Von den mannigfachen Zerstörungen und Katastrophen, die Köln in seiner eintausendneunhundertjährigen wechselvollen Stadtgeschichte erlebt hat. waren die des zweiten Weltkrieges so weitgehend, daß in der Tat nur noch solche Werte übriggeblieben, die selbst durch Feuer und Bomben nicht vernichtet werden können: die einzigartige verkehrsgeographische Lage der Stadt und der ungebrochene Lebenswille ihrer Bevölkerung. Beide Faktoren spielen bei dem sich vollziehenden wirtschaftlichen Wiederaufstieg Kölns eine hervorragende Rolle, Daß dieser Wiederaufschwung seit 1945 einen für jeden unvoreingenommenen Beobachter geradezu erstaunlichen Umfang genommen hat und daß Köln dabei ist, seine alte Stellung als Wirtschafts- und Verkehrs Zentrum des Westens wieder einzunehmen, muß auch von den Pessimisten, die Köln damals für "endgültig tot" erklärten, zugegeben werden.

Es kann nicht die Aufgabe dieser Skizze sein, ein umfassendes Bild von der durch größte Mannigfaltigkeit ausgezeichneten Wirtschaft des Kölner Raumes, von seiner Eigenart und Bedeutung für Deutschland und das Ausland zu geben. Wer sich näher orientieren will, sei auf die anläßlich der 1900-Jahr-Feier unter dem Titel "Köln, ein Schwerpunkt westdeutscher Wirtschaft" herausgegebene Sonderausgabe des Mitteilungsblattes der Industrie- und Handelskammer zu Köln hingewiesen.

Eine der bedeutendsten Wirtschaftsgrundlagen des Kölner Raumes ist das linksrheinische Braunkohlenrevier. Auf der Braunkohle baut sich eine mächtige Kraftwirtschaft auf, die weite Bezirke zu beiden Seiten des Rheins mit Energie verwirft. Unmittelbar vor den Toren der Stadt liegt die größte Kraftzentrale Westdeutschlands. Die Braunkohlenenergie hat weiterhin die Gründung und Entwicklung hervorragender Unternehmungen der chemischen und elektro-metallurgischen Industrie sowie die Erzeugung von Kalkstickstoff, Karbid, Tonerde und Aluminium gefördert. Wenn auch der Braunkohlenbergbau die Auswirkungen des Krieges ohne größere Schäden überstanden hat, so mußten doch in der Kriegszeit Zukunftsprojekte sowohl auf dem Gebiete des Ausbaus und der Rekultivierung wie auch in der Erhaltung und Verbesserung des umfangreichen und kostspieligen Maschinenparks zurückgestellt werden. Trotzdem hat die heutige Förderung mit über 60 Mill. t den Vorkriegsstand bereits überschritten.

Eine dominierende Stellung im Kölner Wirtschaftsraum nimmt die vielseitige chemische Industrie ein. Unverkennbar haben Einflüsse, die vom Handel herkommen, auf die Entstehung mancher Chemiezweige eingewirkt. Die Kölnisch-Wasser-Industrie z. B. geht im Grunde auf den sehr alten Kölner Handel mit Drogen zurück, ebenso die Fabrikation von Schönheitspflege- und Heilmitteln. Aus dem Buntmetallhandel ist die Mineralfarbenindustrie, die sich vor allem mit der Erzeugung von Blei- und Zinkfarben befaßt, hervorgegangen, ferner die Industrie der Lacke und Anstrichmittel sowie der Schwarz- und Eisenoxydfarben. Zu besonderer Bedeutung hat sich auch die Industrie der chemischen Grundstoffe, vor allem Soda, Schwefelsäure und Düngemittel, sowie der konfektionierten, chirurgischen und technischen Gummiwaren entwickelt. Unter Einbeziehung der verwandten Gruppen zählt der Bezirk der Kölner Kammer heute nicht weniger als 270 chemische Betriebe mit etwa 22 000 Beschäftigten.

Die Textilindustrie, die einstmals im Wirtschaftsbild der Stadt eine überragende Stellung annahm, weist auch heute sehr beachtliche Leistungen auf. Hier seien nur die modemäßig qualifizierten Stufen der Bekleidungsindustrie erwähnt. Daneben schaltete sich in jüngster Zeit ein maßgebliches Werk der Reyonfabrikation ein, das 10 v. H. der deutschen Erzeugung an Chemiefasern produziert.

Auf der hochintensiven Landwirtschaft der linken Rheinseite in Verbindung mit dem starken Bedarf der Großstadt selbst beruht die Entstehung einer bedeutenden Nahrung- und Genußmittelindustrie. Zahlreiche Betriebe befassen sich mit der Herstellung von Obst- und Gemüsekonserven. Köln ist der bedeutendste Sitz der westdeutschen Zuckerindustrie, Die günstige Lage am Strom als Verkehrsträger von Massengütern und der hohe Eigenverbrauch der Stadt haben die Anlage von leistungsfähigen Mühlenwerken und Brotfabriken gefördert.

Die weitaus größte und wirtschaftlich bedeutendste Industriegruppe Kölns ist die Eisen- und Metallindustrie. Bei ihr tritt die auf Qualität sleistungen beruhende fertigindustrielle Richtung des Kölner Industriesystems besonders stark in Erscheinung. Sie umfaßt rund 600 Betriebe mit etwa 60 000 Arbeitskräften. Eine wesentliche Rolle bei ihrer Entwicklung spielte der Bedarf des Bergbaus. Hier sei hingewiesen auf die Produktion von Brikettier- und Antriebsmaschinen, Förder- und Verladevorrichtungen, Wagenkippern, Industrieöfen, Feuerungsanlagen u. a. m. Weiter sind vom Verkehrsbedarf, der in einem so hervorragenden Verkehrszentrum wie Köln besonders groß ist, starke Anregungen ausgegangen. Bedeutende Betriebe der Waggonindustrie, des Lokomotivbaus sowie des Gleis- und Weichenbaus arbeiten für die Eisenbahn, während die Reparatur von Rheinschiffen und die Herstellung von Schiffspropellern vom Schifffahrtsbedarf angeregt wurden. Für den Bedarf des Straßenverkehrs werden Automobile, Autozubehör, Kraft- und Fahrräder produziert. Gerade die Automobilindustrie hat in neuerer Zeit durch Erschließung des Industriegeländes im nördlichen Stadtteil eine starke Förderung erfahren. In diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, daß der Gasmotor durch die Erfindungen Nikolaus August Ottos und Eugen Langens von Köln aus seinen Siegeszug durch die Welt antrat. Der Ausbau der weltbekannten Kölner Kabelindustrie geht auf den Bedarf des Nachrichten erkehrs zurück. Erwähnt sei weiter die Herstellung von Drahtseilen und der Bau von Drahtseilbahnen, deren Absatz sich auf alle Erdteile erstreckt. Im übrigen werden die Erzeugnisse der Eisen- und Metallindustrie stark vom Handel und seinen Absatzmöglichkeiten bestimmt. Das trifft z. B. zu für Werkzeugmaschinen, Landmaschinen, Antriebsmaschinen, hydraulische Pressen, Apparate und Armaturen für das Nahrungs- und Genußmittelgewerbe, Kellereimaschinen, Pumpen, Feuerlöschgeräte, Zentralheizungen, Laboratoriumsgeräte.