Messe, Markt, Stapel – wo liegt in diesem Dreiklang historischer Ereignisse der altehrwürdigen Handelsmetropole am Rhein der Vorläufer der Kölner Messe? Es ist bemerkenswert, daß der Messegedanke in Köln erst mit der Aufhebung des für die Stadt so bedeutsamen Stapelrechtes lebendig wurde. Im Zeichen des Stapelrechtes mußte die Bedeutung der mittelalterlichen periodischen Märkte und Messen zurücktreten. Das Stapelrecht war seiner Wirkung nach "Messe in Permanenz Köln hatte "jeden Tag Messe". Die Mauern und Plätze des mittelalterlichen Kölns waren die ersten Messehallen einer durch Privilegien und eigene ökonomische Vitalität ausgezeichneten Stadt...

Als im Frühjahr 1924 der damalige Kölner Oberbürgermeister Dr. Konrad Adenauer die Kölner Messe zu neuem Leben rief, stellte er die Verbindung mit einer reichen und stolzen Tradition her. Aber die Kölner Messe lebt nicht nur in und aus der Überlieferung; sie dient seit nunmehr 26 Jahren einer ebenso realen wie bedeutenden wirtschaftlichen Wirklichkeit, und das in einem am dichtesten von Produzenten und Konsumenten besiedelten Gebiet der heutigen Bundesrepublik. Vorgeschichte und Gegenwart der Kölner Messe sind identisch mit derjenigen der nunmehr 1900jährigen Stadt am Rhein.

Die große Zäsur des Krieges traf die Kölner Messe an der wichtigsten Stelle ihres Seins, nämlich an den Messebauten in Köln-Deutz. Wie groß auch immer die Trümmerberge auf dem jenseitigen Ufer des Doms sein mochten, die Idee und Bedeutung der Kölner Messe als Dienerin eines echten wirtschaftlichen Bedürfnisses blieb erhalten. Das, was 1945 nur noch leeres Trümmergebilde war, füllte sich von einer Messe zur anderen mit neuem Leben.

Von den drei westdeutschen Messestädten Frankfurt, Köln und Hannover ist vor allem Köln nach 1945 zielbewußt den Weg organischen Aufbaues auf traditioneller Grundlage und in Berücksichtigung wirtschaftlicher und handelspolitischer Grundlagen gegangen. Die Kölner Messepolitik ist die der Fachmessen. Möbel, Textilien und Hausrat halben ihr die Richtung gewiesen. Der für die westdeutsche Wirtschaft erfolgte Ausfall Leipzigs hat der Kölner Messe nicht nur eine sachliche Erweiterung, sondern auch eine Vergrößerung des Interessentenkreises und Einkäufergebiets gebracht. Sie ist heute schon die Fachmesse für das Bundesgebiet schlechthin geworden. Eine Tatsache unterstreicht dies noch: Der Verband Deutscher Eisen warenhändler (VDE) hat die Kölner Messe zu einer offiziellen Fachmesse erklärt.

Köln darf auf seine Messeentwicklung stolz sein, zumal die Erfolge ohne versteckte oder siehtbare öffentliche oder halböffentliche Unterstützung zustande kamen. Was anderswo mit Hilfe von Protektion schneller gelang, wuchs in Köln unter dem Zwang wirtschaftlichen Bedürfnisses langsamer, aber – vielleicht sicherer.

Wie dem auch immer sei, Kölns Messe hat den bisherigen Bemühungen um eine neue, verbindliche Messeordnung standgehalten und seine Messe-Existenzberechtigung, nicht zuletzt mit Hilfe der nternationalen Beachtung, bewiesen. Die Entwicklung der Kölner Hausratmesse ist deshalb besonders bemerkenswert, weil sie bereits eine gewisse europäische Messeordung erkennen läßt. Denn das ausländische Interesse an diesem Teil der Kölner Messe ist nach der fruchtbaren Juni-Tagung der Internationalen Vereinigung der Eisen- und Hausrat-Händler in Paris noch gediegen. Bezüglich der internationalen Beteiligung ist bemerkenswert, daß Frankreich mit seiner einzigen Kolletivschau auf deutschen Messen in Köln auf der Herbstmesse vertreten war. Außerdem waren auch andere Länder wie Holland, Belgien Italien mit Sondergruppen an der Kölner Herbstmesse beteiligt. Die diesjährige Kölner Herbstmesse vereinte im übrigen Textil- und Hausratmesse in einer Veranstaltung. Und auf dem Textilgebiet beteiligte sich auch die Bekleidungsindustrie.

Die künftige Entwicklung? Ihre Problematik wird – wie man wohl annehmen darf – teilweise überschätzt. Eine europäische Messeplanung, in Richtung auf ein internationales System einer arbeitsteiligen europäischen Messeordnung – was dann ein System europäischer Fachmessen bedingen würde – ist vorerst Zukunftsmusik, erscheint also zunächst noch nicht, spruchreif. Solange das noch so bleibt, werden wir uns wohl oder übel endlich!) auf eine "nationale Ordnung" im Messewesen beschränken müssen. Martin Dürbaum