Köln, der Handelsplatz, hatte auch als Finanzplatz von jeher eine große Bedeutung. Diese Stellung hat sich die Stadt bis auf den heutigen Tagtrotz schwerer Schicksalsschläge, Hemmungen und Eingriffe zu erhalten gewußt. Bereits im 9. und 11. Jahrhundert sind von Köln aus Kreditgeschäfte mit der englischen Krone abgeschlossen und im 14. Jahrhundert Zinnbergwerke in England finanziert worden. Die „Kölnische Mark“ hat einmal eine bedeutende Rolle gespielt.

Der Blüte des Handels- und Finanzplatzes Köln im Mittelalter folgte dann zwar zunächst ein Niedergang, der aber im 18. Jahrhundert überwunden war. Gerade im Anfang des 18. Jahrhunderts setzten Neugründungen von Bankhäusern ein, die bald eine große Bedeutung gewannen. Immer waren es Männer besonderer Prägung, denen das Kölner Bankgewerbe den Aufschwung zu verdanken hatte. Es sei nur an die Camphausen, Herstatt, Oppenheim, Schaafhausen, Stein erinnert. Die vorherrschende Stellung der Kölner Privatbankgeschäfte wurde später allerdings durch ein allmähliches Aufblühen der nach 1848 neu entstandenen regionalen Aktienbanken überholt. Diese, an erster Stelle der A. Schaaffhausen’sche Bankverein, der aus dem alten. Privatbankhaus Abraham Schaafhausen entstanden war, dominierten um die Jahrhundertwende. In diese Zeit fällt nun auch die faszinierende Entwicklung der großen Berliner Zentralbanken, die damals einen starken Einfluß auf das gesamte deutsche Bankgewerbe gewannen. Die Initiative zur Gründung und zum Ausbau jener gewaltigen Bankunternehmungen ging aber – zu einem Teil wenigstens – indirekt auch von Köln aus. Gerade ein Mann wie Mevissen legte als leitende Persönlichkeit des A. Schaaffhausen‘schen Bankvereins eigentlich das Fundament des deutschen Kreditbankensystems. Mevissen war der Mitbegründer der Internationalen Bank in Luxemburg, ebenso, zusammen mit Oppenheim, der Gründer der Darmstädter Bank.

Nur wer einen näheren Einblick in die Dinge hatte, konnte auch später noch den großen Einfluß auf die Großbankfilialen feststellen, der aus der Tradition der altansässigen Privatbankhäuser und Regionalbanken erwachsen war. Die Bedeutung des Platzes Köln und seine große Tradition ließen es daher auch keineswegs zu dem oft befürchteten „Berliner Diktat“ kommen. Die Vitalität der Privatbankiers – in Köln sei nur an Oppenheim-Stein erinnert – trug jedenfalls viel dazu bei, daß auch die Leitungen der sehr kapitalkräftigen Großbanken sich nicht in einen „zentralgesteuerten“ Formalismus verloren und daß es dort, dank der gesunden „regionalen Opposition“, nie zu einem überspitzten Zentralismus kam. Für die besonderen westlichen Belange haben es die Großbankleitungen jedenfalls niemals an Verständnis fehlen lassen – zumal sie sich zu einem guten Teil auch aus Rheinländern zusammensetzten! Die weitgehenden Befugnisse der Kölner Filialdirektionen dürften hierfür der beste Beweis sein.

Neben den Kreditbanken spielen in der neueren Zeit auch die aus ihrem Mündelkleid herausgewachsenen neuzeitlichen Sparkassen eine große Rolle. Die beiden Kölner Sparkassen vereinigen bei sich allein 20 v. H. aller Spareinlagen des Landes Nordrhein-Westfalen.

Eine besondere Bedeutung gewann der Platz Köln noch dadurch, daß hier zwei bedeutende Hypothekenbanken gegründet wurden. Und am 1. Januar 1876 hatte die Reichsbank ihre Hauptstelle für die Rheinprovinz in Köln errichtet, die 1947 in eine Hauptstelle der Landeszentralbank von Nordrhein-Westfalen umgewandelt wurde.

Bis Ende 1934 hatte Köln, ebenso wie Düsseldorf und Essen, eine eigene Effektenbörse. Durch die Zusammenlegung dieser Börsen zur Rheinisch-Westfälischen Börse in Düsseldorf hat der Bankplatz Köln ohne Zweifel einen gewissen Prestigeverlust erfahren, der von Köln deswegen besonders schmerzlich empfunden wurde, weil die Umsätze aus dem Kölner Raum an der Spitze standen. Erfreulicherweise hatte der Effektenumsatz Kölns darunter nicht zu leiden. Als Rentenhandelsplatz teilte sich Köln mit Mannheim – bis zum Zusammenbruch des Kapitalmarktes für festverzinsliche Werte – in die unbestrittene Führung im Westen. In Verbindung mit dem Vorzug, den Köln als das neue „Gotha der Versicherungen genießt, steht es als Effektenhandelsplatz auch heute noch an erster Stelle.

Auch in dem kritischen Jahr 1945 bewiesen die Kölner Bankleitungen ihre enge Verbundenheit mit dem Platz: eine Haltung, die das Weiterbestehen der Kölner Bankhäuser gewährleistete. Heute zählt Köln wieder 22 Banken und Sparkassen mit 47 Depositenkassen und Zweigstellen.