Hamburgs Wirtschaftssenator; Professor Dr. Schiller ist aus den Vereinigten Staaten mit der Hobby-Theorie zurückgekommen. Das ist seine auf ein – treffendes – Schlagwort zusammengepreßte Formel für die Verkaufsmöglichkeiten deutscher Erzeugnisse unter Friedensbedingungen in den USA. "Drüben" sei es nämlich jetzt so, daß beispielsweise die amerikanischen Hausfrauen ein neues Hobby hätten: selbst schneidern. Das setzt Nähmaschinen für den Hausgebrauch und Schnittmuster voraus. Nähmaschinen würden, so sagte Schiller, in den Vereinigten Staaten in Serien billiger produziert (natürlich einschließlich Zoll) als bei uns. Aber Schnittmuster! Ein deutsches Unternehmen hat davon, obwohl es sich kein allzu gutes Geschäft versprach, in wenigen Tagen für mehr als eine Million Dollar verkauft. Es konnte keine Aufträge mehr annehmen, weil seine Kapazität auf längere Sicht völlig ausgelastet war. Beim Volkswagen – ein weiteres Beispiel unter vielen – wäre diese Lückentheorie auch anzuwenden.

Ohne die Hobby-Theorie überbewerten zu wollen, was der Senator selbst nicht tut, kann man doch eine Lehre aus ihr ziehen: Es kommt für die deutsche Marktbeobachtung darauf an, Hobby-Lücken im amerikanischen Markt zu erspähen – ohne die ständige Bearbeitung des nordamerikanischen Kontinents für Standardartikel wie Solinger Waren oder Foto und Optik außer acht zu lassen.

Doch vergessen wir nicht, daß in den USA neben dem Friedensmarkt der Rüstungsmarkt immer interessanter wird, daß man in Washington deutsche Kaufleute nüchtern fragt: Was könnt ihr liefern? W-n.