövenagel, Hannover, der den Dampfkesselbau vorantrieb, und Generaldirektor Dr.-Ing. Karl Röttgen, Berlin, der Fortschritte im Maschinenbau und in der Elektroindustrie durchsetzte. Für verdienstvolle Forschungsarbeit und Förderung der technisch-wissenschaftlichen Gemeinschaftsarbeit verlieh der VDI den Herren Dr. Dr.-Ing. Heinrich Maurach, Frankfurt, und Fabrikant Gustav Windel, Bielefeld, das VDI-Ehrenzeichen. Den VDI-Ehrenring erhielten Ministerialdirektor Leo Brandt, Düsseldorf, Dr.-Ing. Otto Cordier, Köln, Dr.-Ing. Cornelius, Gustavsburg, und Direktor Erwin Menhofe, Augsburg. ge.