Titelblatt: auf blauem Grunde schwarz-weiß ein lächelnder Mädchenkopf, blitzende Zähne, geklebte Wimpern. 30 Seiten Text und Bilder für 30 Pfennig, mit Schnittmusterbogen 50 Pfennig. Das ist "Die Frau von heute", Nummer 1 des 1. Jahrgangs, August 1950. Mode, Kochrezepte, einer Sparte "Unsere Filmlieblinge", kosmetische Spalte, Rätselecke, Roman, Humorteil ("Dein Verlobter ist aber schweigsam." – "Tut nichts! Es genügt, wenn er zu allem ja sagt.") Kurz: das Gewohnte. Weder die Redaktion (in Düsseldorf) noch der Verlag (in Wuppertal) haben sich sonderlich angestrengt. Trotzdem atmen, wie man auf Seite 2 staunend erfährt, überall in den westdeutschen Ländern die Frauen auf, daß sie endlich, endlich ihre Frauenzeitung haben. "... daß Du ab 1. August auch in Westdeutschland erscheinst..." schreibt eine zukünftige Leserin aus Hamburg-Ottensen. Auch in Westdeutschland? Also war bisher die "Frau von heute" nur in der Sowjetzone zu lesen? So ist es, und auf Seite 3 bringt dann auch keine Geringere als Hilde Benjamin, Vorsitzende der sowjetzonalen Schauprozesse, der "westdeutschen ‚Frau von heute‘" ihre Glückwünsche dar, und Elli Schmidt, die 1. Vorsitzende des Demokratischen Frauenbundes Deutschland (DFD), den manche Westdeutschen noch bis heute für einen wirklich demokratischen Frauenbund halten – Elli Schmidt also, die sowjetische Funktionärin, ist überzeugt, daß die in Westdeutschland neue Frauenzeitschrift "den Kampf für den Frieden unermüdlich führen" wird. Darum wird bereits auf Seite 4 die Forderung erhoben: "Hände weg von Korea!", und damit keine Leserin im Zweifel bleibe, wer seine Hände von Korea wegnehmen soll, schildert ein Kommentar, wie die "gewissenlosen Kriegstreiber" von Südkorea aus eine Invasion in das friedliche Nordkorea entfesselt haben. Auf der letzten Seite wird im Bilde gezeigt, wie Moskauer Schülerinnen in Shorts friedlich zum Tennisplatz gehen, während in Frankfurt am Main die "fortschrittlichen Frauen" kämpferisch gegen den "amerikanischen Krieg in Korea" demonstrieren. "Die Frau von heute ist im Bilde", heißt die Spitzmarke dieser Seite. Das dürfte ein wahres Wort sein. Wer dieses Blättchen durchsieht, ist im Bilde: es ist ein Ersatz für die verbotenen KP-Zeitungen. Gewiß nicht der einzige. Aber ein besonders plumper. C.

In Rimini entbrannten einst Francesca und Paolo in sündiger Liebe zueinander, wahrend sie in einem Buch lasen. "An diesem Tage lasen wir nicht weiter...", erzählt Francesca den Höllenwanderer Dante, an dem sie ruhelos vorüberfliegt. Die Unselige konnte nicht ahnen, daß sie eines Tages Schutzpatronin von Pin-up-girl werden würde, die im republikanischen Zeitalter als Königinnen nicht viel Konkurrenz zu fürchtet haben. Sie, die Schönheitsköniginnen der europäischen Länder, kamen dieser Tage in Francesca Stadt zusammen und bildeten kurz vor der Wahl der Allerschönsten einen monarchischen Sicherheitsrat, veranstalteten eine Vollversammlung und beugten einer schweren politischen Gefahr vor. "Sollte", so beschlossen sie auf Antrag der Königinnen von Frankreich, Belgien und Norwegen, "Miß Western Germany zur Mif Europa 1950 gewählt werden und es stellt sich später heraus, daß sie oder ihre Familie von der Bestimmungen des Internationalen Gerichtshöfe in Nürnberg betroffen ist, so wird die Entscheidung der Schönheitsrichter annulliert." Von der Sicherheitspolitik bis zur Sippenhaftung enthält dieser Beschluß den ganzen Extrakt der Deutschlandpolitik nach dem Kriege, und Miß Western Germany kann von Glück sagen, daß nicht auch noch ihre Demontage verfügt worden ist. Ein gründliches Studium der politischen Presse hat die Pin-up-girls weit über ihre Schutzpatronin hinauswachsen lassen. Doch auch sie verfielen in Francescas Fehler. An diesem Tage lasen sie nicht weiter... Sonst hätten sie herausgefunden, daß inzwischen das Thema der deutschen Wiederaufrüstung Mode geworden ist. E.