Das Berliner Schloß, künstlerisch bedeutend nur in den frühen Teilen an der Spree, dem südlichen Hof, den Andreas Schlüter umbaute, der von Friedrich Wilhelm IV. geistvoll abgewandelten Erasmus-Kapelle und der von demselben König entworfenen krönenden Kuppel, nicht aber in dem konventionellen Barock seines Hauptmassivs, ist vor allem ein historisches Denkmal. Deshalb wird es jetzt dem Erdboden gleichgemacht, damit hier weit und breit der Marschtritt der Demonstrationen hallen kann. Am Lustgarten, mit dem sich Hitler noch begnügt hatte, stand für Pieck das Schloß im Wege, stark zertrümmert im Luftkrieg, ohne Kuppel und in großen Partien ausgebrannt, aber immer noch markant und wuchtig, weit mehr als nur eine "Ruine". Zehntausende von Besuchern haben dort im Jahre 1946 die große französische Kunstausstellung besucht. Aber: "Die Werktätigen brauchen einen Platz, um ihrem politischen Willen Ausdruck zu geben", sagte auf höheren Befehl der Ostberliner Stadtrat für Aufbau, der Munter heißt. Munter ordnete die ersten Sprengungen an und bildete ein "wissenschaftliches Aktiv", das sich dem "Abbau aller kulturhistorisch wertvollen Teile" (soweit das Dynamit ihn nicht besorgt) widmen soll. Es wird aber nicht beim Abbau sein Bewenden haben. Am südlichen Ende des kommenden Roten Platzes – dort, wo jetzt noch der Schlüter-Bau steht, dem Marstall gegenüber – soll der Berliner Kreml errichtet werden ("im Rahmen des Fünfjahresplans"), der Regierungspalast der Ulbrichtschen Republik. In sowjetischem Nachklassizismus und mit Balkonen, auf denen die Führer die Huldigung der Massen entgegennehmen können... C. E. L.