Als vor 100 Jahren Heinrich Auer in Köln sein heute für weite Gebiete in der Mehlversorgung "zuständiges" Mühlenunternehmen gründete und seine Söhne vor rund 40 Jahren im Kölner Industriehafen das mit modernsten Einrichtungen ausgestattete Mühlen werk bauten, konnten sie sich noch das Getreide frei auswählen, das sie für ihre Qualitätsmehle am geeignetsten hielten. Vor wenigen Tagen mußte nun Clemens Auer – zur Feier des 100jährigen Bestehens des Unternehmens – erklären, daß nicht eine technische oder betriebswirtschaftliche Rückständigkeit die heutige Lage der deutschen Müllerei bestimme, sondern der Engpaß, der zum Weltgetreidemarkt führe. Es sollten daher die Voraussetzungen für eine gesunde Getreideversorgung geschaffen werden, zumal das Brot nicht mehr ausschließlich ein wirtschaftliches Produkt, sondern auch ein politisches Faktum geworden sei. Clemens Auer sagte in diesem Zusammenhang, daß es eine Illusion sei, zu glauben, die an der Getreidewirtschaft beteiligten Gewerbezweige wären in der Lage, Preisschwankungen für die von ihnen verarbeiteten Rohstoffe in den Preisen für Mehl und Brot einzukalkulieren. Zum Thema der Überkapazität in der Mühlenindustrie äußerte Clemens Auer, es sei falsch, davon zu sprechen, weil man dabei meistens von der Gesamtzahl der Mühlen ausgehe, die aber viele Kleinstbetriebe einschließe. Man vergesse, daß den Aufgaben der Großversorgung im dichtbesiedelten Industriegebiet nur von einer ausreichenden Anzahl von Großbetrieben, genügt werden könne, die durch rationelle Betriebswirtschaft und fortschrittliche Mühlentechnik konkurrenzfähig seien. Dü.